Mittwoch, 27. Mai 2026

Die lieben Enkel

Bart gezupft, Gebiss geklaut,
und das neue Hemd versaut.
So als Kinderturnanlage
ist's nix auf die alten Tage.

Fange spiel'n die kleinen Erben,
schwupps, liegt das Geschirr in Scherben.
Lärm, dass es im Brägen dreht,
Oma kappt das Hörgerät.

Worauf ihre Augen zucken:
Neu Color auf alten Drucken!
Hinterrücks das Geld stibitzt,
und das Sofabein beschnitzt.

Da, die Seife ausgetrunken
und am Ofen, spiel'n mit Funken.
Sind gerissen, diese Racker, 
doch der Opa hält sich wacker.
Schwafelt Stories und Kamellen,
bis die Kinder endlich schellen.

Der Schnee

Frostwind legt den Schnee in Wehen,
wird ans Fenster Blumen sähen.
Und den Schwan vom Schwanensee 
sieht man nicht mehr gut im Schnee.

Schnee ist Hydronol in Flocken,
oder Kohlensäure, trocken.
Doch wenn die vom Himmel fällt,
sieht es schlecht aus mit der Welt.

Zwischen alten Zeitungsrestern
finden wir den Schnee von gestern.
Kalt ists, grau ists, alles wartet,
wann der Wetterwandel startet.

Märzenbecher, Storchgeklapper
und der Stoff wird wieder knapper.
Sonnenstrahlen, grüne Wiesen,
und Allergiker, die niesen.

Dienstag, 26. Mai 2026

Das Mädchen ohne Hände Teil 6

Zwischen Weben, bleich und wirr,
hing ein schwarzer, schwerer Leib,
der auf Beinen, spindeldürr, 
harrte auf die rechte Zeit.
Augen neun, doch alle blind,
fühlte sie die Fäden zittern
und sie konnte mit dem Wind
nahende Geschicke wittern.

Eine grimme Schädelschlange,
voller Drang und voller Zorn,
traf den Teufel nun im Gange
und die Geister, die ganz vorn,
schlugen, schnitten den Gehörnten,
dieser wehrte sich verbissen,
als die Toten ihn umschwärmten
und in tausend Stücke rissen.

Ging die Frau von Grab zu Grabe,
mit dem Herzstück in der Hand,
und sie suchte nach dem Sarge,
wo das zweite sich befand.
Klopfend, leuchtend führte es
hin zu einem zweiten Klopfen,
leise, doch sie spürte es,
zaghaft so wie Regentropfen.

Hob den Deckel sie nun an,
unter Ächzen und mit Mühe
und das Herzstück nahm sie dann,
müd, in aller Herrgottsfrühe.
Dann, am Ende jener Zeile
Gräber sah sie eine Tür,
und sie schaute eine Weile
nach dem Schlüsselein dafür.

"Leg das Herz dort in die Schale."
raunte ihr der Mantel zu.
Tat sie's und mit einem Male
kam die Türe auf sie zu.
Und das Herze nahm sie zu sich,
trat hinein in einen Gang,
und dann war sie doch entmutigt,
als die Tür im Schlosse klang.

Tausend kleine Teufel rannten 
schreiend durch die Geisterknochen,
bis die Geister erst erkannten,
was sie da vom Zaun gebrochen.
Voller Schreck und ohne Rat,
blieben sie auf ihrer Stelle,
aufwärts, ja und auch hinab
rollte nun die schwarze Welle. 

Just beim ersten Morgenlichte
klangen Hörner, um zu warnen 
Krieger, Wesen, Feen und Wichte,
die getreu zur Hilfe kamen.
Unter Rüstung, Helm und Schilden
schauten sie voll Ernst hervor
und dann hörten sie die wilden
Schreie aus dem Teufelschor.

Knirschend rissen Muskeln, Knochen,
hieben Schwerter, Pfeile flogen,
als sie sich im Feld getroffen
und man sah die Kämpfe wogen,
vor, zurück, so wie das Meer.
Eis, ja und auch Feuerbälle,
flogen knisternd ringsumher,
.


Don Rico: Das Mädchen ohne Hände Teil 5 

Mondlied

Zwischen dunklen Bäumelein 
lädt der Mond zum Träumen ein.
Hell und fröhlich schwebt er so,
wie der Mops im Paletot.
Wer versteht’s wohl auf der Welt,
wie der Schlingel sich da hält?

Mancher sagt, er wär aus Käse,
eine grauen Maus die fräße,
ihn in achtundzwanzig Tagen,
ja für einen Mäusemagen,
weiß ich, ist das echt genug,
da ich viele Mäuse frug.

Rundlich ist er, der Herr Pfarr,

hütet eine Herde gar,
manchmal wattig, weiß und klein
könn's auch schwarze Schafe sein,
die mit Diebes Stahl im Bunde,
ja und auch so manchem Hunde
dünkt er wäre liebend gern,
auf so einem Hundestern.

Liegt die Frage dann nicht nah,
der Mond sei für die Liebe da?
Obwohl, diesem neu’n Jahrhundert
hätte mich das schon gewundert.