Mittwoch, 18. Juni 2025

Hänsel und Gretel (Grimm/Bechstein) gereimt

Am Wald in einer kleinen Hütte lebte einst ein Paar, 
welches Eltern der zwei Kinder Hans und Gretel war.
Der Vater war ein Köhlersmann und er litt immer Not,
deshalb hatte die Familie wenig Geld für Brot.

Nachts im Heubett seufzte der, an Kummer reiche, Mann,
"Mein liebes Weib, ich weiß nicht mehr, wie’s weiter gehen kann
dich und mich zu unterhalten, dann noch beide Kinder.
Wir haben keinen Vorrat mehr und bald schon kommt der Winter."

"Wir führ'n sie in den Wald hinein, je eher desto lieber.
Dort zünden wir ein Feuer an und kommen nimmer wieder.
Lass die beiden dort allein bei Brote gottbefohlen sein.
Das ist die einz'ge Lösung Mann, nun füge dich schon drein!“

"Oh Gott, wie soll ich das vollziehn an meinen eignen Kindern?"
Die Frau frug ihn nun gradheraus "Wie willst du es verhindern?
Dann kannst du gleich ne Totenlade für uns viere zimmern!"
Die Kinder hörten's durch die Wand und fingen an zu wimmern.

Der Hänsel sprach zum Troste "Gretel hab nur keine Bange,
ich hab schon einen guten Plan, wie ich zurück gelange."
Als die Alten schon im Schlafe lagen, stand er auf.
Er schob sich durch die Hintertür und schlich den Hang hinauf.

Da nun schien der Mond recht helle auf die weißen Kieselsteine.
In sein Rocktäschlein hinein, sammelte er davon kleine.
Dann ging er noch zurück und sprach zur Gretel "Bleib gelassen,
unser Glücksstern wird ganz sicher nicht so schnell verblassen."

Noch eh die Sonne aufgestiegen, als der Tag anbrach,
rüttelte die strenge Mutter schon die Kinder wach.
"Steht auf ihr faulen Wanzen, wir holn Brennholz aus dem Wald!
Hier habt ihr einen Kanten Brot, doch esst ihn nicht zu bald."

Das Gretel trug das Brot im Rock, der Hänsel trug die Steine,
er blieb oft stehn und sah zurück."Vergiss nicht deine Beine!"
"Ach Mutter, ich seh auf dem Schornstein unsern weißen Kater."
"Narr, das ist das Sonnenlicht, nun mach nicht so'n Theater."

Wie sie auf verschlungnen Pfaden weiter vorwärts gingen,
ließ der Hänsel Steinchen aus der Hosentasche springen.
Es sprach der Vater als sie tief im Walde warn zu viert:
"Ihr Kinder, ich mach euch ein Feuer, damit ihr nicht friert.

Nun sammelt Holz." Es ward vollbracht, das Reisig dann entzündet.
Und als die Flamme recht hoch brannte, hat die Frau verkündet:
"Leget euch ans Feuerchen und ruht euch einfach aus.
Wir hauen derweil Holz und gehen in den Wald hinaus."

Am Feuer saßen Hans und Gretel bis der Mittag kam
und haben dann ihr Stücklein Brot sich in den Mund getan.
Sie hörten Schläge einer Axt, das war jedoch nur Trug.
Es war ein festgebundner Ast, der laut im Winde schlug.

Lange saßen sie noch da bis sie die Augen schlossen.
Dann als der Mond sein silbern Licht hin über sie gegossen,
wachte Gretel auf und fragte "Finden wir hinaus?"
Hänsel sprach "Die Kieselsteine bringen uns nach Haus."

Sie liefen Hand in Hand hindurch die ganze klare Nacht,
und kamen dann im Morgengrauen zum Haus wie ausgedacht.
Sie klopften an die Tür erregt, es öffnete die Frau.
"Was habt ihr nur so lang getrieben, wisst ihr doch genau,
dass wir hier die Hände ringen und uns um euch sorgen?
Und ihr verträumt die ganze Nacht und kommt zurück am Morgen!"

