Montag, 15. Juni 2026

Das Mädchen ohne Hände Teil 6

Zwischen Weben, bleich und wirr,
hing ein schwarzer, schwerer Leib,
der auf Beinen, spindeldürr, 
harrte auf die rechte Zeit.
Augen neun, doch alle blind,
fühlte sie die Fäden zittern
und sie konnte mit dem Wind
nahende Geschicke wittern.

Eine grimme Schädelschlange,
voller Drang und voller Zorn,
traf den Teufel nun im Gange
und die Geister, die ganz vorn,
schlugen, schnitten den Gehörnten,
dieser wehrte sich verbissen,
als die Toten ihn umschwärmten
und in tausend Stücke rissen.

Ging die Frau von Grab zu Grabe,
mit dem Herzstück in der Hand,
und sie suchte nach dem Sarge,
wo das zweite sich befand.
Klopfend, leuchtend führte es
hin zu einem zweiten Klopfen,
leise, doch sie spürte es,
zaghaft so wie Regentropfen.

Hob den Deckel sie nun an,
unter Ächzen und mit Mühe
und das Herzstück nahm sie dann,
müd, in aller Herrgottsfrühe.
Dann, am Ende jener Zeile
Gräber sah sie eine Tür,
und sie schaute eine Weile
nach dem Schlüsselein dafür.

"Leg das Herz dort in die Schale."
raunte ihr der Mantel zu.
Tat sie's und mit einem Male
kam die Türe auf sie zu.
Und das Herze nahm sie zu sich,
trat hinein in einen Gang,
und dann war sie doch entmutigt,
als die Tür im Schlosse klang.

Tausend kleine Teufel rannten 
schreiend durch die Geisterknochen,
bis die Geister erst erkannten,
was sie da vom Zaun gebrochen.
Voller Schreck und ohne Rat,
blieben sie auf ihrer Stelle,
aufwärts, ja und auch hinab
rollte nun die schwarze Welle. 

Just beim ersten Morgenlichte
klangen Hörner, um zu warnen 
Krieger, Wesen, Feen und Wichte,
die getreu zur Hilfe kamen.
Unter Rüstung, Helm und Schilden
schauten sie voll Ernst hervor
und dann hörten sie die wilden
Schreie aus dem Teufelschor.

Knirschend rissen Muskeln, Knochen,
hieben Schwerter, Pfeile flogen,
als sie sich im Feld getroffen
und man sah die Kämpfe wogen,
vor, zurück, so wie das Meer.
Eis-, ja und auch Feuerbälle,
flogen knisternd ringsumher,
brannten, froren Haut und Felle.

"Jetzt nur ruhig.", sprach die Dame
und sie holte ganz tief Luft
und dann stieg die Unbeugsame,
weiter, tiefer in die Gruft.
Blaues Licht von Bergkristallen
die so dick wie Eichenbäume,
schien in lange Felsenhallen,
dunkel warn die Zwischenräume.

Warme Luft die faulig, süßlich,
moderig die Nase störte,
zog durch Fäden, weiß und klebrig
und ein leises Schmatzen klang fern aus unbestimmter Richtung.




Don Rico: Das Mädchen ohne Hände Teil 5 

Mit Rudolf Diesel nach Persien (Satire)

Bekannt ist ja, dass Tiere wie Nilpferde, Wasserbüffel ja und auch Wildschweine sich gerne in Schlammpfützen wälzen, um ihre Haut zu pflegen. Weithin berühmt sind auch die Salbungen und Ölungen schon seit den Ägyptern und als solches eine Wohlthat für die Seele und den Leib. Gern nahm man für solche Einreibungen das Balsamöl der Balsamtanne. Mit der Industrialisierung der Salbungsbranche im 19ten Jahrhundert starb dieser Baum aber aus.

