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Samstag, 11. Juli 2026

Eine Geschichte über Geschichten (Versform)

Es lebte ein Geschichtelein
in einem hohem Turm allein
und wie sie sprach, vor Langeweil,
da wuchsen Kinder, Zeil um Zeil.

Die Kinder waren blass und dünn,
und ähnlich sich, so wie Kopien,
sie waren Heimat, Beistand auch
und ihr vor allem sehr vertraut.

Doch eines Tages fiel ihr auf,
denn die Geschichte kam darauf,
sie schaute auf ihr Kinderheer,
wie eines glich dem andern sehr,
und wie das Leben eng und fad,
so dass sie Gott um Hilfe bat.

Und so kam eine Geisterfee,
mit Schwanenflügeln, weiß wie Schnee,
und gab ihr einen Zauberspruch
und schrieb ihn ihr ins Gästebuch:
"Was gestern mein Geschwätz noch war,
erscheint mir heute sonderbar."

Und kaum gesagt, da hing ein Strick
vom Fenster, ach und welches Glück,
hing ganz herunter bis zum Grund
so dass sie munter und gesund
vom hohen Turm gestiegen bald 
und machten dort kurz Rast und Halt.

Sie kamen dann zu einem Ort,
und viele Märchen waren dort,
und Fabeln und Novellen gar
und eine Kurzgeschichtenschar.

Die saßen zum Gespräch im Rund
und ihre Kinder waren bunt,
den dünnsten Kindern aber, ach,
geschah ein großes Ungemach.

Es ward gebastelt und probiert,
und Schwaches wurde neu sortiert.
und viele Kinder wurden fit
und halfen selber tüchtig mit.

Doch als man ihre Kinder brach,
da sah die Mutter Rot und sprach:
"So stoppet euren Mummenschanz
und lasset meine Kinder ganz,
die anders sind und von euch fremd,
ihr Rüpel, dass ihr euch nicht schämt!"

Und baute Käfigwörter drum,
um ihre Kinder ringsherum,
doch störte das die andern sehr,
sie witterten Gefahr und mehr
und ließen diese Kinder frei
und sperrten ihre Mutter ein.

Gar mächtig war nun ihr Verlies
und einsam war es ohnedies
und alle glaubten fest daran
das niemand draus entkommen kann.

Und da verstand den Zauberspruch,
ja, jener aus dem Gästebuch,
das unsrige Geschichtelein
und daraufhin fiel es ihr ein,
wie stark der Wortgebilde Kraft,
die sie geäußert und gedacht
in ihrem Kopf, der weiter sann,
ob eine Weltgeschichte dann,
die über alle sie erzählt,
es gab und wer die Szenen wählt
und was, wenn alles Zufall wär,
und jedes Schicksal eine Mär?

Nun kamen manche, sie zu hörn
und sie erzählte ihnen gern,
den ihrigen Gedankengang
und deshalb war die Zeit nicht lang
bis die Vernunft im Land gewann
und man zu jenem Schlusse kam:
Es wird verboten fürderhin,
Gefängniszäune hochzuziehn!

Den Gram um ihre Kinderlein
verstand man nun und lud sie ein
zum Ort wo die Gedanken blühn
in Einzelteilen, ohne Sinn,
bis dann und wann mal jemand kam
und etwas davon mit sich nahm.

Es war das Leben, nicht der Tod,
ein Ort des Werdens, der Geburt
und die Geschichte nun genas
weil sie die anderen auch las
und strickte und erzählte fein,
das fröhliche Geschichtelein.


Freitag, 3. Juli 2026

Geschehnisse im Zahlenraum (Versform)

Familie Menge hat ein Kind, das selber nun der Menge Teil. Ein Zahlenpaar kommt zu Besuch, weils grade in der Nähe weilt: „Du Mengenschnitt, wie bis du fesch!", und "Ganz aus eurem Wertbereich!“ worauf man das Gemach verlässt und läuft, hinaus zum Gartenteich.

Bald spricht man über jenes Paar, das keinen Nenner mehr gemein, beim Mann litt die Potenz sogar, die Frau liebt ein Attraktorlein. Ihr Denken, lang verästelt schon, wär wolkig nun, so wie ein Schwamm. Man munkelt ja, ihr letzter Sohn der sei vom Bäcker nebenan.