Den Vater aber freute es, ihm wars ans Herz gegangen.
Doch die Not hat bald darauf von vorne angefangen.
"Ein halbes Brotlaib noch und dann ist alles aufgezehrt.
Die Kinder müssen fort bevor der Schnitter uns beehrt!

Wir gehen dieses Mal noch tiefer in den Wald hinein."
Dem Vater fiel es wieder schwer, doch willigte er ein.
Die Kinder hatten abermals das Zetern mitgehört.
Doch zu Hänsels Unmut blieb die Hintertür versperrt.

Er tröstete die Gretel sanft: "Uns wird schon nichts geschehen,
der liebe Gott in seiner Macht wird sicher zu uns stehen."
Morgens kam die Frau und rief die Kinder aus dem Schlaf.
Sie erhielten ihr Stück Brot und rüsteten sich brav.

Auf dem Weg zum Wald zerdrückte Hänselein sein Brot.
Er schaute wieder oft zurück "He Junge, bleib im Trott!"
"Ach Mutter, oben auf dem Dach sitzt unsre weiße Taube!"
"Narr, es ist das Sonnenlicht, das flimmert da im Laube."

Der Hänsel warf nun nach und nach die Bröcklein hin beim Gehen,
Dann warn sie in Waldesflecken, die sie nie gesehn.
Beim Rasten wurde wiederum ein Feuer angefacht.
Die Mutter sagte "Kinderlein, ich hab an euch gedacht.

Bleibt hier sitzen, seid ihr müde, schlafet ruhig ein.
Wir hau'n Holz und auf dem Rückweg bringen wir euch heim."
Mittags hat die Gretel dann ihr Brot mit Hans geteilt,
bis zum Abend sind sie noch am Feuerplatz verweilt.

"Wart nur Gretel." sprach der Hans "Lass erst den Mond aufgehn.
Dann werden wir die ausgestreuten Weißbrotkrümel sehn."
Der Mond ging auf, sie liefen los, wohin sie auch geblickt,
hatten schon vieltausend Vöglein alles weggepickt.

Hänsel sagte Gretel ruhig "Wir finden schon nach Haus."
Doch vergingen Nacht und Tag, sie kamen nicht heraus
aus dem Wald, sie waren müd und hatten großen Hunger.
Sie aßen Beeren und verfielen auf dem Moos in Schlummer.

Am dritten Tag, als sie schon schwach, da fanden sie ein Nest
in dem ein schwarzer Vogel sang, dann flog er ins Geäst
und immer weiter her vor ihnen bis zu einer Kate.
Dort setzte er sich hoch aufs Dach und als der Hänsel nahte,
sah er dass das ganze Haus vom Giebel bis zur Türe
aus Kuchen und aus Brot bestand, verklebt mit Konfitüre.

Hänsel sprach "Von diesem Backwerk könnt ich was vertragen!
Ich nehm mir hier ein Stück vom Dach, du kannst am Fenster nagen."
Hänsel reichte in die Höh, die Schindeln zu erhaschen.
Gretel ging zum Fenster,  um den Zuckerguss zu naschen.

Eine leise Frage klang den Mundräubern entgegen:
"Knusper knusper knäuschen,
wer knuspert an meinem Häuschen?"
Die Kinder gaben darauf Antwort, ohne Überlegen:
"Der Wind, der Wind,
das himmlische Kind."

Hänsel schob sich unbeirrt den Kuchen in den Mund,
Gretel riss die ganze Scheibe aus dem Fensterrund.
Die Tür schwang auf und eine Alte schlich am Krückenstock
aus dem Kuchenhaus heraus in einem Lumpenrock.

