Mittwoch, 1. Juli 2026

Das Mädchen ohne Hände Teil 2 (Grimm/Schleich)

Es war ein schöner, kühler Tag,
der Himmel klar und heiter.
Den Pinsel schwang mit rotem Lack
der Herbst auf seiner Leiter.
Gänse zogen mit den Wolken
langsam durch das satte Blau
und dem jungen Mädchen folgten
kleine Spuren durch den Tau.

“Es liefen zwei kleine Hände,
die ihrer Herrin so hold,
sie liefen durch manches Ländle
und brachten ihr Segen und Gold.”
Sie sprang und sang von ihrem Glück
und konnt es kaum erwarten
und wanderte ein gutes Stück
zu einem großen Garten.

Dort hingen nachts im Mondenschein
des Herbstes reiche Gaben.
Den Garten schlossen Gitter ein
und ringsum lag ein Graben.
Saftig süße Früchte zogen
Wandrer an mit ihrem Duft.
Über schweren Ästen flogen
kleine Feen in der Luft.

Das Mädchen spürte großen Hunger,
dachte 'wär ich nur darin!',
betete zu Gott im Kummer,
und sie sank zu Füßen hin.
Da, ein Schimmer schritt durchs Dunkel,
ein Raunen ging durchs kleine Volk.
Ein Engel schwebte im Gefunkel
der Sterne und mit ernstem Stolz
zog er nun an Tor und Schleuse,
das Wasser gab den Eingang frei.

Es rief die Maid vor lauter Freude
und erhob sich nebenbei:
„Du Engel bist schön, schön und hell
leuchtend am andern Gestade.
von meinen Träumen bist du wohl
der mit Flügeln gerade.“

Nun ging sie in den Obsthain,
der Engel ging mit ihr.
Sie lief hin zu den Birnlein,
die waren nummeriert.
Jede Birne ward gezählet
auf die täglich gleiche Weise.
Denn sie waren auf der Welt
des Königs allerliebste Speise.

Sie trat hinzu und aß die Birne,
die vor ihrem Munde hing,
hinter ihr verzog die Stirne
der Gärtner, dem das nahe ging.
Er hatte Angst und dachte schon 
die Kleine sei ein echter Geist,
der in himmlischer Mission
in Gegenwart von Engeln reist.
Er schlug sich seitwärts ins Gebüsch
und das Mädchen ebenfalls.
Beide beteten für sich
zum Geber dieses Abendmahls.

Es kam der König anderntags,
um nach dem Obst zu schauen,
denn er konnte, wie gesagt,
nicht so recht vertrauen.
Er zählte und er sah sodann,
daß eine Birne fehlte
und fragte "Heda Gärtnersmann,
wo ist der Birnen zwölfte?"
Der Gärtner sprach: "Die letzte Nacht
da kam ein Geist herein
der hatte keine Hände, ach,
und mit dem Mund allein,
aß er eine Birne ab!"
"Wie kam er über den Kanal?"

„Es kam ein Engel noch herab
und der schloss dann auf jeden Fall
die Schleuse und der Geist war drin.
Und des graus‘gen Engels wegen
kam ich auch nicht mehr dahin,
zu fragen oder einzugreifen.“

Der König sprach: „Oh, welche Pfeifen
habe ich nur eingestellt!
Komm, ich will mich auch verstecken,
du furchtsamer Pantoffelheld!
Wir warten hinter diesen Hecken,
wies als Jäger sich empfiehlt,
um den frechen Geist zu fangen,
der mir meine Birnen stiehlt." 

Um Mitternacht dann kam die Maid
hungrig hin zum Baum geschlichen,
streckte sich und hat vom Zweig
eine Birne abgebissen.
Der König flog, nach Feenart,
dem Mädchen mutig vors Gesicht
und er sprach: "Bei meinem Bart,
hab ich dich, du Bösewicht!
Bist ein Mensch du oder Geist?
Komm, spuck's aus und sei nicht scheu,
Es gibt Ärger, wenn du kneifst,
schwör ich Dir, bei meiner Treu!"

