Samstag, 27. Juli 2019

In der Werkstatt des Uhrmachers

„Fragen : Diese unseligen Kinder der rastlosen Geistes verlangen nach Variationen des Unabänderlichen und führen zum Widerspruch. Frage also: Hat Gott den Menschen erfunden oder der Mensch Gott? Der Gedanke von Gott enthält alles und ist doch menschlich. Er ist eine persönliche Version. Eine Variation des Unabänderlichen. Ein Widerspruch. Gott ist dem Menschen sehr ähnlich, er ist ein Macher, Veränderer, Zerstörer und Schöpfer. Also ist er nicht eins. Sondern viel. Wie eine Schublade enthält er verschiedene Dinge, die alle dazugehören. Und zwar alle. Denn er ist die Beschreibung für alles das um uns und in uns ist. Der Name dafür ist genauso sinnlos wie alle Namen. Aber eine Hilfe, um Unfassbares fassbar zu machen. Wie bei der Luft. Also ist Gott da, in Form einer Idee von Präsenz. Präsenz ist keine Idee. Luft ist keine Idee. Das ist die äussere Wahrnehmung.

Vakuum, Dunkelheit und Kälte sind Defintionen von Nichtpräsenz. Nicht präsentes ist nicht präsent. Nichtpräsenz ist eine Idee. Von etwas, dass da sein müsste aber nicht da ist. Gott ist eine Idee von Nichtpräsenz. Eine Idee von einer Idee, ein Traum von einem Traum. Eine Variation. Träume unterscheiden sich, Träume widersprechen sich. Das ist die innere Wahrnehmung. Glauben wir an den Widerspruch: Widersprechen wir Gott. Suchen wir nach unseren Träumen.“

Müde blickte ich auf den vollgekritzelten Bogen Papier herab, ein weiterer nutzloser Versuch von vielen und wahrscheinlich nicht der letzte. "Was war es noch, wonach ich gesucht hatte? Was die Welt im Innersten zusammenhält? Die letzte unteilbare Wahrheit? Das Elementarteilchen? Was uns die Physik gibt, sind Elektronen, Quarks, Photonen, die sich benehmen wie ewige Halbstarke: sie lassen sich nicht definieren, leben in den Tag hinein, versammeln sich in Cliquen und verpuffen ihre ganze Energie beim Sex. Sie bestehen aus Widersprüchen. Das sollen unsere Fundamente sein? Woraus besteht ein Widerspruch?" 

Doch alles, auf was ich mich zu konzentrieren versuchte, floh meinem Geist in ähnlich schwammigen Ergüssen wie diesen. Ich seufzte, nahm einen Schluck direkt aus der Rotweinflasche (eine weitere und wahrscheinlich nicht die letzte) und stierte aus dem nachtschwarzen Fenster. Wie grau mein Haar schon geworden war, seit ich in dieses Zimmer kam, dachte ich und über diesem Gedanken muss ich wohl eingeschlafen sein. Ich fiel aus dem Schlaf direkt in die Werkstatt des Uhrmachers. 

Er starrte fassungslos aus seinem Monokel, dann fasste er sich : „Ah, Besuch! Können nicht mehr anklopfen, die jungen Leute, was?“. Er war ein kleiner, bulliger Mann, mit Halbglatze, einem lustigen weissen Haarkranz und blauem Kittel. Es umgab ihn eine Aura von aufrichtigem Stolz. Nun etwas freundlicher, als er gesehen hatte, das ich nicht minder erschrocken war als er, legte er die kleine silberne Pinzette, die er in der Hand gehalten hatte, auf den Tisch und holte zu einer einladenden Geste aus: „Nur zu, schauen Sie sich um!“ und ging wieder an seine Arbeit. Zuerst warf ich einen Blick durch die halbgeöffnete Tür. Ich befand mich in einem geräumigen, wahrscheinlich zweigeschossigen Haus im Kolonialstil mit weitläufigen Fensterfronten und viktorianischen Möbeln. 

Durch das Fenster sah ich Felsen, das blaue Meer und eine üppige Vegetation. Dann drehte ich mich wieder um und sagte im verbindlichen, warmen Tonfall und einem Hauch von Ehrlichkeit: „Schön haben Sie es hier.“ Was man eben so sagt, wenn man zu Gast ist. „Das soll wohl!“ antwortete er fröhlich, ohne sich umzudrehen. Eine riesige Werkbank dominierte den Raum, darauf einige unfertige silberne und goldene Apparate unbekannter Art, filigrane Federn, Schrauben und Räder. Auch Werkzeuge. An den Wänden befanden sich Regale mit Folianten und Papierrollen, sowie Kästen mit Kleinteilen. Eine Lampe, die gleichzeitig Lupe war, erhellte den Tisch und offenbarte noch zwei einfache Schemel, die das Interieur des Raumes abrundeten. 

„Ich bin Uhrmacher. Unruhen und Regulatoren und so weiter. Hoffe, sie kennen sich aus?" sagte der Mann plötzlich und wandte sich nun wieder mir zu. "Und ich mache Universalkonzepte.“ „Sowas wie Universen?“ „Ja, dreidonnernocheins, was habe ich denn gerade gesagt?“ „Eben dies.“, beschwichtigte ich, „Kennen sie dann auch das Kugelweltkonzept?“ Er schaute mich säuerlich an, als habe ich im gerade ins Bein gebissen. „Warum interessiert sie das?“ fragte er leise und herausfordernd. Und dann fügte er hinzu „Davon will ich nichts hören, Bursche. Lassen Sie die alten Geister ruhen. Das ist kein Ruhmesblatt für einen Mann in ihren Jahren, die Kenntnis dieser Kugelweltsache. Gehen sie auf Weibersuche. Das ist weitaus interessanter uuund vergnüglicher.“ „Ich komme aber daher. Aus der Kugelwelt.“, sagte ich schlicht.

Oh, ach, Sie armer.“ Sein stolzer Habitus sackte in sich zusammen. „Dann werden sie Fragen haben? Setzen wir uns.“ „Ja: Was ist es, was die Welt im Innersten zusammenhält? Was ist die letzte unteilbare Wahrheit, das eine Elementarteilchen?“ „Sie kommen gleich auf den Punkt.“ seine Mundwinkel zuckten „Das gefällt mir, haha!“ Und er schlug mir auf die Schulter. „Geradeheraus, mein Sohn: Die Idee war simpel. Polarität, Widerspruch, Unterscheidung durch Trennung und Teilung, plus und minus, hier und da. Mehr habe ich gar nicht dazu beigetragen. Wer konnte denn ahnen. Das ganze Konzept ist mir unter der Hand explodiert.“ „Nanu, was ist denn passiert?“ „Es gab eine Reihe ganz unerfreulicher Folgen, von denen eine der furchtbarsten gerade die Vereinigung war.“ 

„Sie meinen den Urknall?“ „Ja, genau. Glücklicherweise oder auch nicht beinhaltete die Idee auch ein mehr und ein weniger. Und dann waren da noch Zeit und Raum. Aus dem Dazwischen. Schnell und langsam, alles geriet in Bewegung und Wandlung, man wurde ganz verrückt.“ Er rollte mit den Augen, dann kratzte er sich an der Nase: „Und dann hat es sich einfach immer weiter geteilt, immer weiter. Immer weiter, verstehen Sie?“ „Verstehe.“ „Sie verstehen nicht! Immer weiter! Jede Teilung gebar unendlich viele neue Teilungen! Und Vereinigungen! Und dann das SCHLIMMSTE, WECHSELWIRKUNGEN!“ 

Jetzt wurde er laut. „Wechselwirkungen führten zu Information und Information führte zu Codes. Codes führten zu Leben. Und da, wo es endlich anfing, interessant zu werden, kamen nur die Schnecken und Würmer. Das war mir zuviel. Mir wird schlecht von Würmern, verstehen Sie?“ Ich sagte nichts. Leiser fuhr er fort: „Seitdem guck ich nur noch ab und zu rein. Fische und Dinosaurier, was? Jede Menge Käfer? Maulesel? Wie seit ihr denn zurecht gekommen? Habt ihr etwas erreicht?“ „Wir können bald klonen.“ „Wie bitte?“ „Mit ihren Worten: Herstellung einer Kopie ohne Vereinigung.“ „Ist das nicht langweilig?“ „Denken sie an Anfang und Ende. Das Ende ist schwer zu verkraften.“ „Ahh. Soo. Ein bischen unsportlich, was? Na macht mal.“ lachte er. „Aber als leidenschaftlicher Golfer gebe ich Ihnen einen Tipp: spielen Sie Ihren Ball, wo er liegt. Tasse Tee?“ „Gerne.“ „Gehen wir nach Draussen in den Garten!“ An einem kleinen Holztisch unter üppig blühenden Büschen unterhielten wir uns -beim Tee- weiter. 

