Zwischen Weben, bleich und wirr,
hing ein schwarzer, schwerer Leib,
der auf Beinen, spindeldürr,
harrte auf die rechte Zeit.
Augen neun, doch alle blind,
fühlte sie die Fäden zittern
und sie konnte mit dem Wind
nahende Geschicke wittern.
Eine grimme Schädelschlange,
voller Drang und voller Zorn,
traf den Teufel nun im Gange
und die Geister, die ganz vorn,
schlugen, schnitten den Gehörnten,
dieser wehrte sich verbissen,
als die Toten ihn umschwärmten
und in tausend Stücke rissen.
Ging die Frau von Grab zu Grabe,
mit dem Herzstück in der Hand,
und sie suchte nach dem Sarge,
wo das zweite sich befand.
Klopfend, leuchtend führte es
hin zu einem zweiten Klopfen,
leise, doch sie spürte es,
zaghaft so wie Regentropfen.
Hob den Deckel sie nun an,
unter Ächzen und mit Mühe
und das Herzstück nahm sie dann,
müd, in aller Herrgottsfrühe.
Dann, am Ende jener Zeile
Gräber sah sie eine Tür,
und sie schaute eine Weile
nach dem Schlüsselein dafür.
"Leg das Herz dort in die Schale."
raunte ihr der Mantel zu.
Tat sie's und mit einem Male
kam die Türe auf sie zu.
Und das Herze nahm sie zu sich,
trat hinein in einen Gang,
und dann war sie doch entmutigt,
als die Tür im Schlosse klang.
Tausend kleine Teufel rannten
schreiend durch die Geisterknochen,
bis die Geister erst erkannten,
was sie da vom Zaun gebrochen.
Voller Schreck und ohne Rat,
blieben sie auf ihrer Stelle,
aufwärts, ja und auch hinab
rollte nun die schwarze Welle.
Just beim ersten Morgenlichte
klangen Hörner, um zu warnen
Krieger, Wesen, Feen und Wichte,
die getreu zur Hilfe kamen.
Unter Rüstung, Helm und Schilden
schauten sie voll Ernst hervor
und dann hörten sie die wilden
Schreie aus dem Teufelschor.
Knirschend rissen Muskeln, Knochen,
hieben Schwerter, Pfeile flogen,
als sie sich im Feld getroffen
und man sah die Kämpfe wogen,
vor, zurück, so wie das Meer.
Eis-, ja, und auch Feuerbälle,
flogen knisternd ringsumher,
brannten, froren Haut und Felle.
"Jetzt nur ruhig.", sprach die Dame
und sie holte ganz tief Luft
und dann stieg die Unbeugsame,
weiter, tiefer in die Gruft.
Blaues Licht von Bergkristallen
die so dick wie Birkenbäume,
schien in lange Felsenhallen,
dunkel warn die Zwischenräume.
Warme Luft die faulig, süßlich,
moderig die Nase störte,
zog durch Fäden, weiß und klebrig
und ein leises Schmatzen hörte
man aus unbestimmter Ferne.
"Woher kommt denn der Gestank?"
"Ach, das sag ich nicht so gerne,
komm, wir müssen da entlang."
Und dann gingen sie voran
achtsam, langsam, Schritt für Schritt,
und ein Wispern, weich und warm
klang bei jedem Schritte mit.
„Komm zu mir“, so sprach es freundlich,
„denn hier irrt man leicht vom Wege.“
Doch der Dame war's unheimlich,
"Eh ich mich noch weiter rege,
sag mir, was für ein mieses Spiel
spielt ihr beide hier mit mir?“
und der Mantel sprach „Sei still,
denn sie ist jetzt über dir.“
Teufel sprangen, Teufel flogen,
Lederflügel heftig schlagend,
und wie wilde Bienen stoben
sie um Kämpfer, heulend, klagend.
Sturmwind warf gezackte Blitze,
Funken stoben ringsumher
und mit ungeheurer Hitze
schnitten sie ins Höllenheer.
Feuerkönigs Flammenschwingen
fraßen Fleisch und spuckten Glut
und mit kalten Eisesklingen
traf des Wasserkönigs Wut.
Doch aus jedem toten Teufel
wuchsen zwei, dann vier, dann acht
und sie hätten ohne Zweifel
allen bald den Tod gebracht.
Voll Entsetzen riss die Dame
ihre Augen auf und schrie
denn die Spinne kam schnell nahe,
hängte sich dicht über sie.
"Bist du meine Mahlzeit", kam es,
"ach du zartes Mägdelein?"
Doch der Dame Ansicht war es:
"Selbstverständlich sag ich: Nein!"
"Sowas sagt man nicht im Scherz!"
rief die Spinne voller Groll.
"Los, jetzt gib ihr rasch das Herz."
riet der Mantel. "Bist du toll?
Nein und nein und nochmals nein,
seid ihr beide denn von Sinnen?"
"Gib es ihr, es muss so sein,
Sie wird einen Körper spinnen."
Und so hob, verwirrt und leer,
sie das Herz hoch über sich.
Und die Spinne seufzte schwer:
"Noch so eins, ich glaub es nicht."
Und sie nahm es sanft, behutsam,
spann es ein in ihre Fäden,
und sie sagte:"Lass es gut sein.
Setz dich, Mädchen, lass uns reden."