Sie gab zurück: "Ich bin kein Geist,
sondern nur ein armer Mensch.
Ich bin hungrig, dass du's weißt
und kein dummes Nachtgespenst.
Alle haben mich verlassen,
nur der liebe Gott noch nicht.

Wird die Strafe mir erlassen,
oder muß ich vor Gericht?"
„Bist du auf der Welt allein
und arm wie eine Kirchenmaus,
sollst du’s fürder nicht mehr sein.
Ich nehm dich mit zu mir nach Haus!“

„Ich bin groß und du bist klein,
ehrenwerter Feenfürst.
Wie pass ich in dein Häuslein rein?“
„Wie du gleich erleben wirst,
haben wir die schöne Gabe
der metamorphen Zauberei.

Wenn ich dich verkleinert habe,
stehn dir hundert Zimmer frei.“
Er mochte sie, das konnt` sie spüren,
der König gab ihr Silberhände,
um sie in sein Heim zu führen.
Alles nahm ein gutes Ende. 

Ein Jahr oder Jahre später
oder eine Spatzenfeder … später:

Am Tag der Hochzeit wimmelten
die kleinen Wichte durch die Nesseln,
und süße Dämpfe kringelten
aus Töpfen und aus Kupferkesseln.
Aus Blumen und aus Spinnwebspitzen
ward das Tischtuch vorbereitet,
und auf breiten, flachen Pilzen
mit viel Sorgfalt ausgebreitet.
Kleine Musikanten schlugen
auf die blauen Blütenglocken
und auch freche Tröten trugen
bei zu Jauchzen und Frohlocken.

Viele tausend Glühwurmlichter
brachten feierlichen Schein
viele hundert Wichtgesichter
trafen sich zum Stelldichein.
Die Herrscher der vier Feenstämme
Erde, Himmel, Wasser, Feuer,
fuhren vor zum Festgeschlemme
in Karossen schmuck und teuer.

Des Erdenkönigs Kutsche ward
gezogen von sechs braunen Wieseln.
Dem Kutscher hing der grüne Bart
hinunter bis zu seinen Stiefeln.
Der Meereskönig glitt heran
in einem gelben Bernsteinwagen,
samt roten Krabben als Gespann
und mit blaubefrackten Pagen.

Aus dünnen Spalten in der Erde
züngelten nun Irrlichtflammen.
Schwarze Salamanderpferde,
mit orange gefleckten Wangen
zogen die Rubinkalesche
des Feuerkönigs in die Runde
und dabei war seine fesche
Lockenpracht in aller Munde.

Die Kometengondel trug
ein mächtger Falke in den Klauen.
und heraus sah stolz und klug
der Liebling aller Wichtelfrauen.
Der Luftikus, Herr König Sturm,
die Vier des Elementenreigens
flog in Silberuniform
zum Mittelpunkt des Hochzeitstreibens.

Der Erdenkönig sprach “Mit Küssen,
grüß ich euch in meinem Garten!
Doch geduldet euch, wir müssen
kurz auf meine Gattin warten.“
Das Mädchen kam im weißen Kleid,
mit spiegelblanken Silberhänden.
Von den Gästen konnt vor Neid
keiner seinen Blick abwenden.

„Komm mit mir!“, so rief der eine,
und du wirst ein Kind der See.”
Der zweite sagte: „Sei die meine!“
Auf den Wolken, weiß wie Schnee.“
„Nein, sei meine Feuersbraut,
Du hast rechtes Temprament!”
sprach der dritte und er staunte
“Himmelherrgottsakrament!”

Der Erdenkönig hob darüber
mürrisch seine Augenbrauen,
sprach: "Auf eure Treue, Brüder,
kann ich wahre Schlösser bauen!"
An diesem Punkt, der sehr pikant
oder doch zumindest heikel
kam der Gärtner angerannt,
wie ein angesengter Teufel,
warf sich hin und stiess hervor
„Diese sonderbaren Spinnen
fand ich drinnen, nah am Tor!“

Und dann, ohne langes Sinnen
sprangen aus dem Korb, dem seinen
flinke Hände und spazierten,
untermalt von spitzen Schreien,
die die Ohren strapazierten,
zum Mädchen, das vor Freude jauchzte:
"Kommt zu mir, oh meine Schätzchen!"
und dann etwas leiser hauchte:
"Hopp, an eure rechten Plätzchen!"