„Wir haben auch Theorien, wie alles kam. Genaugenommen zwei: Eine geht von einem Schöpfer, Ihnen, aus, der alles mit einem Schlage schuf, die andere von einer Sache namens Evolution, der langsamen Entwicklung der Arten durch Selektion und Anpassung. Was ist ihre Meinung?“ Der Uhrmacher bohrte den Finger in die Luft und zeigte auf meine Brust. „Beides Richtig: alles wurde auf einmal geschaffen, aber nur als Möglichkeit. Die tatsächliche Ausführung der Möglichkeit läuft über Affen, Molche und Maulesel. Möglickeiten erzeugen Wahrscheinlichkeiten. Als logische Folge entsteht die Möglichkeit der Entstehung der Variation gleichzeitig mit der einfachen Orginalidee. Als Folge des Widerspruchs ergibt sich der Kompromiss oder das Dazwischen, der Raum, das Neutron, das Grau, alle Farben, Raum-Zeit jaja, das hatten wir ja schon.“ Und dann schlürfte er an der Teetasse. „Ahhhh. Nicht zu vergessen die Ähnlichkeit. Die Ähnlichkeit habe ich immer gemocht. Fabelhafte Versteckspielerin. Keine zwei Dinge sind gleich. Wissen Sie, man könnte einen tiefen See für ein flaches Gewässer halten, wenn er nur klar genug ist. Noch was?“ 

„Ja, aber warum fällt uns der Himmel nicht auf den Kopf? Warum vereinigen sich nicht einfach alle Widersprüche?“ „Denken sie an die Wechselwirkungen: Wenn mehrere Widersprüche sich überlagern, können sie sich auf Dauer erhalten.“ Dann summte er eine Melodie, die mir verdächtig wie „Es waren zwei Königskinder“ vorkam. „Dann hatten die Chinesen also recht. Die haben das hier gebastelt.“ Stolz zeigte ich ihm meinen Ying Yang Anstecker: „Das ist ein Ying Yang oder Tai Gi.“ „Total verrückt.“ Er verdrehte den Kopf. „Was ist auf der Anderen Seite ?“ „Eine Anstecknadel“ „Oh, ah, verstehe. Ja, das kommt in ungefähr hin. Aber schwarz und weiss ist kein gutes Beispiel für Polarität. Das Alles oder nichts, die Null und die Eins, diese Sachen sind nur die Hälfte der Wahrheit. Was fehlt, ist das minus. Das Gegenteil von Sein ist nicht Nichtsein, sondern Anderssein, während das Nichtsein zwischen den beiden liegt. Auusser, man würde das Ding in der Mitte zusammenfalten." "Angenommen man nähme zwei Menschen, wie wäre das dann mit dem Anderssein? "Dann wäre es nur bezüglich einer einzelnen Eigenschaft oder Meinung und man müsste alle Eigenschaften und Meinungen nacheinander prüfen." 

"Da würde man im Leben nicht fertig und dann könnte man wieder von vorn anfangen." "Genau so. Die Tupfen sind für Quellen und Senken?“ „Und die Symmetrie steht für Harmonie und Gleichgewicht.“ vollendete ich stolz. Ich atmete tief ein und fast hätte ich „Om“ gesagt. Abwehrend schob er die Hand nach vorn. „Nein, nein. Harmonie ist kein symmetrisches Konzept, die Symmetrie ist ein Sonderfall der Harmonie! Sie haben es doch hier...“ "Also jetzt versteh ich nix mehr." "Also was ihr hier als Symmetrie bezeichnet, liegt in den Formen. Die Symmetrie ist das Gleichgewicht zwischen Gleichem. Die Harmonie ist zwischen dem Schwarz und dem Weiss und in der Welle, sie ist das Gleichgewicht zwischen Ungleichem. Beides sind Sonderfälle." „Sonderfälle kommen in die Klinik.“ antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. „Na eben!“ rief er und warf die Hände jetzt hoch. "Was fasziniert euch denn an Absonderlichkeiten?" "Beide haben aber ihren Ursprung im Gleichgewicht?", ich blieb beharrlich. 

Seine linke Augenbraue erhob sich und schnippste mit den Fingern nach Beantwortung. "Sie machen es uns einfacher. Wir benutzen sie als Grundformen." gab ich nach. "Einfach kann auch ganz schnell kompliziert werden", sagte er lachend. "Bin ja selbst das beste Beispiel." "Und meine Frage?" Nicken. "Ja, richtig. Gleichgewicht wiederum ist ein Spezialfall des Widerspruchs. Es sind aber die Widersprüche, aus denen eure Welt aufgebaut ist, das sagte ich Ihnen doch schon. Alles andere entsteht daraus, auch die Ausnahmen." „Oh.“ „Was ist?“ „Eine Frage hätte ich aber noch.“ 

„Dann raus damit!“ „Gibt es die Ewigkeit und den Augenblick?“ Amüsiert lächelte er „Hartnäckig, was? Das nenne ich Sportsgeist. Ja, das ist alles dasselbe dem Ursprung nach: Augenblick, Ewigkeit, Symmetrie, Harmonie, die NULL. Absonderlichkeiten. Sie existieren nicht einzeln." „Ich erinnere mich aber an einzelne Augenblicke.“ Wie ein ertappter Lausejunge scharrte er mit den Füssen. "Mir ist da was in den Sinn gekommen", antwortete er schliesslich. "Wie lange dauert euer Augenblick?" "3 Sekunden. In etwa." "Und das können eure Uhrenapparate zählen?" "Die zählen Schwingungsdauern. Das ist es ja. Aber wir erinnern uns nicht an Schwingungsdauern, sondern an Augenblicke." "Aber doch, weil sie sich von den anderen unterscheiden?" "Ja, das ist der Grund, aber der einzelne Augenblick ist es trotzdem, der übrigbleibt." 

Da stand er auf und lachte und schüttelte er mir die Hand. Er schien sonderbareweise sehr erleichtert. "Mein lieber Freund, sie haben ihr Elementarteilchen gefunden. Den Augenblick. Ihr Augenblick. Ihr Augenblick ist ihre Ewigkeit. Unteilbar und doch...“ „Ein Widerspruch!“ beendete ich seinen Satz und in dem Moment bin ich aufgewacht. Ich stand auf und öffnete das Fenster. Draussen war es Frühling und die Vögel zwitscherten. Ich entsorgte die Flaschen und das Papier und beschloss, auf Reisen zu gehen. Vielleicht in die Südsee. (Erstfassung: 2006)

