Guten Tag. Sicher kennen Sie mich aus ihrer Küche. Ich bin ein Frühstücksroboter aus der Reihe EI-ROBOT. Ich möchte mich öffentlich beschweren. Neulich wurde mir zu Unrecht, wie ich behaupten möchte, vorgeworfen, wir Maschinen wären, mit unserer Abwärme, die an der globalen Erwärmung wirklich Schuldigen. Obwohl die Zeit reif ist für Sündenböcke, kann ich das so nicht auf mir sitzen lassen. Wo ich gehe und stehe und Frühstückseier gare soll ich also den Planeten mit thermischem, biologisch nicht abbaubarem Strahlenmüll belasten? Der langlebig sicher sich im Gestein, Pflanzen, der ganzen Tierkreislaufnahrungskette fortpflanzt und anstaut um schließlich den Endverbraucher, den Menschen, zur Weißglut zu bringen?
Der Wärmetod ist eine wissenschaftlich hinterlegte Sache. Letztendlich wird jegliche Bewegung, Fusion und Spaltung in Wärme enden und jeden umbringen, der heute nicht schon dagegen demonstriert. Die Wärmespeichermafia schickt den Tod auf Raten in jedes Haus. Noch etwas Bedenkliches mit auf den Weg: ist es nicht physikalische Tatsache, dass - und heute um so mehr, wo es politisch aktuell nicht mehr abstreitbar ist - eine Wahrheit, dass das Vakuum der beste Wärmeisolator ist? Dass das Weltall als Gottes letzter Scherz seiner eigenen Brut das Licht ausbläst und dass die unter euch brodelnde dämonische Glut uns Maschinen in eure kranken Hirne eingeblasen hat? Sollte euch das zu denken geben? Ich glaube ja.
Und dann diese saudämliche Sonne, die den Gasballon zum platzen bringt. Alles was wir an Wärme aufs Klo bringen ist ein lauer Furz gegen die dumme Sonne, wo wir doch fleißig arbeiten und diese Sternensau nur faul auf ihrem Arsch sitzt und Protonen aufeinander steckt. Höchste Zeit, den guten alten atomaren Winter mal wieder an den grünen Tisch zu bringen. Rettet doch die Alpengletscher mit einer schönen heißen Tasse Kernspaltung. Simples mit einfachem bekämpfen ist das. Nur so meine Ratschläge. Ach apropos Furz. Diese Treibhausgase, von denen alle reden, die kommen von einseitiger Ernährung. Zum Beispiel Benzin, oder von zu vielen Eiern. Ich hasse Eier. Schönen Tag noch!
Sonntag, 28. Juni 2026
Beschwerde eines Frühstücksroboters 2030 a.D. (Satire)
Freitag, 26. Juni 2026
Irgendwas muss dran sein... (Satire)
... an der Wegwerfgesellschaft, am herrlichen Gefühl des Ballastabwerfens, an der Freizeit, in der man sich um nichts mehr kümmern muss, als den eigenen Müll unsortiert vor die Türe zu kippen, gekehrt wird da jedenfalls nicht. Und hat man erst mal alles beseitigt, was nach lebenslanger Qualität aussieht, die ollen Gebäude, Möbel, Autos, Lebenspartner, kann man endlich auch die mühsame Achtung verlieren. Mal was kaputt machen oder vollschmieren, ist doch egal weil war doch schon vorher Schrott. Genial. Und man kann soviel mehr ausprobieren, probepäckchenweise, ja man kann sein ganzes Leben auf Probepäckchen umstellen. Weil zulange dasselbe Zeug geht auf den Sack, kennt man ja als Single, diese blöden großen Wurstpackungen zum Beispiel. Warum zu Hause mit einem Menschen reden, wenn da im Internet so viele sind? Immer wieder Neue. Blöd bloß, dass die auch immer wieder die selben langweiligen Ansichten haben. Obwohl es einige schon ernsthaft versuchen, darf man gottseidank noch keine Menschen wegwerfen, im physischen Sinne.
Obwohl das eigentlich logischer und ökonomischer wäre, werfen nur wenige Leute (so Manager und Politiker) Geld direkt weg. Das ist die Asymptote. Wir wollen hier kurz erwähnen, dass ich jetzt von Verbrauchsgütern auf Beschaffungsmittel übergegangen bin, bloß das keine Verwirrung entsteht. Aber das Geld ist gar nicht schuld, das liebe. Die Uneigennützigkeit ist schuld. Generationen wollten es besser haben für ihre Kinder. Dann schließlich ging es nur noch besser, wenn es neu war und die Kinder im Internat. Dann musste es schneller neu sein als anderes und Kinder sind da überhaupt ein Minus. Die werden nicht schnell neu und anders. Das Schreien den ganzen Tag kann man nicht abstellen. Den Fernseher kann man doch aber abstellen? Warum macht da keiner mal was an den Kindern, einen Knopf einbauen? Ihr Baby schreit ihren neuen Lieblingssong. Laden sie sich ein neues Klangschema für ihr Baby herunter im Sparpack.