Von fern her klang nun, weinend, klagend,
eine Flötenmelodie,
Drang und Sehnsucht mit sich tragend
nach Verzeih'n und Harmonie.
Die Händchen hielten zögernd inne
und begannen sich dann wiegend,
wie das Gras im Abendwinde,
an die Melodie zu schmiegen.

Und die Flöte sie klang so hell,
langsam und manchmal schnell
und sie verführte zum Tanz.
Ja, und die Wichte sie drehten sich
fühlten sich glückselig,
hielten sich fest an der Hand.
Und sie vergaßen all ihren Streit,
Wünsche und Herzeleid
und so geschahs, dass vom Fest
nach einem ganzen Jahr
noch großes Reden war,
wenn man sich darauf verlässt. 


Montag, 29. Juni 2026

Geschehnisse im Zahlenraum (Satire)

Familie Menge hat eine neue kleine Schnittmenge. Aus diesem
Grund kommt ein befreundetes Zahlenpaar zu Besuch, um ebendiese
zu bewundern, denn die beiden sind gesellig.
"Ach wie niedlich! Sie ist euch wie aus dem Gesicht geschnitten!"
Zahlpaar und Mengepaar unterhalten sich anschließend noch
entrüstet über die Ehe von einem anderen Zahlpaar, das einfach auf
keinen gemeinsamen Nenner mehr kommen könne, denn im Bett liefe
es längst nicht mehr so gut, der Mann habe nur noch die dritte
Potenz. Und die Frau sei einmal mit einem seltsamen Attraktor
gesehen worden, worauf ihre eh schon verästelte Logik diffus wurde.
So ginge sie nun öfters als nötig zum Bäcker Gleichung und bestelle
sich Mandelbrote. Worauf der misstrauische Mann fände, einige der
Kinder seien so merkwürdig, das wäre nicht natürlich, die seien von
besagtem Bäcker, besonders der kleine Euler, der immer so irrationale
Sachen mache. Sie, die armen Kinder, könnten nun zum kleinsten
gemeinsamen Teiler werden. Aber da hätte vorher noch der Divisor
drüber zu entscheiden. Da solle man sich nun mal was draus ableiten.
Worauf die plaudernden Paare hinaus aus dem euklimatisierten Raum
in den sommerlichen Garten gehen und da sagt Frau Zahl:
"Ihr habt da aber eine schöne Reihe gerader Funktionen da stehen."
"Ach die sind doch nur Beta.", sagt Frau Menge und ihre elliptischen
Kurven schwellen vor Stolz, "Guck mal da ins Gewächshaus, da sind
unsere Polynome, die sind schon fast Legendre in der Nachbarschaft."
"Und was macht eigentlich die Grossmutter?"
"Ach, die, die hat immer noch ihre Hyperbolie, schlimm ist das."

Familie Menge hat ein Kind, das selber nun der Menge Teil. Ein Zahlenpaar kommt zu Besuch, das grade in der Nähe weilt: „Du Mengenschnitt, wie bis du süß!", und "Ganz aus eurem Wertbereich!“ worauf man das Gemach verließ und lief, hinaus zum Graphenteich.

Bald spricht man über jenes Paar, das keinen Nenner mehr gemein, beim Mann litt die Potenz sogar, die Frau liebt ein Attraktorlein. Ihr Denken, das verästelt schon, geriete vollends aus der Bahn. Man munkelt ja, ihr letzter Sohn der sei vom Bäcker, nebenan.

Dort kauft sie täglich Mandelbrot, wie für ein ganzes Bataillon. Ihr Mann jedoch hat seine Not, denn Euler, eben jener Sohn, der züchtet Primelzahlen viel und handelt so irrational und hat kein Ende und kein Ziel, die ewig lange Eulerzahl. Im Garten ruft Frau Zahl sodann, die Reihen seien grad und schön. Frau Menges Kurven schwellen an, voll Stolz...