Elektromagier

Das ganze Gemenge aus Halbwissen und, nun ja, religiösem Halbwissen, wobei das ja jetzt sogar schon wieder eine revolutionäre Basis darstellen könnte und das andere auch, würde man die andere Hälfte als leer betrachten, also pessimistisch, gibt einen guten Hefeteig, er geht auf, macht bräsig und diskutierfreudig. Sehr schön. Jetzt habe ich mich schon wieder selbst überlistet. Eigentlich wollte ich das als schlecht darstellen. Scheint es aber nicht zu sein, ganz logisch betrachtet. Aber für mich ist das schlecht. Ich bin mit Trockenfutter aufgewachsen, ich kann jetzt nun mal nichts mehr anderes essen, was heisst, Materialismus und Partikularität bitteschön. Keine weichen Ränder oder Extrapolationen. Nicht jetzt. Ok, aber doch. Also zum virtuellen Ich, Rückkehr der Magie und Schubladendenken.  Ersteres und letzteres ganz schnell:  Es waren einmal die Herren Volta, Ampere, Faraday und Tesla et al. Die machten Sachen mit Froschschenkeln. Ein recht materialistischer Spass und doch der Vorbote der Entmaterialisation ausserhalb des Gehirns, die im Computer endete. Digitalisierung, jaja. Und damit kann man dann virtuelle Sachen hin- und herschieben, die eigentlich nur, naja Elektrizität sind. Und damit kam man dem Gehirn ja schon verdammt nahe, da ist das ja auch so, so elektrochemisch. Viele Sachen elektrischer Natur hätte man früher für magisch gehalten. Heute ist es eher die gute alte Schwerkraft, die Kopfzerbrechen bereitet.  Also Magie und spätere religiöse Ableger sind Sachen, die so funktionieren wie die Vorstellung oder besser der Wunsch, den das Gehirn von der Wirklichkeit hat. (Hat viel mit Geschwindigkeit und Effekten zu tun.)  Durch und durch magisch-elektrisch und man kann ihnen auch ein elektrisches virtuelles Abbild zuweisen. Aber die Wirklichkeit selber interessiert das ja nicht. Wäre die Wirklichkeit magisch, gäbe es einen eingreifenden Gott, hätte er alle Hände voll zu tun, den Dingen zu erklären, wass sie zu tun und zu lassen haben. Zu den Menschen käme er gar nicht mehr. Und so sind Computerprogramme. Sie sagen jedem Ding, was es zu tun und zu lassen hat, ein Programmierer definiert etwa Schwerkraft nur für die Dinge, für die er sie braucht, dafür sind Programme ja auch übersichtlich. In denen darf es Magie geben. Elektromagie sind auch die Geister unserer heutigen Zeit. Denkt ihr, wir haben die Gespenster und Spukgestalten unserer Ahnen längst hinter uns gelassen und gegen Logik und Wissenschaft eingetauscht? Und warum beschäftigen wir uns dann immer noch mit, nun elektronisch entmaterialisierten, Versionen unserer Spezies? Das Fernsehen, das Radio, das Internet sind voller toter Leute, die zu uns sprechen. Wissenschaft hat uns erst die Geister und Dämonen ermöglicht, die wir uns früher so lebhaft selbst vorstellen mussten.

Mittwoch, 18. November 2015

Das farbenfrohe Opossum (Versform)

Ein Opossum ohne Ahnung
kriecht hungrig in die Keksedose,
drinnen lauter Weltraumkekse
aus des Herrchens Vorratsplanung.

Alles frisst das Possum leer,
und ganz komisch wird es ihm.
In seinem Kopfe spukt der Traum
vom eignen Künstleratelier.

Es nimmt den Pinsel und will malen,
doch es ist viel zu bedröhnt.
Schwarz wird es vor seinen Augen,
und man sieht's vornüber fallen.

Besser hängt es sich verkehrt
erstmal an die Jalousie.
Als Künstler braucht man Perspektive,
hat es irgendwo gehört.

Energisch kühn mit Pinselstrichen
es dann die Leinwand attackiert, 
mit großen und genialen Dingen
die seinem kleinen Kopf entwichen.

Das ist ganz klar der neue Trend,
was bunt von Ohr zu Ohr ihm wabert.
Doch ob der unbeleckte Trottel
diesen Trend sofort erkennt?

Unmissverständlich muss es sein,
so extrageil! Und wie im Wahn
taucht es in die Farbbehälter
ohne Furcht und Zagen ein.

Im kühnen Schwunge auf das Bild
wirft's Opossum sich behände.
Zuerst gestreckt, auf allen Vieren,
dann Handstand, Hintern und Profil.

Den Kritikern die Harke zeigend,
wälzt es sich im Merenguetakt.
So wird es steinreich und die Kekse
geh'n nun nimmermehr zur Neige. 

Sonntag, 15. November 2015

Les Luthiers - Dilema de Amor - Liebesdilemma




Noch ein weiteres Meisterstück der Luthiers, zuerst der spanische Text:

Carlos Núñez Cortés: Estoy enamorado, por fin me enamoré,
el sabado a la noche en el baile la encontré.
Estaba vestida para enamorar, sensual y atractiva...
Y me miraba sin parar.

Todos: Si dos jóvenes se atraen, ya nada los detiene,
ustedes ya saben todo lo que viene.

Carlos Núñez Cortés: Salimos a bailar, la miré, me miró...
Todos: Y el deseo fulminante... los atrapó.
Carlos Núñez Cortés: Y mientras se movía...
Todos: ¡Qué fascinante!
Carlos Núñez Cortés: Para impresionarme...
Todos: ¡Qué sugerente!
Carlos Núñez Cortés: Se puso a hablar...
Todos: ¡Qué excitante!
Carlos Núñez Cortés: De filosofía...
Todos: Qué interesante...
Carlos Núñez Cortés: De inmediato reaccioné, y ahí mismo en la pista...
Daniel Rabinovich: ¿Ahí mismo, en la pista?
Carlos Núñez Cortés: ...la enfrenté y le pregunté, si era aristotélica o tomista.
Todos: La, la, la, la, la...

Carlos Núñez Cortés: No paramos de bailar, nuestros labios se atraían
y empezamos a hablar de epistemología.

Daniel Rabinovich: Los jóvenes inventan palabras cada día,
se ve que ahora lo llaman... "Epistemología".
¡Qué bonito, mi amor!

Todos: ¡Qué bonito, mi amor!
Daniel Rabinovich: Hacer cada día...
Todos: Hacer cada día...
Daniel Rabinovich: Juntitos los dos...
Todos: ¡La "Epistemología"!
Carlos Núñez Cortés: Tocamos muchos temas de antropología...
Todos: ¡Entonces hicieron la "epistemología"!

Carlos Núñez Cortés: Del estructuralismo, del rumbo del arte
y el existencialismo... de Kierkegaard a Sartre.

Daniel Rabinovich: Ella sacudía
Todos: Ella sacudía
Daniel Rabinovich: Su estructuralismo
Todos: Su estructuralismo
Daniel Rabinovich: Y él hacía lo mismo... ¡Con su antropología!

Carlos Núñez Cortés: Y hablando de Marcuse, de Spengler y Lacan
llegamos a Erasmo de Roterdam...

Daniel Rabinovich: Los jóvenes de aman con tanto entusiasmo,
que sólo con hablar... ¡Ya llegan al "erasmo"!

Todos: Y fueron a la cama

Carlos Núñez Cortés: No, no, no... El amor no sólo es
ir con alguien a la cama...

Todos: También se puede hacer... de pie o en la ventana.

Carlos Núñez Cortés: Me dijo que leía a Wittgenstein,
Y que la enloquecía su epistemología...

Daniel Rabinovich: Yo que tú me cuidaría, ya nombró como a doce,
con cualquiera que conoce hace "epistemología".

Carlos Núñez Cortés: Yo le dije que ese tipo solo quería
quitar lo metafísico de la filosofía...

Todos: No se puede estar amando metafísico nomás...
Daniel Rabinovich: Ni estar a cada rato... ¡"epistemologando"!

Carlos Núñez Cortés: Me preguntó con cinismo si yo no concebía
otra metodología que el materialismo.

Todos: Ella criticaba tu metodología,
pero tipo que veía... se lo "epistemologaba".

Carlos Núñez Cortés: ¡Le dije que se fuera! El pensamiento formalista
acaba el idealismo subjetivo y atomista.

Todos: ¡La mandaste a mudar, la echaste sin piedad!

Carlos Núñez Cortés: ¡No se debe aceptar la banalidad!
Ya encontraré a otra con más afinidad.
Epistemólogas hay muchas en la facultad.

Todos: Nos has revelado otra realidad,
nos has señalado... ¡el camino a la verdad!

Daniel Rabinovich:Vamos a cambiar
Todos:Vamos a cambiar
Daniel Rabinovich: Esta vida vacía...
Todos: Esta vida vacía... Vamos todos a estudiar... ¡"Epistemología"!


