Mittwoch, 7. Oktober 2026

Zweimal geschüttelt

Es fragt die Frau vom Standesamt,
die von den hohen Anden stammt,
den Mann mit einem Geissenbart,
ob er ihr was zum Beissen gart.

………………………

Beim Dämmerlicht den Spähbericht
Der Sperber mit dem Reh bespricht.
Er sah, statt dass der Füchse fangen,
Den Förster um die Büchse bangen.
Dieselbe tat zur Linken schiessen
so dass, -statt anvisiertem Ziel-
Fünf Kohlköpf' ihre Schinken liessen.
Beim Waldesgrund, in tiefer Nacht,
Das Reh sich immer schiefer lacht.   

………………………

Es waren zwei alte Witwen,
die schrieben gern Algorithmen.
Dann stockte das Netz,
es empfahl das Gesetz,
dass sie sich dem Steckhalma widmen.

………………………

Erwin, dem der Brägen flötet,
weil er sich recht zugelötet,
legt das Eis gewandt anstell‘
ins Frostfach in die Mikrowell‘.
Und als das Glöckchen dann erklingt
und es dezent nach Himbeer stinkt
und er es dann ganz sicher weiß
da ruft er leis: das Eis ist heiß!

………………………

Eine Robbe hab versucht
zum Laufen ich zu bringen. 
Ihr Laufen war ja schlecht genug, 
doch fabelhaft ihr Springen.

Sie sprang nach hier, sie sprang nach dort,
sie sprang mich in übern Haufen,
sie riss mich mit, ins Meer hinfort,
fast war ich am ersaufen.

Ich strampelte und dachte stumm,
„Ja, ist die denn von Sinnen?“
Zum Tauchen war ich echt zu dumm,
doch nicht zu dumm zum Schwimmen.

Montag, 5. Oktober 2026

Farbtraum

Ich schwamm, im fernen Orient einst,
in einem grauen See
und mit mir Drachen, silberweiß,
mit Schuppen, zart wie Schnee.
Doch ihre Schweife, die den Grund
wohl streiften ab und an
die waren regenbogenbunt
mit Farbensand daran.

Die Farben nahm ich mit vom See
und malte Bild um Bild
und füllte eine Galerie
mit Pferden rot und wild
und blauen Vögeln, Füchsen gelb,
und Pfauen, violett,
die flogen, rannten, wie von selbst,
sogar auf dem Parkett.

Und immer ward der Farbe mehr
und die Besucher tauchten
und schwammen bald darin umher,
zu schöpfen und zu jauchzen.
Ich selber aber war erstaunt, 
und konnt‘ es nicht verstehen,
ach soviel Buntes war im Traum
noch nie bei mir zu sehen.


Samstag, 26. September 2026

Die Handlung, die Wandlung (Versform)

Neulich dachte ich doch ernsthaft,
wie der Unterschied wohl sei,
ob man etwas früh gelernt hat,
oder später, nebenbei.
Spät erlernt ist die Moral ja
beispielsweise voller Fett-
näpfchen und, mit einem Male,
wird der Saal zum Rutschparkett.

Vom „So tut man`s“ führ'n die Pfade
zum „Darum wird’s so gemacht“.
"Ist das alles", frag ich grade,
wirklich rigoros durchdacht?"
Warum tut ein Fehler wehe?
warum will ich ihn verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir sehe:
Monster aus Gedankengängen.

Egoismus, Neid und Gier,
die glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und auf die harte Art.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen.
"Horch, was kommt von draußen rein“
sing ich, ach um Himmels willen!

"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd' ich heil, verletz ich mich?
Wo ist Wahrheit, wer nimmt mir 
oder baut mein neues Ich?
Steht am Ende gar ein Wir
oder andre?", frag ich mich.
"Oder bin ich alle hier?"
Halt, ich darf nicht alle sein.

Einer spricht in mir dafür 
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte
bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.

Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd' ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein gut erzog’nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.

Montag, 14. September 2026

Bis(s) zum Liebhaben (Versform)

Hinter roten Samtes Falten
seufzt die Gräfin Welfensteyn:
"Leg die Bücher weg, die alten,
laff doch daf Ftudieren fein!

Wie in guten alten Pfeiten,
unterm Mondlicht, herrlich bleich,
laff unf durch die Lüfte gleiten,
über Gräber, Wald und Teich!”