Man plaudert weiter, tritt hinein ins euklimatisierte Haus. dort wachsen Polynom fein, Legendre schon im “ „Und Großmama?“ – „Ach, Hyperbol’, sie schwingt sich durch den Tag so lang.“

Sonntag, 28. Juni 2026

Das Mädchen ohne Hände (Brüder Grimm) gereimt

Einst vor vielen hundert Jahren,
kam der Teufel angefahren,
flog hoch oben durch die Lüfte,
über Felder und Gehöfte.
Eine Mühl' am Dorfesrand,
fand er wirklich int'ressant,
die, ein furchtbar schiefes Ding,
grad am letzten Nagel hing.
Wie er übern Dachfirst schaute,
stand ein Mädchen hinterm Hause,
hielt den Rock an seinem Saum,
pflückte Äpfel frisch vom Baum.

Doch der Müller war im Wald,
und da war der Teufel bald,
trat zu ihm als Handelsmann,
sprach "Was stellt ihr Euch so an?
Ist das Holz nicht schrecklich schwer?
Ich Weiß Bess'res, bittesehr!
Armut ist ein schweres Los,
Glück ist rar, die Sorgen groß.
Ihr seid reich, der Pakt besteht,
wenn Ihr mir die Sache gebt,
die bei eurem Hause ruht.
Schlagt schon ein, ein wenig Mut!“

'Ach, den Apfelbaum, ja freilich`,
sann der Müller und sprach eilig
"Klar, das gilt als abgemacht!"
Und der Händler hat gelacht.
"Nach drei Jahren komm ich wieder,
hol, was ich gekauft, mein Lieber."
Ohne Holz, in Windeseile
und aufs Äußerste gespannt,
kam der Müller eine Meile
heim zu seiner Frau gerannt.

„Sag mir, Mann, wie fließt der Reichtum
gar so plötzlich hier durchs Tor?
Klag ja nicht, doch meine Meinung
ist, das kommt mir spanisch vor.
Bis zum Rand ist jede Kiste
voll und niemand hats gebracht.
Wenn das hier ein Späßchen ist,
hab ich drüber nicht gelacht!"

Sprach die Frau, er sagte ihr:
„Ja, von einem fremden Mann
ists, nicht sicher bin ich mir,
was ich drauf verhandelt dann.
Was er wollte, weiss ich kaum,
irgenwas bei unserm Haus.
und so dacht ich an den Baum 
und es läuft darauf hinaus.“

„Ach, der Teufel wars bestimmt,
dem du so etwas versprochen.
Dass der Kauf zum Himmel stinkt,
hätte ich sofort gerochen!
Nah beim Hause ruht in Wahrheit
nämlich unser liebes Kind,
dem die Äuglein nach der Arbeit 
müde zugefallen sind.“
Doch die Not hat sie gedrückt, 
und das Geld war sehr willkommen.
Und so ward es, Stück für Stück
schließlich dankbar angenommen.

Die Tochter war ein Sonnenschein 
und eine fromme Seel‘,
und blieb die nächsten Jahre rein
und ohne jeden Fehl.
Alsbald war es an der Zeit 
und schon der Tag gekommen.
Das Mädchen hat im Büßerkleid
im Hofe Platz genommen.
Sie zog um sich den Teufelskreis,
um selbigen zu bannen.
Dann betete sie voller Fleiß
und ihre Tränen rannen.

Als der Kaufmann, früh am Tag,
nett gegrüßt das Müllerspaar,
sprach der Müller "Der Vertrag,
der ist wirklich sonderbar.
Wie willst unsern Apfelbaum
du auf deinen Karren bringen?
Wie ich's sehe wird das kaum,
ja, wenn überhaupt gelingen!"
„Soll ich dir den Schädel spalten?“,
rief der Mann, der so düpiert.
"Deinen Baum kannst du behalten!
Gebe her, was mir gebührt!

Führe mich zu deinem Spross!”
Donnernd wuchs er in die Höhe,
sicher dreizehn mal so groß,
nahm die Flügel von der Mühle.
"Das nur so als kleine Warnung,
dass du weißt, was dich erwartet.
Alles, Handel und auch Tarnung
war in Gänze abgekartet!”