Deutsche Übersetzung:

Sänger: Ich bin verliebt, endlich habe ich mich verliebt.
Am Samstagabend beim Tanz habe ich sie getroffen.
Sie war angezogen für die Liebe, sinnlich und attraktiv
und sie schaute mich unverwandt an.

Chor: Wenn junge Leute sich voneinander angezogen fühlen
und niemand sie aufhält, wisst ihr schon, was noch alles kommt.

Sänger: Wir fingen an zu tanzen, sie schaute mich an, ich schaute sie an.
Chor: Ein plötzliches Verlangen erfasste sie.
Sänger: Und während sie sich bewegte,
Chor: Wie faszinierend!
Sänger: Um mich zu beeindrucken,
Chor: Wie überzeugend!
Sänger: Begann sie zu sprechen,
Chor: Wie aufregend!
Sänger: Über Philosophie.
Chor: Wie interessant....
Sänger: Ich habe prompt reagiert, direkt auf der Tanzfläche
Chor: Haha, direkt auf der Tanzfläche?
Sänger: Ich habe sie konfrontiert und fragte,
ob sie Aristotelianerin oder Thomistin ist.

Chor: Lalalalala

Sänger: Wir hörten nicht auf zu tanzen, unsere Lippen zogen sich an
und wir begannen über Erkenntnistheorie zu sprechen.

Chor: Die jungen Leute erfinden jeden Tag neue Wörter,
man sieht, dass ihr das heute "Erkenntnistheorie" nennt.
Wie schön mein Liebling, mein Liebling wie schön!
Machen wir jeden Tag, jeden Tag, nah zusammen, "Erkenntnistheorie"!

Sänger: Wir sprachen über viele anthropologische Themen,
Chor: Und dann machten sie "Erkenntnistheorie"!

Sänger: über den Strukturalismus und Kunstrichtungen, über Barthes,
über den Existenzialismus von Kierkegaard bis Sartre.

Chor: Sie bewegte ihren "Strukturalismus", ihren "Strukturalismus"!
Und er tat dasselbe mit seiner "Anthropologie"!

Sänger: Und wir sprachen über Marcuse, über Spengler und Lacan
sind wir dann bis zu Erasmus von Rotterdam gekommen.

Chor: Die jungen Leute verlieben sich mit viel Enthusiasmus,
allein vom Sprechen erreichen sie schon den "Erasmus"!
Und sie gingen ins Bett.

Sänger: Nein, nein, nein! Liebe bedeutet nicht nur,
mit jemandem ins Bett zu steigen!

Chor: Man kann es auch im Stehen oder am Fenster machen.

Sänger: Sie sagte mir, dass sie Wittgenstein gelesen hat
und über seine Erkenntnistheorie fast verrückt geworden wäre.

Chor: Wenn ich du wäre, würde ich aufpassen,
diese Frau hat schon etwa zwölf Männer genannt!
Und mit jedem Soundso, den sie kennenlernt,
macht sie "Erkenntnistheorie".

Sänger: Ich sagte ihr, dass dieser Typ nur
die Metaphysik von der Philosophie trennen wollte.

Chor: Man kann nicht nur über Metaphysik sprechen
und die ganze Zeit "erkenntnistheoretisieren".

Sänger: Sie fragte mich zynisch, ob ich nicht noch
eine andere Methodologie begriffen hätte, wie den Materialismus.

Chor: Sie hat deine "Methodologie" kritisiert, aber mit jedem Typ,
den sie gesehen hat, "erkenntnistheoretisiert"!

Sänger: Ich sagte: "Hinfort mit dir! Der formalistische Gedanke
zerstört den Idealismus, ob subjektiv oder atomistisch."

Chor: Du hast sie zum Teufel geschickt!
Du hast sie ohne Mitleid weggeschoben!

Sänger: Man sollte die Banalität nicht akzeptieren.
Ich werde eine andere Frau mit mehr Affinität finden.
Es gibt viele Erkenntnistheoretikerinnen in der Fakultät.

Chor: Du hast uns eine andere Realität offenbart,
du hast uns den wahren Weg gezeigt.
Wir werden unseren Kurs wechseln,
dieses leere Leben, dieses leere Leben!
Wir werden alle "Erkenntnistheorie" studieren!

Samstag, 14. November 2015

Der Mann auf dem Dach

Auf der Großstadt hohen Zinnen,
im Winde steht er,
weit um sich schaut er,
dem öden Putzjob zu entrinnen,

kam er nur für zehn Minuten.
Auf grauen Wolken schwebt er,
den blauen Himmel trägt er,
ist Atlas oder Kapitän.

Tief unten sich die Leute sammeln,
die Polizei, die Feuerwehr.
"Wird er denn springen,
oder kann es gelingen,
ihn zu entreißen, seinem Ansinnen?",
so diskutieren sie heiß daher.

Der Mann will gerade wieder gehen,
nach unten blickt er, und dabei erschrickt er.
Was ist da bloß, auf der Straße los,
na es wird dann bestimmt in der Zeitung stehen.

Im Flur trifft er einen Polizist der ihn fragt und er sagt:
"Ich hab niemanden sehen,
hoch zum Dache gehen.
Ich hab hier nur meine Arbeit gemacht."

Freitag, 13. November 2015

Die törichte Amsel (Versform, Trochäus)

Eine Amsel kam im Mai,
saß auf meinem Fensterbrett.
Stöckchen hatte sie dabei
als Gerüst fürs Eierbett.

Adern schwollen mir am Hals 
lauthals musst' ich sie belehren.
Sowas dürfe keinesfalls
ihr ein zweites Mal passieren.

"Sinnlos ist es, was du bauest,
unverantwortlich dazu.
Dem labilen Klima trauest
du ein ruhiges Jahr noch zu?

Willst in diese schlimme Welt
du noch arme Küken zeugen?
wenn's an Bildungsplätzen fehlt, von
Arbeitsplätzen ganz zu schweigen?

Mückenfraß in Schnabelarbeit
lohnt schon lange sich nicht mehr.
Ein Jahr oder läng're Zeit
hockt der Nachwuchs dann bei dir!

Vogelcent und and're Steuern,
sind wohl in der Diskussion
und die Wintersaat, die eure
essen andr'e Tiere schon.

Brauchst gar nicht zu mir zu kommen,
wenn es längst schon ist zu spät!"
Sprachlos hat sie das vernommen
und sich auf dem Sims gedreht.

Liess darauf ihr Zweiglein fallen,
ich sah sie von Dannen eilen,
um den andern Vögeln schallend,
diese Botschaft mitzuteilen.


Montag, 9. November 2015

Les Luthiers - Theorema de Thales - Der Satz des Thales




Das ist ein lustiges Video zu einem Lied von den Luthiers, einer argentinischen Komikertruppe, dass den Satz von Thales erklärt. Der spanische Text dazu:

"Si tres o más paralelas
Si tres o más parale-le-le-las
Si tres o más paralelas
Si tres o más parale-le-le-las

son cortadas, son cortadas
por dos transversales, dos transversales,
son cortadas, son cortadas
por dos transversales, dos transversales,

Si tres o más parale-le-le-las
Si tres o más parale-le-le-las
son cortadas, son cortadas,
son cortadas, son cortadas
(Entre voces: "Son transversales")

Dos segmentos de una de estas, dos segmentos cualesquiera,
dos segmentos de una de estas son proporcionales
a los dos segmentos correspondientes de la otra.

Hipótesis:

A paralela a B,
B paralela a C,
A paralela a B, paralela a C, paralela a D.

O-P es a P-Q,
M-N es a N-T,
OP es a PQ como MN es a NT.

A paralela a B,
B paralela a C,
OP es a PQ como MN es a NT.

La bisectriz yo trazaré
y a cuatro planos intersectaré.

Una igualdad yo encontraré:
OP+PQ es igual a ST.

Usaré la hipotenusa.
Ay, no te compliques, nadie la usa.

Trazaré, pues, un cateto.
Yo no me meto, yo no me meto.

Triángulo, tetrágono, pentágono, hexágono, heptágono, octógono, son todos polígonos.

Seno, coseno, tangente y secante, y la cosecante y la cotangente.

