Neulich dachte ich doch ernsthaft,
wie der Unterschied wohl sei,
ob man etwas früh gelernt hat,
oder später, nebenbei.
Spät erlernt ist die Moral ja
beispielsweise voller Fett-
näpfchen und, mit einem Male,
wird der Saal zum Rutschparkett.
Vom „So tut man`s“ führ'n die Pfade
zum „Darum wird’s so gemacht“.
"Ist das alles", frag ich grade,
wirklich rigoros durchdacht?"
Warum tut ein Fehler wehe?
warum will ich ihn verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir sehe:
Monster aus Gedankengängen.
Egoismus, Neid und Gier,
die glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und auf die harte Art.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen.
"Horch, was kommt von draußen rein“
sing ich, ach um Himmels willen!
"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd' ich heil, verletz ich mich?
Wo ist Wahrheit, wer nimmt mir
oder baut mein neues Ich?
Steht am Ende gar ein Wir
oder andre?", frag ich mich.
"Oder bin ich alle hier?"
Halt, ich darf nicht alle sein.
Einer spricht in mir dafür
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte
bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.
Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd' ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein gut erzog’nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.
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