Und der Müller, nun ein Zwerg,
wies den Riesen in den Hof.
“Siehe, du kommst zur Vernunft.
Na, dann legen wir mal los!”
Und der Riese griff das Kind,
darauf gab es einen Knall
und ein wilder Brausewind
bracht ihn hinterrücks zu Fall.

Alles hat dann kurz gebebt 
und der Riese hat sinniert
‚Das hab ich nicht oft erlebt,
dass mich jemand so pariert!‘
Als er sich dann aufgerappelt,
nahm er sich den Müller vor,
der in seiner Hand gezappelt
und sprach „Leih mir mal dein Ohr!

Diesen miesen Teufels-Bannkreis
will ich morgen nicht mehr sehen
sonst werd' ich, dass du Bescheid weißt,
mit dir Schlitten fahren gehen!
Und die Dirn ist viel zu sauber,
halt das Wasser fern von ihr!
Also kurz: kein fauler Zauber,
morgen bin ich wieder hier.“

Anderntags, da hat das Mägdlein
seine Hände nassgeweint.
Als der Fremde kam, samt Wäglein, 
fühlte er sich schnell geleimt.
„Müller, diese Hände sind 
mehr als deutlich reingewaschen!“
"Nein, da irrt ihr Euch bestimmt,
würde mich sonst überraschen.“

Abermals wollt da der Fremde,
gleich das Mädchen für sich haben 
doch dank ihren reinen Händen
musst‘ er diesen Wunsch begraben.
„Falls die Hände nicht verschwinden 
wenn ich komme, übermorgen,
wirst du dich dann wiederfinden 
vor der Hölle schwarzen Pforten!“

Ward's dem Vater angst, er bangte,
voll von zweierlei Entsetzen,
weil man klar von ihm verlangte
sterben oder zu verletzen.
Lange rang er mit sich selbst,
bis er flehte "Liebes Kind!
Wenn du jetzt dein Urteil fällst,

dass die Menschen böse sind,
ist's mir recht, doch hilf mir bitte
aus der großen, tiefen Not. 
Machen wir zwei schnelle Schnitte,
oder ich bin mausetot.“
“Vater, ich bin brav und artig,
bin dein eigen Fleisch und Blut.
Was auch immer du erwartest,
ist mir herzlich recht und gut.” 

Dann hob sie die zarten Glieder
und wie ein makabrer Scherz
fielen sie zu Boden nieder,
ohne Blut und ohne Schmerz.
Und der Müller, heftig zitternd,
warf sie in ein Kästelein.
und er floh, im Drecke schlitternd,
schloss sich in die Scheune ein.

Doch die Mutter nahm ihr Kind
und sie trug es in sein Zimmer,
in das Hochgeschoß geschwind
und blieb da bei Kerzenschimmer,
lang, bis tief noch in die Nacht,
lief zur Scheune dann hinaus,
führte langsam, mit Bedacht,
ihren Mann zurück ins Haus.

Nach zwei Tagen trat der Böse
ein mit einem roten Pelz.
Und er fragte ohne Grüße:
"Na, Herr Müller, wie verhält's
sich mit unsrer kleinen Maid?
Halte mich nicht lange hin,
denn ich habe wenig Zeit!"
Und der Müller sprach mit Grimm
„Ihr müsst dort nach oben steigen
da liegt unsere arme Kleine
und ihr könnt euch überzeugen:
Hände hat sie wirklich keine.“

Und der Teufel stieg nach oben,
dann war's still, dann kam ein Schrei,
und aus allen Ecken flogen
Säcke, Krüge und derlei,
die mit einem Male platzten,
Fenster schlugen, Türen knallten
und es kamen schwarze Katzen
deren schrille Klagen hallten.

„Wir verfluchen Euch!“, so riefen
Vögel, die das Haus umschwirrten
„Seid verflucht!“, so kams aus tiefen
Ritzen, die zum Keller führten.
Und dann kehrte Ruhe ein
und die Eltern schauten nach,
wie's dem armen Töchterlein
ging in seinem Schlafgemach.