Hakennäsig, krummgebeugt und triefäugig dazu,
runzelig, mit grünen Augen ohne Rast und Ruh,
erschreckte sie die Kinderlein in nicht geringem Maße.
"Ei traute Kindlein, tretet ein, kommt nur, kommt, ich lasse,

euch von bessren Speisen essen, mit Äpfeln und mit Nüssen."
Sie kamen gern und aßen viel und legten sich in Kissen,
die die Alte aufgeschüttelt hatte und bezogen.
Auf weißen Bettchen träumten sie, wie sie gen Himmel flogen.

Jedoch wars ein schlimmes Laster, das dahinter stand,
weil so mancher Wanderer in diesem Haus verschwand.
Die garstge Hexe fraß vor allem Kinder mit Vergnügen,
die sie fing mit Brot und Kuchen und mit süßen Lügen.

Sie hatte ihre Opferlein von weitem schon gerochen
und zu sich selbst gemurmelt: "Die werde ich mir kochen."
Bevor die beiden aufgewacht, griff sie das Hänselein
und sperrte ihn am Morgen früh in einen Käfig ein.

Sie knebelte den Jungen fest, dass ihm die Stimme stockte,
dann lief sie hin zur Gretel, die blass im Bette hockte.
"Sitz nicht rum, du faule Gans und koch das Essen für den Hans!
Wenn er richtig fett geraten, mach ich einen Hänselbraten.
Bis dahin bleibt er erst einmal in meinem alten Gänsestall."

Gretel weinte bitterlich, doch das half ihr leider nicht.
So kochte sie ihm Tag für Tag je süße Speis und Hauptgericht.
Sie selbst bekam gar schauerliches Krebsgetier zu Essen,
denn die Hexe war nur auf das Mastgewicht versessen
von dem armen Hans allein, dessen Finger regelmäßig,
sie geprüft aufs Dickesein, dabei ward ihr Mund ganz wäßrig.

"Hänsel gib den Finger mir, um zu sehn wie fett du bist."
Hänsel aber streckte ihr, das war eine üble List,
einen dürren Knochen unter ihre schwachen Augen.
Sie prüfte es und ging dann fort mit Knurren und mit Schnauben.

Aber nach vier Wochen war die Ungeduld zu groß.
"Heda, Gretel" rief sie "sei recht flink und laufe los,
hole Wasser, hole Holz, morgen will ich Hänsel kochen."
Ach, wie hatte dies der armen Schwester Herz gebrochen.

"Lieber wäre ich verhungert! Oh Gott, so hilf uns doch!"
"Lass das Geheule, Gretel, eh ich den Hänsel koch,
will ich ein paar Brote backen und du musst das Holz noch hacken.
Danach darfst du Teige kneten und zu deinem Gotte beten."

Früh hing dann die Gretel den Kessel auf die Feuerstelle.
"Bevor wir kochen, woll'n wir backen, dass es nicht am Brote fehle.
Der Backherd ist schon angeheizt, kriech rein und prüf die Hitze."
Am Ofen schossen schon die Flammen aus der Klappenritze.

Die Gretel roch noch rechtzeitig den sprichwörtlichen Braten
und wollte nicht als zweiter Gang zum Hänseltopf geraten.
"Ich weiss nicht, wie ichs machen soll, wie komm ich da hinein?"
"Ach, dumme Gans, ich machs dir vor, stell dich nur hintendrein."

Die Hexe schob den Kopf als Beispiel in die Ofenkammer,
da gab ihr Gretel einen Stoß, so dass sie mit Gejammer
weit hineinfuhr und dann schloß die Gretel Tür und Riegel.
Die Alte war in Kürze schwarz, so heiss waren die Ziegel.

Gretel lief geschwind zum Hänsel, öffnete das Gitter.
"Hänselchen, die Hex ist tot." Und durch die Öffnung glitt er,
fiel der Schwester um den Hals, dann tanzten sie durchs Haus.
Als sie über eine Kiste stürzten kam heraus,
dass darin sich Edelsteine und auch Perlen türmten.