Dort kauft sie täglich Mandelbrot, wie für ein ganzes Bataillon. Ihr Mann jedoch hat seine Not, denn Euler, eben jener Sohn, der züchtet Primelzahlen viel und handelt so irrational und hat kein Ende und kein Ziel, die ewig lange Eulerzahl. Im Garten ruft Frau Zahl sodann, „Wie sind die Reihen grad und schön!“ Frau Menges Kurven schwellen an, voll Stolz auch ihre Wangen glühn. Man plaudert weiter, geht geschwind hinein in den Gewächshaustrakt. die dort‘gen Polynome sind Legendre in der Nachbarschaft.

„Und Großmama, ist die gesund? „Sie hat die Hyperperbolie und keine Wurzeln mehr im Mund, wir kochen täglich Brei für sie.“ Das Zahlenpaar fährt nun nach Haus und nimmt dazu die Graphenbahn, und schon ist die Geschichte aus, wenn nicht, fängt sie von vorne an.

Dienstag, 23. Juni 2026

Die Handlung, die Wandlung (Versform)

Neulich dachte ich voll Ernst,
wie der Unterschied wohl sei,
ob man etwas früh gelernt,
oder später, nebenbei.
Spät erlernt ist die Moral
beispielsweise voller Fett-
näpfchen und mit einem Mal
wird der Saal zum Rutschparkett.

Vom „So tut man`s“ führt der Pfad
zum „Darum wird’s so gemacht“.
"Ist das alles", frag ich matt,
wirklich rigoros durchdacht?"
Warum tut ein Fehler weh,
warum will ich ihn verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir seh:
Monster aus Gedankengängen.

Egoismus, Neid und Gier,
glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und auf die harte Art.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen,
"Horch, was kommt von draußen rein",
sing ich, ach um Himmels willen!

"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd' ich heil, verletz ich mich?
Wo ist Wahrheit, wer nimmt mir,
oder baut mein neues Ich?
Steht am Ende gar ein Wir,
oder andre?", frag ich mich.

"Oder bin ich alle hier?",
halt, ich darf nicht alle sein.
Einer spricht in mir dafür
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte.
Bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.

Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein gut erzog’nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.

Sonntag, 14. Juni 2026

Der Schnee

Frostwind legt den Schnee in Wehen,
wird ans Fenster Blumen sähen.
Und ein ganzes Grußspalier
bau ich Dir aus Schneegetier.

Schnee ist Wassereis in Flocken,
oder Kohlensäure, trocken.
Doch wenn die vom Himmel fällt,
sieht es schlecht aus mit der Welt.

Zwischen alten Zeitungsrestern
finden wir den Schnee von gestern.
Kalt ists, grau ists, alles wartet,
wann der Wetterwandel startet.

Märzenbecher, Storchgeklapper
und der Stoff wird wieder knapper.
Sonnenstrahlen, grüne Wiesen,
und Allergiker, die niesen.

Mittwoch, 27. Mai 2026

Die lieben Enkel

Bart gezupft, Gebiss geklaut,
und das neue Hemd versaut.
So als Kinderturnanlage
ist's nix auf die alten Tage.

Fange spiel'n die kleinen Erben,
schwupps, liegt das Geschirr in Scherben.
Lärm, dass es im Brägen dreht,
Oma kappt das Hörgerät.

Worauf ihre Augen zucken:
Neu Color auf alten Drucken!
Hinterrücks das Geld stibitzt,
und das Sofabein beschnitzt.

Da, die Seife ausgetrunken
und am Ofen, spiel'n mit Funken.
Sind gerissen, diese Racker, 
doch der Opa hält sich wacker.
Schwafelt Stories und Kamellen,
bis die Kinder endlich schellen.

Dienstag, 26. Mai 2026

Mondlied

Zwischen dunklen Bäumelein 
lädt der Mond zum Träumen ein.
Hell und fröhlich schwebt er so,
wie der Mops im Paletot.
Wer versteht’s wohl auf der Welt,
wie der Schlingel sich da hält?

Mancher sagt, er wär aus Käse,
eine grauen Maus die fräße,
ihn in achtundzwanzig Tagen,
ja für einen Mäusemagen,
weiß ich, ist das echt genug,
da ich viele Mäuse frug.