Allenthalben wurde nach synthetischem oder sonstigem Ersatz gesucht. So entdeckte in dieser Zeit ein gewisser Rudolf Diesel, der gern in seiner Freizeit Seifenkisten zum explodieren brachte, auf das sie sich bewegen täten (und auch taten), dass sich das schwarze Öl der Perser nicht nur zum Anzünden, sondern auch hervorragend zur Hautpflege eignete, zumal von der Natur nicht nur mit hervorragenden Schmier- sondern auch Schmirgelstoffen und Weichmachern versehen.

Seitdem verkauft die Salbungsindustrie die Diesel-Pflegeserie erfolgreich in vielen kleinen Frenchiseunternehmen, wo sich der Erholungssuchende mit kleinen Duschen, die sowohl hoch-als auch tiefsiedende (für den jeweiligen Hauttyp fettig oder trocken, für Mischhaut gibt es Gemisch "1:33") Reinigungslotionen enthalten, gleich vor Ort vergnügen oder den Wonnesaft in kleinen Blecheimern nach Hause tragen kann.

Nichtsdestotrotz lassen es sich einige forsche (bzw. primitive) Bevölkerungsstämme nicht nehmen, in der Ferienzeit auch im Urstromland der Ölquellen in den naturbelassen selbigen zu baden, mit nichts bekleidet außer stählernen Badehauben. Ein sehr archaisches Vergnügen, wenn nicht sogar bizarr aber wohl auch sehr befriedigend. 

Sonntag, 14. Juni 2026

Der Schnee

Frostwind legt den Schnee in Wehen,
wird ans Fenster Blumen sähen.
Und ein ganzes Grußspalier
bau ich Dir aus Schneegetier.

Schnee ist Wassereis in Flocken,
oder Kohlensäure, trocken.
Doch wenn die vom Himmel fällt,
sieht es schlecht aus mit der Welt.

Zwischen alten Zeitungsrestern
finden wir den Schnee von gestern.
Kalt ists, grau ists, alles wartet,
wann der Wetterwandel startet.

Märzenbecher, Storchgeklapper
und der Stoff wird wieder knapper.
Sonnenstrahlen, grüne Wiesen,
und Allergiker, die niesen.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Der Mann mit der Börse (Satire)

Neulich habe ich kurz nach Sonnenaufgang im Kühlschrank ein paar faule Kredite entdeckt und selbstredend sofort ins Rentenloch entsorgt. Danach flanierte ich durch meine Geldanlagen, wo die Kapitalerträge an Silberweiden und Goldruten reifen. Doch der raue Wind der Marktwirtschaft hatte dieses Jahr davon die Hälfte platzen lassen! Ach, wenigstens die Goldesel grasten friedlich neben ihren schimmernden Häufchen. Ein wenig missmutig ging ich dann mit ein paar Kredithaien und anderen großen Fischen in Liquiditätsproblemen baden.

Die rieten mir zu Einlagen für einen sicheren Stand. Am Nachmittag las ich dann ein Wertpapier, dass sein Papier nicht wert war (sicher von der Falschgeldpresse), als eine verlockende Verdienstmöglichkeit mit mir zu flirten begann. Ich bekam sofort sehr heiße Eisen in ihrem Finanzfeuer, verbrannte mir die Finger, richtige Dotcomblasen bekam ich! Da legte sie mir einen kühlen Sparkassenverband an. Ich brachte sie noch mit meiner Oldsmobilie in ihr Stammhaus, wo sie die Haustür mit einem dieser neumodischen Bluechips öffnete.

Sie erzählte mir bei einem Gläschen von ihrem neuen Steuerberater für ihre bescheidene Yacht im Hafen der Kleinanleger und das ihm die Fernsteuer sorgen mache, dann warfen wir unsere Kleider in ihren Aktienschrank und spielten Spekulanten unter einer dünnen Kapitaldecke. Doch schon am nächsten Morgen kam es zum Börsenkrach. Wütend warf ich das Handtuch und kündigte meinen Rücktritt an. Ich ging raschen Schrittes und sank auf einer Zentralbank nieder, aber die lästigen Wanderheuschrecken störten mich. Matt wandelte ich heim, denn dort wenigsten hatte ich noch das Monopol.