Sie stopften sich die Taschen voll und durch die Türe stürmten,
sie aus dem Hexenwald heraus und schon nach kurzer Zeit,
standen sie an einem Wasser, wo sie weit und breit
keine einz'ge Brücke fanden, auch kein Ruderboot.
"Da schwimmt ja eine graue Gans, vielleicht in unsrer Not
kann sie uns herüber tragen, uns den Weg zumindest sagen?

Gänschen, Gänschen" rief die Gretel "Hier stehn Hans und Gretel.
Ohne Steg und ohne Brücken, nimm uns mit auf deinem Rücken!"
Das Gänschen kam den Strand herauf und Hans setzte sich obenauf.
Er gab dem Mädchen seine Hand, "So wird es nicht gelingen."
Es wird zu schwer, das Gänschen soll uns einzeln rüber bringen."

Auf der andren Seite sah der Wald schon viel bekannter aus.
Nach zwei weitren Wandertagen kamen sie zu Vaters Haus.
Sie stürzten jauchzend durch die Tür und hingen an des Vaters Hals
und als die Frau den Reichtum sah, freute sie sich ebenfalls.
Beide Kinder blieben nun behütet und geborgen.
Sie hatten bis ans Lebensende keine andern Sorgen.





Montag, 21. April 2025

Die Lehren des E. A. Poe

Physikalisch richtig und doch phänomenal übertrieben schilderte Edgar Allan Poe bereits 1841 die Abdrift schnöder Holzboote und Fässer in den Gezeitenstrom zwischen den Lofoteninseln. Aber genau so wie der Held fährt auch die Seele zum Grund. Sie klammert sich an ein Holzfass und hofft nicht zu ertrinken. Die grimmigen Seeleute, die, taub und blind ob der Gefahr, schweigend ihre Arbeit verrichten, sind, was ihr von den Menschen zufällt. Mit ihnen zu sprechen ist Verzweiflung. Und dann ist da noch das Haus Usher, ein marodes Schloss auf sumpfigem Grunde, bewohnt von kranken und geisteskranken Adeligen. Ein Hort zwielichtiger Erscheinungen und Geräusche, der mit dem ihm innewohnenden Sterben noch vor Anbruch des Tages versinkt, allein der Gast kann fliehen. Das sind die inneren Landschaften, wer nur Gast ist, wer weglaufen kann, der berichte. "Nur eine Schauermär, Schauermär..." "Nein, es ist alles wahr!"

Einen unbefangenen Augenblick lang könntest du eine andere Welt entdecken, ganz ohne zu träumen, aber ins Träumen geraten. Während du im Internet bist, sitzt du in Wahrheit zwischen zwei Spiegeln. Jeden Tag, den du die Aussenwelt vergisst, rutschst du eine Reflektion weiter in den Hintergrund, immerfort, bis es dich irgendwann nicht mehr gibt. Und um so weiter du in den Hintergrund gerätst, desto mehr wehrst du dich, wirst noch zappeliger und ausgefallener, um aufzufallen und deine anderen Spiegelungen klatschen vielleicht ab und an Beifall.
Poe schrieb 1842 die Kurzgeschichte "Das ovale Portrait" in der eine junge Frau, während sie von ihrem Gatten detailversunken in ein Bild gemalt wird, langsam stirbt. Er hat damals nichts vom Internet gewusst, wohl aber etwas von Obsession und Sucht. Willkommen zwischen den Spiegeln. 