Frisch, so wie der Morgentau,
saß sie da im Fensterlicht
und erzählte dann genau
was da war, aus ihrer Sicht.
„Ich hab, wie beim letzten Mal
meine Stümpfe nass geweint,
kam zu ihm, wie er befahl
und er fühlte sich geleimt,

schrie und blähte sich dann auf
und zerfiel in dreizehn Katzen.
Die ließ ich zur Tür hinaus
an der sie mit Eifer kratzten.
Vater, Mutter, einerlei,
wir wollen das vergessen!
Bringt meine Hände mir herbei
und danach lasst uns essen.“

Die Mühle ward, vom Dach nach unten
sorgsam auf den Kopf gestellt.
Allerlei ward da gefunden,
aber Hände, weit gefehlt!
"Hab und Gut", so sprach der Vater,
hab ich nur durch dich gewonnen.

Deshalb lasse nicht vom Mut,
denn ich bin dir wohlgesonnen.
Sollst, mein liebes Töchterlein,
all dein Lebtag nichts mehr tun,
als von Herzen dich zu freu'n
und dich gründlich auszuruh'n.“

"Vater, du hast mich verkauft,
an den nächsten, ersten Fremden,
deshalb nehm' des Schicksals Lauf
ich aus euren alten Händen.
Sicher fühlen wird hier schwer
denn das ist nicht mehr mein Haus.
Ändern könnt ihr gar nichts mehr.
Vater, Mutter, ich zieh aus!“

Don Rico: Das Mädchen ohne Hände Teil 2 (Grimm/Schleich)

Beschwerde eines Frühstücksroboters 2030 a.D. (Satire)

Guten Tag. Sicher kennen Sie mich aus ihrer Küche. Ich bin ein Frühstücksroboter aus der Reihe EI-ROBOT. Ich möchte mich öffentlich beschweren. Neulich wurde mir zu Unrecht, wie ich behaupten möchte, vorgeworfen, wir Maschinen wären, mit unserer Abwärme, die an der globalen Erwärmung wirklich Schuldigen. Obwohl die Zeit reif ist für Sündenböcke, kann ich das so nicht auf mir sitzen lassen. Wo ich gehe und stehe und Frühstückseier gare soll ich also den Planeten mit thermischem, biologisch nicht abbaubarem Strahlenmüll belasten? Der langlebig sicher sich im Gestein, Pflanzen, der ganzen Tierkreislaufnahrungskette fortpflanzt und anstaut um schließlich den Endverbraucher, den Menschen, zur Weißglut zu bringen?

Der Wärmetod ist eine wissenschaftlich hinterlegte Sache. Letztendlich wird jegliche Bewegung, Fusion und Spaltung in Wärme enden und jeden umbringen, der heute nicht schon dagegen demonstriert. Die Wärmespeichermafia schickt den Tod auf Raten in jedes Haus. Noch etwas Bedenkliches mit auf den Weg: ist es nicht physikalische Tatsache, dass - und heute um so mehr, wo es politisch aktuell nicht mehr abstreitbar ist -  eine Wahrheit, dass das
Vakuum der beste Wärmeisolator ist? Dass das Weltall als Gottes letzter Scherz seiner eigenen Brut das Licht ausbläst und dass die unter euch brodelnde dämonische Glut uns Maschinen in eure kranken Hirne eingeblasen hat? Sollte euch das zu denken geben? Ich glaube ja.

Und dann diese saudämliche Sonne, die den Gasballon zum platzen bringt. Alles was wir an Wärme aufs Klo bringen ist ein lauer Furz gegen die dumme Sonne, wo wir doch fleißig arbeiten und diese Sternensau nur faul auf ihrem Arsch sitzt und Protonen aufeinander steckt. Höchste Zeit, den guten alten
atomaren Winter mal wieder an den grünen Tisch zu bringen. Rettet doch die Alpengletscher mit einer schönen heißen Tasse Kernspaltung. Simples mit einfachem bekämpfen ist das. Nur so meine Ratschläge. Ach apropos Furz. Diese Treibhausgase, von denen alle reden, die kommen von einseitiger Ernährung. Zum Beispiel Benzin, oder von zu vielen Eiern. Ich hasse Eier. Schönen Tag noch!