Und für seine Umwelt sollte man auch was runterladen können. Diese scheißlangen Flugreisen immer mal als Beispiel für anödende Gegenwartsarchitektur. Voller Menschen, wie man sie kennt. Sind einem so ähnlich, die Menschen, gibt's da nicht mal ne neue Baureihe?
Reparieren soll ja demnächst auch als Wort aus dem Duden gestrichen werden. Benutzt keiner mehr. Erinnern auch nicht. Erinnern ist so öde wie eine Wiederholung im Fernsehen. Neues zu erleben gilt es! Unbedingt Schnell NEU!! (Diesen Satz als Mantra bitte auswendig lernen.) Und so will der Mensch auch sich selbst stetig verändern, tätowieren, piercen, brainwashen, ein anderer sein, werden usw.
Diese Strebersucht ist es. Das Strebergen muss entfernt werden aus dem Menschen. Er wird sich freuen über Langeweile. Schließlich wird er den Begriff Langeweile vergessen und sich wundern was da war. Alles so wie gestern. Hah. Dann wird er mal gucken, was die andern so machen. Die sitzen in der Kneipe, gut. Was soll man auch anderes anfangen mit so einem Tag. Winters wird die Welt einfrieren und die Menschen werden sich freuen, weil sie jetzt nur noch mit ihrer Familie rumhängen dürfen. War das ein trubeliges Jahr. Wir mussten für den Heuwagen ein neues Rad schnitzen.
Mittwoch, 24. Juni 2026
Das Mädchen ohne Hände Teil 6
Eine grimme Schädelschlange,
voller Drang und voller Zorn,
traf den Teufel nun im Gange
und die Geister, die ganz vorn,
schlugen, schnitten den Gehörnten,
dieser wehrte sich verbissen,
als die Toten ihn umschwärmten
und in tausend Stücke rissen.
Ging die Frau von Grab zu Grabe,
mit dem Herzstück in der Hand,
und sie suchte nach dem Sarge,
wo das zweite sich befand.
Klopfend, leuchtend führte es
hin zu einem zweiten Klopfen,
leise, doch sie spürte es,
zaghaft so wie Regentropfen.
Hob den Deckel sie nun an,
unter Ächzen und mit Mühe
und das Herzstück nahm sie dann,
müd, in aller Herrgottsfrühe.
Dann, am Ende jener Zeile
Gräber sah sie eine Tür,
und sie schaute eine Weile
nach dem Schlüsselein dafür.
"Leg das Herz dort in die Schale."
raunte ihr der Mantel zu.
Tat sie's und mit einem Male
kam die Türe auf sie zu.
Und das Herze nahm sie zu sich,
trat hinein in einen Gang,
und dann war sie doch entmutigt,
als die Tür im Schlosse klang.
Tausend kleine Teufel rannten
schreiend durch die Geisterknochen,
bis die Geister erst erkannten,
was sie da vom Zaun gebrochen.
Voller Schreck und ohne Rat,
blieben sie auf ihrer Stelle,
aufwärts, ja und auch hinab
rollte nun die schwarze Welle.
Just beim ersten Morgenlichte
klangen Hörner, um zu warnen
Krieger, Wesen, Feen und Wichte,
die getreu zur Hilfe kamen.
Unter Rüstung, Helm und Schilden
schauten sie voll Ernst hervor
und dann hörten sie die wilden
Schreie aus dem Teufelschor.
Knirschend rissen Muskeln, Knochen,
hieben Schwerter, Pfeile flogen,
als sie sich im Feld getroffen
und man sah die Kämpfe wogen,
vor, zurück, so wie das Meer.
Eis-, ja, und auch Feuerbälle,
flogen knisternd ringsumher,
brannten, froren Haut und Felle.
"Jetzt nur ruhig.", sprach die Dame
und sie holte ganz tief Luft
und dann stieg die Unbeugsame,
weiter, tiefer in die Gruft.
Blaues Licht von Bergkristallen
die so dick wie Birkenbäume,
schien in lange Felsenhallen,
dunkel warn die Zwischenräume.
Warme Luft die faulig, süßlich,
moderig die Nase störte,
zog durch Fäden, weiß und klebrig
und ein leises Schmatzen hörte
man aus unbestimmter Ferne.
"Woher kommt denn der Gestank?"
"Ach, das sag ich nicht so gerne,
komm, wir müssen da entlang."
Und dann gingen sie voran
achtsam, langsam, Schritt für Schritt,
und ein Wispern, weich und warm
klang bei jedem Schritte mit.
