Donnerstag, 14. Mai 2026

Das Mädchen ohne Hände Teil 6

Zwischen Weben, bleich und wirr,
hing ein schwarzer, schwerer Leib,
der auf Beinen, spindeldürr, 
harrte auf die rechte Zeit.
Augen neun, doch alle blind,
fühlte sie die Fäden zittern
und sie konnte mit dem Wind
nahende Geschicke wittern.

Eine grimme Schädelschlange,
voller Drang und voller Zorn,
traf den Teufel nun im Gange
und die Geister, die ganz vorn,
schlugen, schnitten den Gehörnten,
dieser wehrte sich verbissen,
als die Toten ihn umschwärmten
und in tausend Stücke rissen.

Ging die Frau von Grab zu Grabe,
mit dem Herzstück in der Hand,
und sie suchte nach dem Sarge,
wo das zweite sich befand.
Klopfend, leuchtend führte es
hin zu einem zweiten Klopfen,
leise, doch sie spürte es,
zaghaft so wie Regentropfen.

Hob den Deckel sie nun an,
unter Ächzen und mit Mühe
und das Herzstück nahm sie dann,
müd, in aller Herrgottsfrühe.
Dann, am Ende jener Zeile
Gräber sah sie eine Tür,
und sie schaute eine Weile
nach dem Schlüsselein dafür.

"Leg das Herz dort in die Schale."
raunte ihr der Mantel zu.
Tat sie's und mit einem Male
kam die Türe auf sie zu.
Und das Herze nahm sie zu sich,
trat hinein in einen Gang,
und dann war sie doch entmutigt,
als die Tür im Schlosse klang.

Tausend kleine Teufel rannten 
schreiend durch die Geisterknochen,
bis die Geister erst erkannten,
was sie da vom Zaun gebrochen.
Voller Schreck und ohne Rat,
blieben sie auf ihrer Stelle,
aufwärts, ja und auch hinab
rollte nun die schwarze Welle. 

Dann, beim ersten Morgenlichte
klangen Hörner, um zu warnen 

… wichte


Don Rico: Das Mädchen ohne Hände Teil 5 

Dienstag, 12. Mai 2026

Der Winter

Der Winter legt den Schnee in Wehen,
ans Fenster wird er Blumen sähen.
Dem armen Schwan im frost'gen Weiher 
ist das Treiben nicht geheuer. 
Das Wasserloch, in dem er hängt, 
wird tagtäglich eingeengt. 

Schnee ist Hydronol in Flocken, 
oder Kohlensäure, trocken. 
Doch wenn die vom Himmel fällt, 
sieht es schlecht aus mit der Welt. 

Im Keller zwischen Zeitungsrestern 
finden wir den Schnee von gestern. 
Kalt ists, grau ists, alles wartet, 
wann der Wetterwandel startet. 

Märzenbecher, Storchgeklapper 
und der Stoff wird wieder knapper. 
Sonnenstrahlen, grüne Wiesen, 
und Allergiker, die niesen.

Montag, 11. Mai 2026

Ode an den Wein

Für Hoffnungs-, ach, und Wurzellose, 
bleibt die Soße aus Glucose. 
Die in roten Kullern rebt, 
dann mit Weingeist sich belebt,
in Ballons mit Röhrchen aussen, 
innen tut die Hefe schmausen. 

Das Ganze noch filtriert in Flaschen 
und schon fertig ist zum naschen, 
was den rasten Geist, den losen, 
sinken lässt in Richtung Hosen. 

Im Kopf bleibt nur noch Sinn und Licht, 
nicht mehr so ein Mistdickicht. 
Ja, was grad noch komplizert, 
ist jetzt einfach buchstabiert. 

Von Hemmung frei kann man jetzt sagen, 
oder singen schön und laut, das Leben sei, 
sonst fad und nüchtern, 
im Suff nur zu ertragen. 

Ein Riesenschritt in Richtung Eden 
wär ein Weinberg für ein' Jeden! 
Und was weiterhin noch fein, 
es fühlt sich nicht mehr so allein. 

Denn einen guten Grund zum trinken 
und Kumpane, die sich freun, 
finden sich doch alle mal, 
heute heisst es lustig sein! 

Drum hoch die Tassen liebe Schwestern 
und auch weinselige Brüder, 
trinket aus und schenket ein, 
zum Zimbelklange schwingt das Bein,  
dass die Feierlaune bleibt und wird niemals müder.

Der Knödel

Eine dünne Amsel war im Schnee verloren. 
Weil der leckre Wurm im kalten Bau erfroren. 
Sie hüpft' herum, bald hier bald dort 
und hörte, wie der Magen knurrt. 
Jedoch am Baum, ganz unfrierbar, 
ein Meisenknödel wunderbar! 
Jetzt sah die Amsel wieder klar, 
schaut dick und rund ins neue Jahr. 
Obwohl sie keine Meise war. 
Drum Dank dem edlen Meisenknödler 
für seinen Speiseplanveredler.