Thales, Thales de Mileto
Thales, Thales de Mileto
Thales, Thales de Mileto
Thales, Thales de Mileto

Que es lo que queríamos demostrar.
Queesque loqueloque queriariamos demodemostrar!"


Übersetzung in Deutsch:

"Wenn drei oder mehr Parallelen 
Wenn drei oder mehr Para-le-le-len
Wenn drei oder mehr Parallelen 
Wenn drei oder mehr Para-le-le-len

geschnitten werden, geschnitten werden 
durch zwei Transversalen, zwei Transversalen, 
geschnitten werden, geschnitten werden
durch zwei Transversalen, zwei Transversalen,

Wenn drei oder mehr Para-le-le-len 
Wenn drei oder mehr Para-le-le-len 
geschnitten werden, geschnitten werden, 
geschnitten werden, geschnitten werden
(Zwischenstimmen: "Sind Transversale.") 

Zwei dieser Segmente, 
beliebige zwei Segmente,
zwei Segmente von dieser (Transversale) sind proportional 

zu den beiden entsprechenden 
Segmenten der anderen (Transversale). 

Hypothese: 
A parallel zu B, B parallel zu C, 
A parallel zu B, C parallel, parallel zu D. 
O-P zu P-Q, M-N zu N-T.
O-P zu P-Q (ist) wie M-N zu N-T.

A parallel zu B, B parallel zu C, 
O-P zu P-Q (ist) wie M-N zu N-T.

Ich werde die Winkelhalbierende ziehen 

und vier Flächen erhalten. 
Ich finde die Gleichstellung: 
OP + PQ gleich ST.

Ich werde die Hypotenuse verwenden. 

Oh, nicht so kompliziert, 
verwendet doch niemand.

Ich werde zeichnen, dann die Kathete. 

Da misch ich mich nicht ein, 
misch ich mich nicht ein.

Dreieck, Viereck, Fünfeck, Sechseck, 

Siebeneck, Achteck, sind sie alle Polygone. 
Sinus, Cosinus, Tangens und Sekante 
und Kosekante und Kotangens. 

Thales Thales von Milet
Thales Thales von Milet 
Thales Thales von Milet 
Thales Thales von Milet

Das ist, was zu beweisen war.
 
Dahas ist, was zu beweiheisen war!"

Drachenschmausballade

Es ist ein Tag vor vielen Lenzen als ein Drache mit fünf Schwänzen,
jedoch mit nur einem Kopfe es sich in just denselben setzt,
es täte seinem Stande gut wenn er eine Prinzessin frässe.
Und während er geringelt ruht, vor seiner Höhl ein Herold krächzt
dass im nahen Schlosse hier gibt es ein Turnier um Vier
und jedem Ritter ständ es gut, wenn er dort im Sattel säße.

Der Prinzessin fernes Bild spiegelt sich in mancher Rüstung,
als sie lichtumflossen steht auf des Schlossturms enger Brüstung.
"Ich sag euch, das Turnier beginnt, für Prinzessin Siegelind!
Ihre Hand wird dem gebühren, der weiß die stärkste Lanz zu führen."

Die Ratten in der Speisekammer der königlichen Küche jammern
"Das Königshaus, das ist bankrott, bei uns herrscht bald die Hungersnot..."
Bis eine spricht "Lass uns doch wimmeln, zu den hehren Käsehimmeln.
Bei den Fratern einzukehren, werde ich den Weg euch lehren."

Der Drachen pflückt die Siegelind von des mächt'gen Turmes Zinnen,
er klemmt sie locker untern Arm und flattert übern Tann von hinnen.
Sie rufet Hilfe und vom Auge sieht man ihre Tränen rinnen.
Die Ritter sich zum Retten rotten beim Teiche im Marillengrund,
um Prinzessin Siegelind zu schützen vor dem Drachenschlund.

Die Knappen sehn Karotten mampfend, die Ritter manche Lanze brechen,
weil die Kettenhemdenträger scheppernd sich den Rang erstreiten,
wer den Drachenpelz der Dame morgen darf zu Füssen breiten.
Hernach ihre Rosse dampfend die Lungen aus dem Hals sich hecheln.

Es knattern Fahnen leis im Wind, die Recken rasten müd im Dreck
sie haben keine Lust mehr heute, an dem Tiere sich zu rächen.
Sie bauen Zelte auf dem Fleck und fangen lautstark an zu zechen.
Der Drachen schluckt die Sieglind ganz samtens Kleid und Firlefanz
Als kleine Mahlzeit zwischendrein, so fährt sie in die Echse ein.

Über Berg und grüne Wipfel setzt er seine Reise fort, hungrig ist er, grantig ist er,
und so kehret er nicht heim, denn zu dürren Adelsknochen
noch ein paar fette Mönchelein, in ihrem eignen Saft zu kochen
dazu hat er große Lust, lüstern bläht er seine Nüstern.

Derweil grimm auch Rattenhorden in Reih und Glied die Wege schreiten
hin zum Kapuzinerorden wo die gelben Käse reifen.
Als die Schatten länger fallen, an dem elften Mai des Jahres
und Ratten in die Keller quellen, spricht der Abt den leisen Segen
- auf Käseleib und Quittengeist  -
die der Herr erhälten möge, des mönchlichen Genusses wegen.

Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf, die Schädlingsbrut ernährt sich wild.
Der Abt bekreuzigt sich ganz still und dann exklamiert er "Hülft!"
Der Orden windet sich zur Kette, vom Kellerloch zum Hofe hoch,
wird alles Essbare gebracht und im Fackelschein bewacht.

Der Lindwurm traut den Augen kaum, das Klosterhof ist ein Bankett.
Nicht nur Gottesschaf voll Eifer, auch noch runde Käseleiber.
Die Flamme sanft auf Grill gestellt, schwebt er übers Himmelszelt.
Der Schmaus beginnt und viele Seelen der Herrgott zu sich rufet.

Hörner schallen, Rufe hallen, die Ritter sahn die Feuersbrunst,
so voll wie die Haubitzen, sie zu Pferde sitzen.
Der Drach denkt nach und fliegt aufs Dach
und schnaubt und faucht und lacht und grunzt,
ein verquerer Bissen macht, dass er schnöd erstickt und drauf
auf die edlen Herren kracht von den Kirchturmspitzen.

Der Nachtwind stöhnt, die Flammen prasseln, im Keller noch ein Bruder fröhnt
Er tauft mit klarem Quittenschnaps die Ratten für den heil'gen Papst.
Da fährt der Mephistopheles aus der Hölle auf und höhnt:
"Ich mag dich, du muntrer Bursch, nimm diesen Säbel und dann husch
hinauf. Hinauf, hinauf, entrinn dem Feuer!
In dem starren Drachenleib harret dir ein holdes Weib,
du musst ihn einfach nur zerlegen bis die Dirn sinkt dir entgegen.
Als Preis dafür ich meinem Meister, weihe dies Gemäuer."

Der Brave hackt wie ein Besengter und durch des Lindwurms Schuppen sprengt er,
schneidet sich durch das Gewebe und hofft das Siegelind noch lebe,
Bald hört er die Verschluckte schreien, sie reicht ihm die beringte Hand,
"Sei mein Galan du Drachentöter und regiere dieses Land!"
Mit Schaudern fliehen sie den Ort wo fortan nur die Teufel hausen,
sie leben redlich viele Jahr, gefolgt von ihrer Kinderschar.
Das ist wirklich so geschehn ich erzähl euch keine Flausen.

Sonntag, 31. Mai 2015

Die besten Animes - My Anime Top List - Good Anime

Hier also eine Liste von Animes, die mir gefallen und auch ein bisschen niveauvoller sind als die Masse oder wenigstens nicht so krank:

This is a list of good anime.

Samstag, 23. Mai 2015

The Big Picture: Die Realität

Ganz oft sitze ich da und denke so bei mir wie es wäre, wenn die Realität einen Riss bekäme und etwas Ungeheuerliches daraus hervorquellte oder ich wenigstens die Balken und Schrauben der Konstruktion dahinter sehen könnte. Nun wissen wir ja, dass die Realität subjektiv und relativ ist und es deswegen Quatsch ist, von ihr zu reden, als wäre sie eine Fotografie. Also läuft es wohl eher darauf hinaus, dass man ungeduldig ist mit der allzu gewohnten Umgebung und den sich darin bewegenden Utensilien. Deswegen gibt es auch all die rastlosen Menschen, die unbedingt mit einem Auto von einem Ort zum anderen rasen müssen, nie Zeit haben, planen, Aktivitäten wie am Fließband abarbeiten.