Rundlich ist er, der Herr Pfarr,

hütet eine Herde gar,
manchmal wattig, weiß und klein
könn's auch schwarze Schafe sein,
die mit Diebes Stahl im Bunde,
ja und auch so manchem Hunde
dünkt er wäre liebend gern,
auf so einem Hundestern.

Liegt die Frage dann nicht nah,
der Mond sei für die Liebe da?
Küssen unterm Sternenzelt,
ganz egal, ob Wald, ob Feld.
Doch in diesem neu’n Jahrhundert
hätte mich das schon gewundert.

Montag, 11. Mai 2026

Ode an den Wein

Für Hoffnungs-, ach, und Wurzellose, 
bleibt die Soße aus Glucose. 
Die in roten Kullern rebt, 
dann mit Weingeist sich belebt,
in Ballons mit Röhrchen aussen, 
innen tut die Hefe schmausen. 

Das Ganze noch filtriert in Flaschen 
und schon fertig ist zum naschen, 
was den rasten Geist, den losen, 
sinken lässt in Richtung Hosen. 

Im Kopf bleibt nur noch Sinn und Licht, 
nicht mehr so ein Mistdickicht. 
Ja, was grad noch komplizert, 
ist jetzt einfach buchstabiert. 

Von Hemmung frei kann man jetzt sagen, 
oder singen schön und laut, das Leben sei, 
sonst fad und nüchtern, 
im Suff nur zu ertragen. 

Ein Riesenschritt in Richtung Eden 
wär ein Weinberg für ein' Jeden! 
Und was weiterhin noch fein, 
es fühlt sich nicht mehr so allein. 

Denn einen guten Grund zum trinken 
und Kumpane, die sich freun, 
finden sich doch alle mal, 
heute heisst es lustig sein! 

Drum hoch die Tassen liebe Schwestern 
und auch weinselige Brüder, 
trinket aus und schenket ein, 
zum Zimbelklange schwingt das Bein,  
dass die Feierlaune bleibt und wird niemals müder.

Der Knödel

Eine dünne Amsel war im Schnee verloren. 
Weil der leckre Wurm im kalten Bau erfroren. 
Sie hüpft' herum, bald hier bald dort 
und hörte, wie der Magen knurrt. 
Jedoch am Baum, ganz unfrierbar, 
ein Meisenknödel wunderbar! 
Jetzt sah die Amsel wieder klar, 
schaut dick und rund ins neue Jahr. 
Obwohl sie keine Meise war. 
Drum Dank dem edlen Meisenknödler 
für seinen Speiseplanveredler.

Dienstag, 7. April 2026

Das Weihnachtshuschelpuschel

Ein Huschelpuschel, noch gar nicht so alt, 
lebte in einem Zitronenwald.
Mit zimtbraunen Bächen voll klarer Glasur,
aus Lachsschaum die Hügel, so rein und so pur.

Da fielen fünf Stirnlein gesichtwärts ins Gras,
das Puschel, das staunte und wünschte sich was.
Trompeten nun quakten, potztausendundvier,
"Weihnachten feiern, das wünsche ich mir!

Auf Renrücken reiten durch stiebenden Schlick
und schenken von Herzen mit innigem Blick."
Das Huschelpuschel hat mich gerührt,
es war ja wohl ganz allein im Geviert!

Ich schenkte ihm Glockenhummeln, ne Krake
und eine tanzende Pastinake.
Das Puschel, von dankbarem Rausch besengt,
hat mir einen Zuckerbausch geschenkt. 

Donnerstag, 5. März 2026

Der Krokus

Durch das Erdenreich behände
schiebt die Faser sich ohn' Ende
aus der Zwiebel und trifft gleich
auf den Phasengrenzbereich. 
Und da wird es endlich lichte,
wenn auch noch der Schnee als dichte,
fest gefügte Matte wehrt,
unlang bleibt der Weg versperrt.

Weil die Sonnenstrahl'n die kecken
an der Oberfläche lecken,
sich durch die Kristalle buddeln,
um den bleichen Keim zu knuddeln.
Der reckt Blättchen, eins, dann zwei,
und ergrünt vor Freud' dabei
Schenkt als Pflanze seinem Retter
einen Kelch voll Blütenblätter.