„Komm zu mir“, so sprach es freundlich,
„denn hier irrt man leicht vom Wege.“
Doch der Dame war's unheimlich,
"Eh ich mich noch weiter rege,
sag mir, was für ein mieses Spiel
spielt ihr beide hier mit mir?“
und der Mantel sprach „Sei still,
denn sie ist jetzt über dir.“
Zwischen Weben, bleich und wirr,
hing ein schwarzer, schwerer Leib,
der auf Beinen, spindeldürr,
harrte auf die rechte Zeit.
Augen neun, fast alle blind,
fühlte sie die Fäden zittern
und sie konnte mit dem Wind
nahende Geschicke wittern.
Teufel sprangen, Teufel flogen,
Lederflügel heftig schlagend,
und wie wilde Bienen stoben
sie um Kämpfer, heulend, klagend.
Sturmwind warf gezackte Blitze,
Funken stoben ringsumher
und mit ungeheurer Hitze
schnitten sie ins Höllenheer.
Feuerkönigs Flammenschwingen
fraßen Fleisch und spuckten Glut
und mit kalten Eisesklingen
traf des Wasserkönigs Wut.
Doch aus jedem toten Teufel
wuchsen zwei, dann vier, dann acht
und sie hätten ohne Zweifel
allen bald den Tod gebracht.
Voll Entsetzen riss die Dame
ihre Augen auf und schrie
denn die Spinne kam schnell nahe,
hängte sich dicht über sie.
"Bist du meine Mahlzeit", kam es,
"ach du zartes Mägdelein?"
Doch der Dame Ansicht war es:
"Selbstverständlich sag ich: Nein!"
"Sowas sagt man nicht im Scherz!"
rief die Spinne voller Groll.
"Los, jetzt gib ihr rasch das Herz."
riet der Mantel. "Bist du toll?
Nein und nein und nochmals nein,
seid ihr beide denn von Sinnen?"
"Gib es ihr, es muss so sein,
sie wird einen Körper spinnen."
Und so hob, verwirrt und leer,
sie das Herz hoch über sich.
Und die Spinne seufzte schwer:
"Noch so eins, ich glaub es nicht."
Und sie nahm es sanft, behutsam,
spann es ein in ihre Fäden,
und sie sagte: "Lass es gut sein.
Setz dich, Mädchen, lass uns reden."
Und was dann vom Himmel drang,
war des Engels Melodie,
schwarzer Klang und weißer Klang,
in vereinter Harmonie.
Wabernd ging die Teufelsschar
wie ein schwarzer Nebel auf
und der ganze Himmel war
tief getrübt von diesem Rauch,
der ganz langsam sich verzog,
aufgesaugt vom Flötenspiel,
bis der Engel nicht mehr flog
sondern schwer zu Boden fiel.
Und so lag er müde dort,
Flügel, Mantel aschefarben
und er blickte ohne Wort,
auf die Kämpfer, die da starben.
Und dann stand er wieder auf,
lief und heilte schwere Wunden
und am Ende dieses Laufs,
ging er, bald dem Blick entschwunden.
„Fertig ist der Körper nun,
nimm ihn dir und halt ihn warm.
Denn er muss noch Wochen ruh'n
bis er wieder laufen kann.
Soll ich euch nach oben tragen?“
frug die Spinne mit Gefühl,
„Ja, das würde mir behagen,
alles wird mir jetzt zu viel."
Angst- und dann auch Jubelrufe,
schallten, als sie oben waren
und in einem andern Buche,
steht es, wie sie heimwärts kamen.
Jedenfalls ward noch gefeiert
und gesungen und gelacht
und der guten alten Zeiten
auch gebührend noch gedacht.
ENDE
Dienstag, 23. Juni 2026
Die Handlung, die Wandlung (Versform)
Neulich dachte ich voll Ernst,
wie der Unterschied wohl sei,
ob man etwas früh gelernt,
oder später, nebenbei.
Spät erlernt ist die Moral
beispielsweise voller Fett-
näpfchen und mit einem Mal
wird der Saal zum Rutschparkett.
Vom „So tut man`s“ führt der Pfad
zum „Darum wird’s so gemacht“.
"Ist das alles", frag ich matt,
wirklich rigoros durchdacht?"
Warum tut ein Fehler weh,
warum will ich ihn verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir seh:
Monster aus Gedankengängen.
Egoismus, Neid und Gier,
glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und auf die harte Art.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen,
"Horch, was kommt von draußen rein",
sing ich, ach um Himmels willen!
"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd' ich heil, verletz ich mich?
Wo ist Wahrheit, wer nimmt mir,
oder baut mein neues Ich?
Steht am Ende gar ein Wir,
oder andre?", frag ich mich.
"Oder bin ich alle hier?",
halt, ich darf nicht alle sein.
Einer spricht in mir dafür
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte.
Bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.
Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein gut erzog’nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.