Ihre Haare schimmern lila-
weiß im sanften Kerzenlicht.
Und im Sessel regt sich wieder 
ihr Vermählter und er spricht:

"Liebef kleinef Honigmäulchen,
lange hab ich nachgedacht,
wie die Menffen uns doch haffen,
ganpf befonderf in der Nacht."

Ihrem grübelvollen Gatten
legt sie ihre schmale Hand
auf die Schultern, diese traten
scharf hervor im Nachtgewand.

"Daf ift doch nichtf Neuef, Darling.
Früher warn fie rabiat.
Hatten Fackeln, Fpiefe, Harken
und daf Krupfifikf parat.

Heute ist es Hepfgepfreib.“
„Wörter!“, ruft er. „Wunderbar!
Oh, welch Geniuf ift mein Weib
und ihr Denken pfarf und klar!“

Langsam streicht sie seine Strähnen
glatt, mit Fingern, reich beringt
und sie hofft, dass aus dem schönen
Schopf ein Geistesfloh entspringt.

"Meinft du, ob wir nicht fo einen
rührfehligen Pfreiber finden?
Und mit ein paar grünen Pfeinen
wird er Pfeilen für unf pfinden!

Viel umff Küffen muff ef gehen
um daf Pfickfahl, um daf Herpf!
Feelenbande will ich fehen,
Liebefkummer, Liebeffmerpf!"

Ach, die Dame ist erleichtert 
„Mäufepfähnchen, pfauberhaft!
Heute haft du mich begeiftert
und ich hab pfon nachgedacht.

Ein paar gute Kandidaten
habe ich im Repertoire,
segeln wir durch nächt'ge Pfatten,
vite, verf lef poètef noirf!"

"Auf!" spricht Herr von Welfensteyn,
und verpufft nun augenblicklich
in ein Fledermäuselein,
"Paff doch auf, wie unvorfichtig."

hält die Gattin ihn zurück,
öffnet rasch die Tür aus Glas,
und folgt ihm ein kleines Stück 
später, voller Takt und Maß.


Ohne Vampirdialekt:

Hinter roten Samtes Falten
seufzt die Gräfin Welfensteyn:
"Leg die Bücher weg, die alten,
lass doch das Studieren sein!

Wie in guten alten Zeiten,
unterm Mondlicht, herrlich bleich,
lass uns durch die Lüfte gleiten,
über Gräber, Wald und Teich!”

Ihre Haare schimmern lila-
weiß im sanften Kerzenlicht.
Und im Sessel regt sich wieder 
ihr Vermählter und er spricht:

"Liebes kleines Honigmäulchen,
lange hab ich nachgedacht,
wie die Menschen uns doch hassen,
ganz besonders in der Nacht."

Ihrem grübelvollen Gatten
legt sie ihre schmale Hand
auf die Schultern, diese traten
scharf hervor im Nachtgewand.

"Das ist doch nichts Neues, Darling.
Früher warn sie rabiat.
Hatten Fackeln, Spieße, Harken
und das Kruzifix parat.

Heute ist es Hetzgeschreib.“
„Wörter!“, ruft er. „Wunderbar!
Oh, welch Genius ist mein Weib
und ihr Denken scharf und klar!“

Langsam streicht sie seine Strähnen
glatt, mit Fingern, reich beringt
und sie hofft, dass aus dem schönen
Schopf ein Geistesfloh entspringt.

"Meinst du, ob wir nicht so einen
rührseligen Schreiber finden?
Und mit ein paar grünen Scheinen
wird er Zeilen für uns schinden!

Viel ums Küssen muss es gehen
um das Schicksal, um das Herz!
Seelenbande will ich sehen,
Liebeskummer, Liebesschmerz!"

Ach, die Dame ist erleichtert 
„Mäusezähnchen, zauberhaft!
Heute hast du mich begeistert
und ich hab schon nachgedacht.

Ein paar gute Kandidaten
habe ich im Repertoire,
segeln wir durch nächt'ge Schatten,
vite, vers les poètes noirs!"

"Auf!" spricht Herr von Welfensteyn,
und verpufft nun augenblicklich
in ein Fledermäuselein,
"Pass doch auf, wie unvorsichtig."

hält die Gattin ihn zurück,
öffnet rasch die Tür aus Glas,
und folgt ihm ein kleines Stück 
später, voller Takt und Maß.