 So wie dieser Keim befreit,
ist der Mensch zur Frühlingzeit.
In des Winters eisg'en Schränken
lagern Mengen finstres Denken,
doch die schmelzen in der Sonne
schnell dahin und voller Wonne,
qietschvergnügt und guter Dinge, 
spiel'n im Bauch die Schmetterlinge. 


https://rdbl-aktuell.de/2026/03/radebeuler-chemiker-dichtet-sich-aufs-siegerpodest-beim-dresdner-fruehling/

https://www.saechsische.de/lokales/meissen-lk/radebeul/fruehlingsgedicht-beschert-radebeuler-chemiker-podestplatz-beim-poesiewettbewerb-5M6QQPVLNJGC3ASU7Y3MD25O5Y.html

So, Frühling - Im Unterholz

Als die Kätzchen weiden gingen,
pelzig sich von Zweigen hingen,
in das glucksend Bächlein neigten,
still ihr Spiegelbild beäugten,
grasten Halme sanft und leise
und die Spatzen suchten Speise.
Tranken aus den Märzenbechern,
pfiffen es von allen Dächern,
dass bald Osterglocken läuten
um zu wecken aller Breiten,
schlafbeäugte Siebenschläfer,
Schmetterling und Maienkäfer.

.................................................... 

Die duftende Wildnis sie greift nach mir,
mit ihren Fingern, den grünen.
Wo dampfend der Schnee just die Rockschösse hob,
da brummeln die Käfer und Bienen.
Über taufrischen Knospen entsprungene Blüten
und laubfroschfüssige Blätter,
und ein quietschbuntes Vöglein zwickt mir ins Ohr
„Komm mit, du tölpischer Städter !“ 

Rio de Chauvineiro oder Emanzonas ? (Jambus)

Ein mutig Fischlein springt hinein,
zum Himmel in den Sonnenschein.
Dem Haubentaucher schlägts so glatt 
ein Schnippchen, denn der wird nicht satt.

Als schuppig Fisch und nass jedoch
fällt es zurück ins Wasserloch.
Nach vier fünf Blasen also stumm, 
da geht es ihm im Kopf herum: 

Wie schwimmt der schräge Vogel nur,
ich aber steige nicht empor,
die zarten Balken in der Luft,
Wie macht er das, der Vogelschuft?

Als nächstes ist ein Otter dann 
gefährlich nah am Schuppling dran.
Jedoch, auch wenn der Pegel seicht,
gehts mit dem Aufstieg nicht so leicht.

Und als es dann die Plage satt, 
da nimmt es sich vom Schilf zwei Blatt,
und steigt, wild um sich schlagend, auf
und darum nimmt es seinen Lauf, 

dass bald das Fischlein fliegen lernt,
und von den weissen Wolken schwärmt,
des Himmels Buntgefieder auch
und setzt sich keck auf Baum und Strauch.

In güldnen Strahlen wiegt es sich
und Mondes Silberschalenlicht
und kommt als Backfisch dann und wann
mal wieder bei den Eltern an.

Der Schellfisch

Ein Schellfisch blieb verschollen,
wollt weg von seiner Ollen.
Er sah die Wellen rollen,
an südlichen Atollen
Und sie die Wogen schwellen,
in den Dardanellen.
Da konnt sie jetzt den Schollen
ihren Mist erzählen.

Derweil an karamellen-
süssen Sprudelquellen,
mit lieblichen Sardellen
und einem Tintenfisch
als hellen Tischgesellen,
liess er sich gefallen,
das Leben so in allem.
Na, auf jeden Fall,
sucht' sie ihn überall.
Er trank auf seine Olle,
dass sie der Kescher hole.

Doch dann im hohen Norden
ein Stör betört im Fjord
freut' sich ganz unerhört,
ein Schellfischweibchensingle
ist seine Frau im Schnellen,
gerade noch im Hellen,
dann ohne Flax geworden.
Und wenn sie nicht erfroren sind,
leben sie noch dorten.

Mittwoch, 4. März 2026

Worte

Bunt sortiert in Muschelgängen,
wo sie purzeln, schieben, drängen,
Schalltierfreunde, klein und niedlich,
harmlos und doch selten friedlich.
Die sich an den Händen fassen
und einander wieder lassen.
Hämmern eifrig an den Dingen,
dass die Schnecken hell erklingen. 

Unweit, im Tel’graphenstübchen,
hockt ein recht betagtes Bübchen. 
Handlich, was herüberweht,
packt er in ein Sinnpaket.
Herr Denk, Frau Fühl und Old Erfahrung, 
brauchen diese Nervennahrung. 
Schliesslich wollen diese Fritzen
sie für die Erkenntnis nützen. 
Doch Erfahrung weiss auch schon,
Erkenntnis ist nicht nur aus Ton. 