Mittwoch, 9. April 2025

Die Drusen (Geologische Satire)

Die Drusen sind dem Fachmann auch als Geoden bekannt. Es sind kleine harte Burschen mit einer Menge Kristalle im Bauch, was sie für den Menschen interessant macht und weswegen er sie gerne aufschlitzt, um die Innereien makaber in Schaufenstern und Vitrinen zu drapieren. Das Äussere hingegen ist unscheinbar ockern bis dünklich, wie bei den Vögeln ja auch die Gefiederfarben variieren.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Wuchshöhe. Hier kennt man die Zwergendrusen, die Normdrusen und die Minorität der Riesendrusen. Diese sind so gewaltig, dass einige Exemplare (sogenannte Jonasdrusen) gar von innen begehbar sein sollen. Ein drittes Merkmal sind die Innereien: Kalk, Braunspat, Quarz, Amethyst oder Zeolith. Die besonderen Amethystdrusen sind Schalenbewohner, gehüllt in nichts weniger als edlem Achat.

Will man die Drusen aufspüren, muss fachmännisches Wissen dem Hirnträger bleuig sein. Denn die Druse lebt unter Tage und nicht jeder, der einfach mit einem Spaten etwa blindlings ins Feld sticht, ist dem Feldspat mirnichtsunddirauchnichts fündig. Denn den Gängen des Erzes muss man kundig sein, wo sich die Drusen drängen und deren Nahrung das Erz ist. Und hier rät es sich, einen graubärtigen Gangführer zu bemühen, der mit Erfahrung die Erzrute zu zucken weis oder etwa ein abgerichtetes Drusenpferd, welches den Boden beschnüffelt, als treuen Begleiter zu küren.

Der junge Drusenjünger wandele, so unbesattelt, zuerst ein mal nach Drusethal, das einstige Mekka der Drusen. Dort kamen sie, in religiöser Verzückung, zu tausenden leichtsinnig an die Erdoberfläche (der Fachmann nennt das Hervorbrechen) und fielen dem energischen Steineklopfer leicht in die Hand. Viel zu spät geriet dieses Gebiet nun in Naturschutz, bevor der illegalen Drusenmafia das Handwerk gelegt werden konnte, wurden zu viele Exemplare für schnöden Mammon dem Boden entrissen, so dass die Drusen scheu wurden und das Gebiet bald mieden. Heute informieren eine Gedächtnisstätte und ein internationales Bildungszentrum über die damaligen Greueltaten und allgemeine Drusenkunde. Der Drusenjünger übe sich also in Geduld und Nachsicht. Entnimmt er dem natürlichen Lebensraum der Drusen zu viele solche, ist zum Beispiel ihre Vermehrung stark gefährdet, wie man dem folgenden Abschnitt entnehmen kann.

Die Fortbewegung der Drusen im Erdreich so wie im Felsgestein ist mühselig. Jeder Zentimeter dauert Jahre, das einfache Vor-die-Tür-gehen-und-Rauchen Jahrhunderte. Dabei hat die gemeine Druse selbst keine sichtbaren Fortbewegungsorgane, sondern segelt geschickt im tektonischen Aufwind. Deshalb ist auch die Populationentwicklung eine Sache von Zeitaltern. Doch der Drusenjäger muss noch keine tausend Jahre auf den nächsten Fang warten, denn glücklicherweise gab es dereinst eine feurige Zeit, als der Unterweltgott Pluto unseren Wandelstern enthusiastisch walkte und planschte und Fontänen schmiss und in die Badelava flatulierte. Aus diesen Blubberblasen, so erzählen sich die Drusen gerne bei Hundert-Jahres-Teegesellschaften, sind die ersten Drusen entstanden, um sich ihrer göttlichen Herkunft zu versichern. Aber naturlement ist das Kokolorus. Die Drusen pflanzen sich wie alle Lebewesen fort. Bei der Befruchtung wird ein kleiner Impfkristall in den Leib der Druse vom männlichen Exemplar in Sinnenfreude eingeschleust. Der wächst da im Kristallwasser der Mutter. Lange (genaue Zeitangaben leider nicht erhältlich). Irgendwann ist das Kind der Mutter gleich gross und es entsteht der Keimdrusen-Komplex, der sich teilt. Damit endet die Fortpflanzung und neues Liebesspiel kann beginnen.

