Donnerstag, 11. Juni 2026

Der Mann mit der Börse (Satire)

Neulich habe ich kurz nach Sonnenaufgang im Kühlschrank ein paar faule Kredite entdeckt und selbstredend sofort ins Rentenloch entsorgt. Danach flanierte ich durch meine Geldanlagen, wo die Kapitalerträge an Silberweiden und Goldruten reifen. Doch der raue Wind der Marktwirtschaft hatte dieses Jahr davon die Hälfte platzen lassen! Ach, wenigstens die Goldesel grasten friedlich neben ihren schimmernden Häufchen. Ein wenig missmutig ging ich dann mit ein paar Kredithaien und anderen großen Fischen in Liquiditätsproblemen baden.

Die rieten mir zu Einlagen für einen sicheren Stand. Am Nachmittag las ich dann ein Wertpapier, dass sein Papier nicht wert war (sicher von der Falschgeldpresse), als eine verlockende Verdienstmöglichkeit mit mir zu flirten begann. Ich bekam sofort sehr heiße Eisen in ihrem Finanzfeuer, verbrannte mir die Finger, richtige Dotcomblasen bekam ich! Da legte sie mir einen kühlen Sparkassenverband an. Ich brachte sie noch mit meiner Oldsmobilie in ihr Stammhaus, wo sie die Haustür mit einem dieser neumodischen Bluechips öffnete.

Sie erzählte mir bei einem Gläschen von ihrem neuen Steuerberater für ihre bescheidene Yacht im Hafen der Kleinanleger und das ihm die Fernsteuer sorgen mache, dann warfen wir unsere Kleider in ihren Aktienschrank und spielten Spekulanten unter einer dünnen Kapitaldecke. Doch schon am nächsten Morgen kam es zum Börsenkrach. Wütend warf ich das Handtuch und kündigte meinen Rücktritt an. Ich ging raschen Schrittes und sank auf einer Zentralbank nieder, aber die lästigen Wanderheuschrecken störten mich. Matt wandelte ich heim, denn dort wenigsten hatte ich noch das Monopol.

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