Im Gegensatz dazu blendet man bewusst Tatsachen aus, die sich verändern, weil sie missliebig sind. Um die gewünschte "heile" Realität zu konservieren. Solange es eben geht, bis es nicht mehr geht. Dann genau kann man diesen Realtätsriss unschöner Art erleben, eine schockierende Konsequenz des selektiven Vergessens. Gibt es sie aber, die guten Realitätsrisse, also das, was man landläufig als Glück oder mordsmäßiges Schwein bezeichnet? Das hängt seltsamerweise von der Perspektive ab, was man überhaupt als Glück* erkennt (also nicht ausblendet) und ob man dann daran teilnimmt. An Glück muss man meistens teilnehmen, wie an einer Reise, man muss zumindest ja dazu sagen.

Was aber, wenn man etwas Unerwartetes erwartet, also etwas, von dem man noch nicht weiß, wie man es einordnen kann? Dann muss man recht scharfes Augenmerk daraufhin richten, sonst ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man es übersieht oder wegsieht. Hier gilt es also zu suchen anstatt zu warten. Dann findet man eine Menge kleiner solcher Dinge. Dann zeigt es sich übrigens auch, ob man Geheimniskrämer ist oder ein "Teiler", ob man anderen davon erzählen möchte oder nicht.

Aber es geht ja auch ums eigene Ich und die Selbstwahrnehmung, die Introspektive. Dass man zuerst in sich hineinblickt und danach nach draußen, dass ist die Realität. Und dass das gar nicht so ist, wie man denkt, sondern nur so scheint, dazu braucht es Erkenntnisse und Perspektiven. Dann kommt man irgendwann auf die Idee, das Leben wäre eine groteske Komödie und beginnt an unpassenden Stellen an zu lachen. Und eigentlich bin ich ja schon an diesem Punkt, an dem man sieht, dass die Leinwand nur ein Gewebe voller Löcher ist, eine Menge Seemannsgarn, ein Hirngespinst. Und ist es nicht so, dass ich mich dann gerade wieder in eine scheinbar statische Realität zurückwünsche, dass es mir eigentlich gar nicht um den Wechsel geht, sondern um den Wechsel vom Wechsel? Um den Eintritt ins richtige Leben, so wie man es sich als Kind naiv vorgestellt hat?

Und hier wird ein weiteres Problem sichtbar, ja was hat man sich den so vorgestellt als Kind? Leider nicht so viel konkretes. Menschen die sich etwas konkretes vorgestellt haben, sind später oft damit erfolgreich und/oder zufrieden geworden. Photorealistische Menschen, authentische Bilderbuchmenschen, die das Leben als eine stabile Konstruktion begreifen, werden als erfolgreicher wahrgenommen, ihr Leben hat einen "roten" Faden. Menschen, die Löcher und Risse im Gewebe ihrer Realität sehen, deren Leben und Vision ein Flickenteppich ist, haben es schwieriger. Manche schaffen übrigens den Wechsel vom Patchwork zum großen Bild des Lebens mit dem roten Faden, der als Lesezeichen oben herausguckt. Indem sie kurz die Augen schließen und einen Schritt zurücktreten. In diesem Sinne noch einen schönen Tag.

*Auch für das Unglück gilt: das ist es nur, wenn man es so empfindet.

Montag, 19. Januar 2015

Yellow Umbrella "NO PEGIDA" Song Lyrics

Da ich im Internet keine Lyrics zum "No Pegida"-Lied von Yellow Umbrella, Ronny Trettmann und Tiny Dawson gefunden habe, möchte ich diese hier zur Verfügung stellen. Alle Rechte und Inhalte gehören den oben genannten.



"No PEGIDA!

Pegida, Legida, mal im Ernst ihr tut mir leid,
ist es wirklich der Islam, der euch auf die Straße treibt?
Ich muss euch nur einmal seh'n und weiß sofort Bescheid,
euch reitet Angst, Ignoranz und simpler Futterneid!
Schaut euch doch mal um, müsst ihr euch nicht fragen,
links von euch nur Menschenfeinde, rechts braune Kameraden.
Euer ganzer Mob samt euren Hasstiraden,
erinnern mich an Hoyerswerda, Mölln und Lichtenhagen.

No, nononono, no Pegida!

Ihr habt schon recht, ihr seid das Volk und das ist das Problem,
wenn ich wieder mal im Westen spiel, muss ich mich für euch schäm'n.
Dort wo's Volk mal helfen kann, macht ihr euch's bequem,
ich hab schon dran gedacht, mir das säggsch abzugewöhn.
Ich appellier an jeden, der in euern Reihn noch denkt,
was ist los mit euch, warum seid ihr so faktenresistent?
Euer ganzer Hass vergiftet unser Klima,
von Elbflorenz bis LPZ wir sagen No Pegida!

No, nononono, no Pegida!

Hört nicht auf die Brandstifter, fürchtet kein Kopftuch,
macht den Fernseher aus und lest doch mal 'n Buch.
Wir grüßen jeden Moslem in unserm Heimatland,
der Feind steht ganz woanders und setzt unser Haus in Brand.
Wir brauchen keine radikalen inhumanen Spinner,
wir alle wissen Glaubenskrieg kennt keine Gewinner.
Ihr macht mir wirklich Angst mit euern Deutschlandfahnen,
wo wart ihr als die vom NSU gemordet haben?

Glaubt ihr, dass einer von euch ein größ'res Auto fährt,
wenn man in Berlin das Asylgesetz verschärft?
Mal wieder lauft ihr blind und stumpf den Falschen hinterher,
aber nicht mit uns, Leipzig, Dresden stellt sich quer!
Wir solln unterscheiden zwischen Bürger und Rassist,
dann unterscheidet bitte zwischen Moslem und Islamist.
Euer ganzer Hass vergiftet unser Klima,
von Elbflorenz bis LPZ wir sagen No Pegida!

No, nononono, no Pegida"

Donnerstag, 15. Januar 2015

Die Marketingstrategie von PEGIDA

Dies soll eine reine Analyse sein und keine Wertung. Ich finde die Strategie von Pegida interessant und möchte sie deshalb offenlegen. Immerhin hat Pegida-Gründer Herr Bachmann eine PR-Agentur, Herr Kubitschek einen Verlag und die inzwischen ausgeschiedene Frau Oertel ist Wirtschaftsberaterin. Ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit der Analyse überhaupt, immerhin habe ich mich mit einer Werbefachfrau zusammengesetzt. Was natürlich immer vorkommen kann ist der Effekt, dass etwas von außen geplant wirkt, sich in Wirklichkeit aber einfach so ergeben hat (so entstehen unter anderem auch Verschwörungstheorien). Ich war selbst bei keiner der Demonstrationen, sondern habe sie nur über ruptlytv verfolgt (ein Russia Today-Sender, RT ist das Propagandamedium der Putin-Regierung). Was sind nun also die Werbestrategien von Pegida? Gehen wir sie mal Punkt für Punkt durch:

  • Absichtliche Ignoranz: Eine Eigenschaft des Menschen, die Pegida überhaupt erst möglich macht. Offensichtliches wird ignoriert, ob Gefahr oder Verletzung der Moral, um weiterhin zur Gruppe zu gehören, in eine Gruppe aufgenommen zu werden oder einfach wegen eines kleinen Vorteils (dann nennt man es auch Korruption). So wird das Schicksal von Ausländern ignoriert, um sich "deutsch" zu fühlen. Dieselbe Ignoranz ermöglicht aber z.B. auch Massentierhaltung und Billiglohnarbeit.
  • Beeinflussung: von Polizei, Politikern und Prominenten. Versuchen kann man es ja mal. Diese werden im besten Fall zu Multipliaktoren und Lobbyisten.
  • Elitegefühl: Jeder möchte gern etwas besonderes sein. Das Elitegefühl wird in Reden speziell vermittelt. Und wenn man sich einfach nur versammeln muss, um die Elite Deutschlands zu sein, wie praktisch.
  • Erzfeind: Der Islam, besonders muslimische Asylanten. Für Steve Jobs gehörte der Erzfeind zu jeder guten Präsentation. Weitere Feinde sind: Regierung, Presse, Geheimdienst. Es werden auch imaginäre Feinde erschaffen, etwa die "Asylindustrie". Die Beseitigung der Feinde ist das Allheilmittel für die Gesellschaft. Vom Erzfeind zum Sündenbock ist es nicht weit.
  • Eventmarketing: Besonders interessant ist die Benutzung des gewaltfreien Protestes und der Meinungsfreiheit zur Verbreitung unfriedlichen Gedankengutes. Kleine, aber viele Events erzeugen den Eindruck tatsächlich nicht vorhandener Größe. Durch Reiz- und Schockthemen bekommen auch kleine Events ein großes Medienecho und Gehör bei der Politik und so gelingt es, wie bei der 68iger Studentenbewegung, einer Minderheit, die Mehrheit zu beeinflussen.
  • Exklusivübertragung: der kompletten Demonstrationen durch den russischen Sender RT im ersten Jahr. Diese offene Unterstützung von Pegida durch Russland war besonders fragwürdig und interessant. Inzwischen hat Pegida seine eigenen Livestreams und RT die Übertragungen eingestellt.
  • Fokusgruppe: Die Demonstranten jeder Demonstration geben ihre Ideen und Wünsche an Pegida und verbessern so das "Produkt".
  • Heimlichtuerei: Den Medien und Konsumenten werden nur kleine, anregende Informationshappen verabreicht. Das machen Filmstudios etwa mit Trailern. Man gibt sich verschlossen (seltene oder keine Interviews und Kommentare) und erzeugt dadurch Interesse und eine Sogwirkung. Es wird der Wunsch erweckt, das große Ganze zu sehen. Auch die Demonstrationen wirken als Trailer für die Kundgebungen, die dann wie Hauptfilme sind.
  • Ideen-Kidnapping: Ideen und sehr unterschiedliche Forderungen der Demonstranten werden der eigenen Strategie einverleibt und untergeordnet bzw. beides miteinander verknüpft: "Waffenhandel sorgt für Flüchtlinge" (stimmt übrigens). Taktiken und Symbole von radikalen Linken und Bürgerrechtlern werden kopiert.
  • Katastrophen: katastrophale Zustände werden prophezeit. Dies ist typische Sekten-Taktik.
  • Kundenkontakt: Der neugierige Bürger wird während der Demonstration im direkten Gespräch und über Ansprachen überzeugt.
  • Kurzes und deutliches Konzept: Einen 6- oder 10-Punkte Plan kann sich jeder merken.
  • Manipulation: Es gibt vielfältige Methoden, bei der Pegida besonders beliebt ist die Methode "Wer dreimal die Wahrheit sagt, dem kann ich auch weiterhin vertrauen" sowie auch das partielle Ausblenden. So werden Argumentationsketten mit wahren Fakten begonnen und später mit Behauptungen, Pauschalisierungen und Polarisierungen fortgesetzt. Oder es werden aus Fakten falsche Notwendigkeiten abgeleitet, die ebenfalls als undiskutabel gelten sollen. Ein Beispiel wäre: "Die Ausländer begehen Straftaten und müssen deswegen das Land verlassen". Hier gibt es einen Fakt "Ausländer begehen Straftaten", eine Ausblendung "Deutsche begehen genauso Straftaten", eine Pauschalisierung "die Ausländer" und eine abgeleitete falsche Notwendigkeit "müssen das Land verlassen".
  • Markenname: Einprägsam, da durch Vokale gut aussprechbar und kurz.
  • Marktforschung: Im Osten Deutschlands herrscht eine besondere Paranoia vor Ausländern, vermutlich wegen der 40-jährigen Isolation. Thilo Sarrazins Buch hat zudem gezeigt, wie groß der Markt ist.
  • Marktgestaltung: Der Markt, der bedient wird, wird zum Teil selbst geschaffen. Im Fall der Pegida sorgt dafür unter anderem der Verkauf von Angst- und Paranoialiteratur aus dem Kopp-Verlag.
  • Mundpropaganda: Hierher gehört die Tupperware-Taktik "Jeder bringt einen mit". Aber auch "Augenzeugenberichte" (Testimonials) und Gespräche, die mit "Ich hab ja nichts gegen Ausländer...", "Hast du die Ausländer gesehen..." oder "Ich habe gehört, dass die Ausländer..." u.ä. beginnen.
  • Opferrolle: Durch den Erzfeind wird man zum Opfer gemacht. Besonders gern wird schützenswertes emotional präsentiert: Kinder, Kultur, Heimat. Vom Opfer zur Elite wird man durch Erkennen und Handeln. Dabei wird ausgeblendet, dass der Erzfeind durch das Handeln ebenfalls zum Opfer werden kann oder vielleicht bereits ein Opfer ist. Einen Feind, der in Wirklichkeit bereits ein Opfer ist, bezeichnet man auch als Sündenbock. Immigranten und Religionsgemeinschaften sind traditionelle Sündenböcke.
  • Outsourcing: Lossagung von Pegida-Ablegern, die nicht mehr ins Profil passen. Verdeckte Zusammenarbeit und Wiedereingliederung bleibt jederzeit möglich.
  • PR: Werbung in Talkshows (Günter Jauch) und öffentlichen Diskussionsforen (SLpB).
  • PR-Abteilung: Eigene "wahrheitsgetreue" Medienkanäle werden im Internet etabliert, in denen gerne Falschmeldungen verbreitet werden. Fakten der Mainstream-Medien ("Lügenpresse") werden als Meinungen hingestellt.
  • Paranoia: Bedrohungen werden übertrieben (Islamisten) und Angst vor Gegnern wird erzeugt (Antifa). Dafür werden aktuelle Beispiele ausgenützt (Charlie Hebdo in Paris, MOPO-Anschlag in Hamburg, Straftaten von islamistischen Tätern). Die Benutzung von Beispielen zur Verallgemeinerung und Pauschalisierung bezeichnet man im Englischen als "Cherry picking". Die Strategie der Verunsicherung benutzen auch Versicherungen, natürlich in anderem Kontext.
  • Pauschalisierung: Generelle Einteilung von Menschengruppen ("die Ausländer") ohne Differenzierung. Wird auch oft gemacht, ohne dass sich jemand daran stört, siehe "Hipster" oder "Generation Y" und ist in der Werbewelt gang und gäbe, siehe Zielgruppe. Die Gefährlichkeit liegt also nicht in der Pauschalisierung selbst, sondern in der Absicht dahinter. Ein lustiger Kommentar dazu hier.
  • Polarisation: Erzeugung einer zwickmühlenartigen Schwarzweiss-Mentalität, dafür oder dagegen sein. Dies hilft bei der Identitäts- und Gruppenbildung und stellt eine Vereinfachung der Wahlmöglichkeiten dar.
  • Produkt: Sicherheit durch einfache Lösungen für ältere Kunden. Aufbruch und Wechsel für jüngere Kunden. Ein flexibles Produkt sorgt für die Erfassung einer grossen Zielgruppe durch dehnbare Forderungen.
  • Produktkonzept: Friedliche Bürgerbewegung ohne direkte Führungsfigur. Es ist auch nicht falsch, sich an dieser Stelle mal über den Begriff "Astroturfing" zu informieren. Ein Bericht über die Entstehung von Pegida findet sich hier
  • Produktfamilie: Legida und andere -gidas dienen dazu, flexibel auf die örtlichen Probleme der Menschen einzugehen. Kontakte und Netzwerke zu anderen rechten Gruppierungen.
  • Produktvergleich: Die Fehler der Konkurrenten werden aufgezeigt, man selbst wird dadurch erhöht. Die eigenen Fehler werden ausgeblendet. Dem Konkurrenten wird vorgeworfen, genau das zu tun, was man selber tut (Lügen, Gewalt, Wahlfälschung, Erpressung etc.)
  • Prominente: wie etwa Alice Schwarzer, Thilo Sarrazin oder Ralph Giordano werden zitiert.
  • ROI: Reden-ohne-Inhalt bzw. Texte, die ausschließlich eine psychologische Verführung im Sinne haben, sind das Arbeitsfeld eines jeden Werbetexters. Sie können aber ohne weiteres auch als Aufputschmittel, etwa bei einer Kriegserklärung oder bei Demonstrationen, dienen. In diesen Reden werden hauptsächlich Emotionen angesprochen, sie sind aber auch gern gespickt mit historischen Fakten (Tradition), unbewiesenen Behauptungen, Polarisierungen und Pauschalisierungen.
  • Schock: Beleidigung von Politikern und Medien und Ausloten von Tabugrenzen (Nazithematik) zur Vergrößerung des Medienechos. Bei Klaus Kinski hat das Beleidigen der Presse zum Beispiel prima funktioniert, verschiedene andere Stars vergrößern ihre Wahrnehmung durch schockierende Outfits oder unsittliche Provokation. Wie gründlich die beiden Konzepte Heimlichtuerei und Schock aufgegangen sind, zeigt zum Beispiel dieser Kommentar. Sie sind auch das Rezept für Filmgenres wie Krimi, Thriller und Horror.
    Weiterhin werden Straftaten wie das Anzünden von Häusern gebilligt oder heruntergespielt und Journalisten und Unbeteiligte tätlich angegriffen oder beleidigt. Verbaler und tätlicher Terror beeindruckt die Anhänger und verängstigt die Gegner.
  • Social Media: Besonders Facebook, aber auch Youtube.
  • Sprache: Einfach, direkt und emotional, entsprechend Hitlers Rezepten. Eine wichtige Rolle spielen Wiederholungen und vorgefertigte Schwarz-Weiss-Bilder, die kein Nachdenken mehr benötigen.
  • Timing: ? Alles hierzu wäre Spekulation.
  • Tradition: Bekanntes wird verwendet, dazu gehört Göbbels "Lügenpresse" oder das Leipziger "Wir sind das Volk" (bedeutet auch gleichzeitig unterschwellig: wir sind die Mehrheit).  Das hilft bei der emotionalen Bindung. Bei Göbbels wird sich im Übrigen nicht nur wortweise bedient, sondern auch im thematischen Aufbau von Reden.
  • Verkapselung: Rechtlich bedenkliche Meinungen werden in zitierfähige Sprüche eingekleidet. Eine Einführung dazu hier. Wichtige Mittel sind hier Euphemismen (schönfärberische Umschreibungen, die Bemühung um genau die politische Korrektheit, die gleichzeitig bekämpft wird), Dyphemismen (abwertende Begriffe wie "Regime" für Regierung), Transformationen (sowohl Umdeutungen wie "Linksfaschisten" als auch Zweckentfremdungen von Zitaten und Slogans) und Humor.
  • Wertschätzung und Verständnis: Der Kunde fühlt sich am richtigen Platz, an dem seine Probleme gehört und gelöst werden. Letztendlich soll der Kunde ja auch freiwillig dabei sein.
  • Wiederholung, Mantras, Rituale: Jeden Montag, immer die selbe Strecke gehen, immer die gleichen Slogans. Dient der Identitätsbildung einer Gruppe. Rituale, Prozessionen und Ansprachen sind auch Teil vieler Religionen.
  • Wir-Gefühl: wie in einem Verein verteibt regelmäßiges Treffen und Geselligkeit die Einsamkeit.
  • Ziel: Rechtskonservative Lobbyarbeit für verschiedene Parteien und Vereinigungnen. Verbreitung einer diffusen Athmosphäre der Angst, die Ausländer aus Deutschland fernhält. Gründung einer eigenen Partei und Aufstellung von Kandidaten zu Regionalwahlen. Abschaffung der Parteiendemokratie. Abspaltung des Bundeslandes Sachsen.
  • Zielgruppe: sind alle Nichtwähler und Politikverdrossene.
  • Zielort: Dresden ist mit seiner konservativen Prägung der perfekte Austragungsort.
Das soll nur eines klarstellen: Pegida ist ein Produkt und Politikverdrossene aller Ausrichtungen sind die Konsumenten. Eine Analyse der Rhetorik von PEGIDA findet man hier.