Nicht alles ist nun falsch an den Sagen der Drusen. In den prähistorischen Zeiten der Heissweicherde war das Leben der Drusen viel zackiger, ja ein Fest. Sie konnten sich flugs herumflutschen und ihr Lebensrythmus war fast menschenähnlich. Aus dieser Zeit stammt noch fast sämtlich die heutige Gesamtpopulation, denn Drusen sind, so sie nicht zersägt werden, unsterblich. Das ist ein Geheimnis, welches es ihnen zu entreissen gilt, kommende Forschergenerationen werden dies unmissverständlich zeigen. Vielleicht findet auch der Mensch ein zufrieden Leben im Gestein: Die neue Langsamkeit? Deswegen noch ein letzter Appell: Schneiden sie keine gefundene Druse auf. Vergraben sie sie nach Klassifizierung und Beringung wieder in freier Wildbahn. 

Freitag, 28. März 2025

Das Mädchen ohne Hände Teil 3 (Grimm)

Die Wiesel waren eingespannt,
ihr Atem dampfte in der Kälte
als die Fürstin ihrem Mann
das neueste vom Tag erzählte 
„Diese eignen Hände meine
sind mir nicht so recht geheuer.
Heut nahm ich sie von der Leine
und sie gossen Öl ins Feuer!
Gestern rissen sie sich los
und sie schubsten unsre Magd.
Schätzelein, was mach ich bloß?"

"Hör, ich muss jetzt los zur Jagd.
Sperr die Tierchen in den Kobel
und ich will mich wohl beeilen
um nach Hatz auf Nerz und Zobel
bald bei unserm Kind zu weilen.
Bin ich nicht beizeit zurück,
schreib mir bitte einen Brief,
der mir zeugt von meinem Glück,
und wie die Geburt verlief."

Gesagt, getan, die Missetäter
saßen bald im Holzverschlag
und nur ein paar Tage später
war der Fürstin großer Tag.
Ein schönes Kindlein ward geboren,
rosig, wonnig und gesund
auch die Mutter war wohlauf.

Und nach etwa einer Stund
gab sie eine Nachricht auf
um dem Gatten mitzuteilen,
dass der Erbe munter sei
und es sollt der Bote eilen
gleich beim ersten Hahnenschrei.
Von fern her klang nun schrill und klagend
eine Flötenmelodie.
Neid und Missgunst mit sich tragend
auf die frische Harmonie.

Mit Knirschen löste sich ein Brett,
die Händchen liefen durch die Nacht,
bis zum Nachttisch bei dem Bett,
wo das Brieflein hingebracht
von dem Schreiber zur Verwahrung
doch die Pferdchen mit fünf Beinen
stahlen es zwecks Offenbarung.
Wem? Das bleibt noch im Geheimen.

Im weissen Schnee, mit rotem Kopf
saß der König auf dem Schlitten
denn es summte unterm Schopf
sein ganzer Schwarm von Wut-Hornissen.
Der Brief, den er gelesen hatte,
segelte im Wind davon
und er sagte ihre Worte,
fassungslos und ohne Ton.
„Mein Gatte, ich gebar das Kind
deines Bruders Flammenkönig.
Ich verlasse dich für ihn,
das tut mir leid,
wenn auch nur wenig.“

Der Bote sprach "Ihro Durchlaucht
wollen eine Antwort geben?"
„Mein Teuerster, was es hier braucht,
ist ein Kampf auf Tod und Leben!“
Der König schob das Kinn heraus
„Die Fahrt soll gleich zum Schlosse gehen.
Dort wollen wir, als Herr im Haus,
selber nach dem rechten sehen!“

Doch die Wiesel liefen seltsam
wirre Schleifen, weite Kreise.
Erst nach Wochen kam man an,
müde von der Heimwärtsreise.
Bei der Ankunft war das Schloss
verlassen, zugig, kalt und düster.
Licht, dass durch die Türe floss
zeigte eine Reihe wüst
zerschrammter liebgewordner Dinge.