Das Wort, nur ein Geräuschbehältnis,
kann nicht sehen, wie die Welt ist.
Ohne Griff und helles Licht
reichts selbst für die Erkenntnis nicht.
Und der Geschmack, oh Graus und Schmach,
geht immer nur der Nase nach. 

Küchenfenster - Die Malerin

Gelbe Blüten über Grün,
Steh'n auf meiner Fensterbank.
Und ich hör den Vöglein zu
Bei ihrem fröhlichen Gesang.

Rosa Wolken ziehen langsam
Durch das morgendliche Blau.
Was ich dachte, was ich wollte,
Weiß ich nicht mehr so genau. 
 
....................
  
Übers Moor an schwarzen Gräben,
Gehst Du, rosiges Gesicht.
Malst das Licht in gelben Fäden
Über Birken und Du sprichst
Deinen Vers in runden Formen
Braune Augen, Nase, Mund -
Die Seele macht sie einfach und
Der deine fröhlich lacht.



Dienstag, 3. März 2026

Dezember

Über stillen weißen Hügeln
schwebt der Winter mit Bedacht,
hat mit seinen sanften Flügeln
uns den ersten Schnee gebracht.

Unter grauen Wolkenleibern
wirbelte ein Sternentanz
und auf leichten Flockenkleidern
schimmerte des Frostes Glanz.

Zwischen warmen Blätterdecken
schlummert nun so manche Seel,
bis der Sonnenkuss wird wecken
sie mit seinem Grußappell.

Taumond

Teiche ins Laub zeichnet tauendes Eis.
Braun und vergessen winken ganz leis’,
wie in schweren Gedanken an Liebe, vergangen,
Blätter, im Wiegen des Wassers gefangen.

Pechschwarz am Himmel, mit Mähnen schneehell,
scheuen Äste im Sturmwind, der wilde Gesell
legt dem Bruder, dem nassen, die Stirne in Falten.
Bald wechseln die Herren und neu weicht dem Alten. 

Sonntag, 16. November 2025

Radioaktive Träume (Jambus)

Im Bunker, wo die Nacht regiert
da leben Ratten ungeniert
und tanzen, singen froh dabei

wohl unter Trümmern, frank und frei.

Mit hohen Stimmen, seidig weich,
die ihren grauen Pelzchen gleich.

Mit Freude und mit Seeligkeit

und seltsam warm nach Krieg und Leid.

Ihr Gospel hallt den düstren Gang
harmonisch und entrückt entlang.
Da finden sie im Glauben halt,

auch wenn die Welt noch Jahre strahlt.

 

So, klingt ein Lied in stiller Nacht
und wenn voll Hoffnung du erwachst,
denk daran dass in Dunkelheit
auch Liebe und Gefühl gedeiht.  

Dienstag, 2. September 2025

Jugendsünde (Jambus)

Es hat ein Marionettenmann,
an seinen Zwirnen hing er dran,
den Lenker suchen sich getraut,
ach, hat da nur ein Kind erschaut.

Und wenn ich keine Fäden hätt,
so grübelte der Marionett,
wär jeder Tag voll Sonnenschein, 
ja, und ich trüg mein Kreuz allein. 

Er riss sich los, doch war er schwach
und schlug lang hin mit lautem Krach.
Dem Boden der Tatsachen war
er mit der Nase traurig nah.

Nur weiter jetzt und ganz in Ruh, 
so sprach sich leis der Holzkopf zu.
Und lernt nun laufen Tag für Tag,
und Handstand und den Überschlag.

Freitag, 28. März 2025

Werte (Trochäus)

Mancher geht gern am Geländer,
blinzelt schaudernd über Ränder,
rechts und links nur Abgünd' gähnen,
hach wie schön ist's da zu wähnen,
fast die Augen könnt man schliessen,
um die Führung zu geniessen.

Diese starken, klaren Stützen,
die vor irren Wegen schützen.
So zu höherem gerufen,
nimmt man lässig alle Stufen.

Kommt das Ende denkt man heiter:
In die Richtung muss ich weiter!
Frohgemut und hirnverbrannt,
läuft man gegen eine Wand.