Freitag, 28. November 2014

Ein LaTeX Master-File für die Dissertation oder Masterarbeit - A LaTeX master file template for your thesis

This is the LaTeX master file from my thesis. At least one year of online research went into it. Have fun using it as a template and save time! I used MiKTeX and TeXnicCenter.

Das ist das LaTeX Master-File meiner Doktorarbeit. Wenigstens ein Jahr Online-Recherche steckt darin. Habt Spaß und spart Zeit! Ich benutzte MiKTeX und TeXnicCenter.

Times New Roman Version

Helvetica Version

And this is what the result looks like. Und so sieht meine Arbeit damit aus (Times New Roman).

Mittwoch, 12. November 2014

Verschwörungstheorien

Man sollte bei verschwörungstheoretischen Dingen immer mehrere Möglichkeiten betrachten. Man kann unter anderem eine Perspektive von oben (jemand mächtiges hat etwas geplant) und eine von unten gegenüberstellen (die Dinge haben sich, aus komplexeren Gründen, so ergeben). Es ist zu einfach und trügerisch, sich vorbehaltlos nur einer Seite zu überlassen. Nach zwei eher harmlosen Einsteigerbeispielen komme ich dann gleich zu 9/11.

Ein Beispiel wäre die geplante Verdummung der Bevölkerung durch die Medien (wie im Film "Free Rainer" diskutiert) gegenüber dem freiwilligen Konsum von süchtigmachenden, aber inhaltslosen schnellen und bunten Bilderfolgen mit entsprechender Tonuntermalung.

Ein anderes Beispiel wäre die geplante Vermehrung inhaltsloser Jobs (Broker, PR-ler, Anwälte, Verwalter, Berater etc.) zur ähnlichen Sedierung der Massen, mit dem positiven Nebeneffekt, dass man erfüllendere produktive Jobs schlecht bezahlen kann. Demgegenüber könnte man behaupten, daß dies eine Art Entropieeffekt ist, der durch Gewinnmaximierung entsteht, weil man immer mehr Leute braucht, die vermitteln, stimulieren, koordinieren, beobachten, bewerten, aufpassen usw., da bei der Produktion nur noch wenig heraus zu holen ist und der Bedarf für eine bestimmte Sache endlich.
 
Bei 9/11 kann man auch zwei Seiten sehen. Hat die Bush-Regierung wirklich alles selbst geplant und umgesetzt? Oder, wenn Manning und Snowden so einfach an so zentrale Geheimnisse der US-Regierung kamen, ist es dann nicht auch möglich, daß dies den entsprechen Saudis und vor 9/11 auch gelungen ist und sie so die Pläne für die Luftwaffenmanöver an diesem Tag stahlen?
Dann wäre 9/11 "nur noch" die grösste und peinlichste vertuschte Maulwurfaktion der US-Geschichte. Peinlich besonders, weil das saudische Öl so wichtig für die USA ist. Ein schöner Artikel dazu auch hier
(Und auch bei ISIS führt die Spur nach Saudi-Arabien.) Den größten Gewinn an 9/11 hat übrigens die US-amerikanische Firma "Deutsche Bank Alex. Brown" durch Wetten auf den Fall der Aktien der Fluglinien American Airlines und United Airlines eingefahren.

Dass es immer mal wieder Verschwörungen von Regierungen gegen das eigene Volk gibt, die sich tatsächlich als wahr herausstellen, macht die Sache nicht einfacher. Um so wichtiger ist es, streng logisch und vor allem mehrgleisig zu denken. 

Dazu noch ein kleines aktuelles Beispiel. Zur Zeit wird viel darüber spekuliert, für welchen Geheimdienst J. Epstein und G. Maxwell wohl gearbeitet haben. Was aber, wenn die "Epstein Company", wie ich sie mal nennen will, selbst ein privater Geheimdienst war, welcher seine Informationen an Interessenten verkauft hat?