"Oh ihr Räuber, wartet bloß,
bis ich euch zur Strecke bringe!"
rief der König und die Suche
ging durch schaurig stille Zimmer.
Aber letztlich stand zu Buche,
dass man keinen blassen Schimmer
vom Verbleib der Seinen hatte
und der König sprach bewegt:

„Meine Treuen, ich gestatte,
dass ihr euch zu Bett begebt.
Schließt die Türen fest sodann,
denn ich will es nicht riskieren,
auch nur einen weitren Mann
hier und heute zu verlieren."

Der König schreckte in der Nacht,
auf von einem lauten Klirren.
Er sprach „Hab ichs mir gedacht
oder sollte ich mich irren?
Die einz'gen Teile ihres Leibes,
die in meinem Schloss geblieben,
sind die Hände meines Weibes,
welche so viel Unfug trieben.”

Ein Händchen hob nun wie ein Mann
den Feuerhaken vom Kamin,
und es attackierte dann
den König, welcher darauf hin
das Schwert zog und die harten Schläge
wie ein rechter Held parierte,
als er sich, vom Schlaf noch träge,
fast den eignen Bart rasierte.
Es ging nach vorn, es ging zurück
es schepperte, die Funken flogen.
Dann verließ ihn das Geschick,
just, als er das Schwert erhoben.

Um die Beine wanden sich
Stricke und dabei ließ ihn
das liebe Gleichgewicht im Stich
und er fiel nach vorne hin.
Er rief dann "Hole mich der Teufel!
Hab nicht hinter mich geschaut.
Ohne Zweifel war's das zweite
Händchen, dass sich das getraut!"

Der Teufel kam mit einem Knall
"Lange hatte ich Geduld.
Du bist nun mein Knecht, Vasall
und das ganz aus eigner Schuld."
Die Sonne brachte es zutage,
dass der König misslich fehlte.
Lasst uns sehen, welche Pfade
die Dame ohne Hände wählte.

Dieselbe lief, zuerst allein,
mit ihrem Kindlein durch den Schnee.
Dann rieselte zunächst ein Stein,
dann brach ein Ästlein in der Näh.
Hier ein Flüstern, da ein Hut,
dann reichte es der Königin.
So rief sie "Fasset Euren Mut,
und stellt euch einmal vor mir hin."

Rosa Punkte zeigten sich
schüchtern hinter Strauch und Baum.
„Lässt mich der Verstand im Stich?“
fragte sie, „Ich glaub es kaum!
Seid ihr alle, meine Lieben,
mir auf eigne Faust gefolgt?
Wer ist dann im Schloss geblieben?
Seht, das ihr euch heimwärts trollt!“

„Wir hatten“, so sprach nun die Amme,
„Angst um Euch und euer Kind.
Doch ist and'res noch im Gange,
weshalb wir so zahlreich sind.
Doch sagt erst, oh Königin,
warum habt ihr uns verlassen?
Sprecht, was hattet ihr im Sinn,
so einen Entschluss zu fassen?“

„Ich lese euch, ihr lieben Leute
vor, was mir mein Mann geschrieben.
Dann verstehet ihr noch heute,
was mich von euch fortgetrieben.
‚Meine werte Angetraute,
schändlich hast du den belogen,
der auf deine Treue baute
und ihn um sein Kind betrogen.
Nimmermehr will ich dich sehen,
geh und komm nicht mehr zurück.
Magst zum Feuerkönig gehen.
Lebewohl, ich wünsch dir Glück!‘

Diese Worte, falsch und schwer,
möcht ich mit dem König klären.
Doch was führet euch hierher?
Alles drängt mich, dies zu hören."
"Eure bösen Hände wurden
schlimmer noch als Ihr gegangen.
Kaum, dass wir noch schlafen durften
und sie ließen sich nicht fangen.“
„Eine sprang mir in mein Essen.“
„Eine würgte mich einmal.“
"Eine, ach ich habs vergessen!“
sprach der greise Hofmarschall.

