Montag, 16. September 2024

Die Woge - Spiegelbilder

Harmonie und Vollkommenheit
blühen im Augenblick.
Im schmalen Grat
zwischen gestern und morgen.
Auf dem Kamm der Woge
reitest Du durch Täler.
Immer auf dem Weg
und doch schon angekommen.
Wo ist die Woge?

Was Du beobachtest,
ist nur für Dich.
Es rinnt durch die Finger
und war doch da.
Erinnere Dich
an den Augenblick.
Dann blicke durch
Deine Augen.
Vielleicht zum ersten Mal.

..........

Der eine Blick
durchs Kaleidoskop
findet nicht vorhandene Muster.
Sterne und Herzen:
Das Muster ist Ursache
der Täuschung.
Muster übereinander gelegt,
ergeben Überlagerungen,
Wege im Wirrwar.

Diese Wege sind stabiler
als die Muster.
Sie entstehen aus der Vielfalt.
Sie ergeben sich dem Beobachter
mit der Zeit.
Sie entstehen im Beobachter
mit der Zeit.
Der Blick hinaus
ist ein Blick hinein.

Freitag, 9. August 2024

Der Namenwal - Der Plattschwanz - Die Miesmuschel

Ein zahnloser Zahnwal im arktischen Meer
sann hungrig der beissfreud'gen Zeit hinterher
Vor seinem einst Furcht einflössenden Rachen
bogen sich nun die Robben vor Lachen!
Um keinen weiteren Spott zu erleben,
hat er sich als Zweitewal ausgegeben.
Und schlürft' dann aus kleinen, weichen, 
Seegurkentieren ein Breichen.

....................

 
Der Plattschwanz schwebt als Schleier,
durch die See im Süden.
Und er legt seine Eier
in Grotten tief hinieden.
Die Zebraschlange ist des nachts
der kleinen Fische Tod.
Und knäult am Tag sich selig ein
bis hin zum Abendrot.
Nur eines wurmet das Reptil,
der Meerestiere Lügen
Ein Seepferd sei, beim Discofox
ihm auf den Schwanz gestiegen. 

 .................... 


Was ist der miesen Muschel mies
so über allem Maße.
Sitzt dicht wie Moos am Kielesrand,
als blinder Schiffsansasse.
Die Wohnung, die fährt Tag für Tag
12 Knoten in der Stunde.
Und wird das alte Öl verklappt,
wirds ihr ganz schal im Munde.

Mittwoch, 7. August 2024

Die Morgenstadt

Aus ölig schwarzem stillen Weiher
heben sich des Himmels Lider.
Die blaue Iris frei von Schleier
reibt sich der Schläfer ganz.
Und das geheime Leuchten
sinkt zu Füssen nieder.

Es stöhnt und kreischt das gläsern Kind
in ungestümen Tälern.
Und silberhell mit heissen Wind
aus seinen Engelsblechtrompeten
bläst es die Blumen von den Gräbern.
Dann zuckt der Mund ihm ungebeten:
Zum Lächeln voller Glanz.

Donnerstag, 1. August 2024

Albtraum#1 - #4

 


Auf dem Brett serviert,
blass und frisch seziert,
Eiskalte Gefühle.
Und die Reste in die Spüle.

Ich hab nachts beim Regen,
lange wach gelegen,
in die Finsternis geschaut.
Mir war kalt in meiner Haut.

Dann lief ich im Traum
durch einen dunklen Raum
auf der Suche nach dem Licht
oder einer Tür.
Doch es gab dafür
nur mein Ich ohne Gesicht.

......

Ich fahr in einem Auto,
der Mörder sitzt bei mir.
Hinter uns die Polizei,
etwa nachts um vier.

In Säcken auf der Rücksitzbank,
da liegen Frau und Kind
Der Mörder hält den Colt solang
wir in Bewegung sind.

Dann halten wir und ich sag stur
„Die Polizei kommt gleich.“
Er sagt: „Ich werf den Ballast nur
dort hinten in den Teich.“

Im See, da ist das Wasser klar
und beide sinken schnell
ich stehe ganz verzweifelt da
und langsam wird es hell.

Die Polizisten sind zwei Frauen,
und eine springt ins Nass.
Die andere macht mich los vom Baum
und setzt mich dann ins Gras.

Die Kollegin kommt zurück:
„Die Frau hat’s überwunden.
Mit dem Kind hatt ich kein Glück.
Das hab ich nicht gefunden.“

…..

Ich geh an einem Haus vorbei
auf einem weißen Weg.
oder ist es doch ein Schloss,
und denk mir nichts dabei,
als mich ein grauer Mann
begrüßt, der keine Schatten wirft,
und mich danach sogleich umarmt
und mich am Halse würgt.

Die Luft wird knapp, der Rücken krampft
und davon werd ich wach
und eine Stimme sagt mir sanft,
„Du weißt, wer das gemacht!“
„Ich weiß es wohl und weil ich’s weiß,
kommt er gewiss nicht wieder!“
sage ich und bete leis
und leg mich nochmals nieder.

.......

Es war ein Ort der Wärme,
wie ein Kaminfeuer flackerte ein blasses Gesicht
Jähe Angst riss dich fort.
Jetzt steh nicht so traurig herum.
Schließ deinen Mantel,
Zieh den Hut tief ins Gesicht.
Durch dunkle Gassen wirst du wandern
und der Himmel speit sein Wasser über dich.