Montag, 22. Juni 2026

Die Handlung, die Wandlung (Versform)

Trotzig frag ich, was verrät,
wie der Kern des Menschen sei,
ob Moral man früh versteht
oder später, nebenbei.
Muttersprachlich ist Moral
eng verstrickt in ihrem Bau,
Netz aus Logik, Wort und Zahl,
dennoch eitel wie ein Pfau.

Vom „So tut man`s“ führt der Pfad
zum „Darum wird es gemacht“.
"Ist das alles", frag ich matt,
wirklich schonungslos durchdacht?"
Warum tut es dann so wehe,
warum darf ich nicht verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir sehe:
Monster in Gedankengängen.

Egoismus, Neid und Gier,
glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und gleich, so sagt der Arzt.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen,
"Horch, was kommt von draußen rein",
sing ich, ach um Himmels willen!

"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd ich heil, verletz ich mich?
Was ist Wahrheit, wer nimmt mir,
oder baut erneut mein Ich?
Steht am Ende gar ein Wir,
oder andre?", frag ich mich.

"Oder bin ich alle hier?",
halt, ich darf nicht alle sein.
Einer spricht in mir dafür
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte.
Bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.

Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein neugebor'nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.

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