"Wir sorgten uns um unser Leben,
deshalb sind wir nachgekommen
um Euch dieses hier zu geben,
was wir aus dem Schloß entnommen.
Das eine ist das 'Horn der Vier',
nicht, um Met daraus zu leeren,
nein man bläst es so und hier.
Um den Bruderbund zu ehren,
kommt nun je nach dem Signal
einer der vier Könige
zu Hilfe fast in jedem Fall.

Das zweite ist das 'Ewige
Zepter aller Erdenfeen'.
Es verleiht dir, Königliche,
Macht, im Kampfe zu bestehen.
Schwingt's gemäß dem Protokolle
und es werden sich erheben
aus der Erde große Trolle
um dir den Salut zu geben."

„Das Horn blas' ich gleich jetzt und hier.“
sprach die Dame vor sich hin
„Und vielleicht gelingt es mir
meinen Gatten anzuziehen.“
Nun tat sie, wie ihr geheißen
und der Ton rief laut und klar,
doch das Echo war die einzge
Antwort, die zu hören war.

Dann rief sie den Sturm, der sprach:
„Komm wir warten schon auf dich!
Fühlst du nicht das Ungemach?
Lass den Ärmsten nicht im Stich!“
„Sturmwind, zeige mir wohin!“
“Ich trag dich auf meinem Rücken
und du kannst, wenn wir erst dort sind,
all das Üble selbst erblicken.“
Das Kind gab sie an ihre Amme,
dann hob der Wind sie schnaufend hoch.
Von weitem sah sie eine Schlange
banger kleiner Wichtel noch.

Der Sturmwind seufzte schauerlich,
als sie durch die Lüfte glitten,
"Es ist sehr bedauerlich.
Ihr habt beide viel gelitten.
Unser Bruder ist zwar tüchtig,
und auch voller Leidenschaft.
Doch er ist auch eifersüchtig
und das macht ihn wankelhaft.
Keinem kann er ganz vertrauen,
niemand kann er wirklich lieben
und so ward er von den Frauen
als 'König Halbherz' oft beschrieben."




Resteküche:

Die Feenkönge wollte ich
länger schon in meiner Gewalt
wegen ihrer 

Der Engel kommt und gibt ihr das Herz
… die Hände sind wieder an ihrem Platz.


vor dem Grabmal sitzen die zwei Flötenspieler, einer hat das halbe Herz des Königs als Geisel.

Die Königin muss in das Labyrinth des Grabmals 

herabsteigen; wo sie auf die Erinnerungen des Königs trifft, auch auf sich selbst. Sie muss gegen den Vater des Königs kämpfen, der das andere halbe Herz hat. Dabei setzt sie das Zepter und die Geschenke der Könige ein, um zu gewinnen.

Der Engel schickt die Hände, die er vom Teufel gewonnen hat, um vom Teufel die Herzhälfte zu stehlen und sie der Königin zu bringen. Die zwei verschwinden durch den Hintereingang. Der Teufel wartet, merkt, was passiert ist und will in die Gruft eindringen. Darauf hin gibt es ärger und einen Kampf mit Geistern und evtl der Armee. Das paar holt das Kind ab und macht sich auf den Weg zu ihren Eltern.


nimm dieses Krüglein und darin
soll immer klares Wasser sein
nimm dieses Scheitlein und daran
soll immer eine Flamme sein
nimm dieses Säcklein und darin
soll immer etwas Essen sein

Dass die Hölle zugefriert?

Und die Moral am End ist:
Wenn dir die Hände genommen,
dann braucht es einen Engel,
um sie wieder zurück zu bekommen.