Mittwoch, 3. April 2024

Die Leierei

Es war ein mal ein Geier,
der spielte seine Leier
Das hörte dann ein Reiher,
der saß im Reiherweiher.

Bald war es für den Reiher
genug der Geierleier
Er sprach "Ei, deine Leierei
verursacht bei mir Reiherei!
und das ist mir nicht einerlei,
denn ich leg grad ein Reiher-Ei."

Der Geier sprach darauf "Auweia,
ich üb' für eine Geierfeier
und was wär eine Geierfeier
denn ohne einen Leiergeier?"

Darauf der Reiher krächtzte "Ei,
ich wusst nichts von der Feierei.
Nur, könntest du nicht leiser leiern?
Sonst muss ich mich hier heiser reihern."

So übte nun der Geier leise
seine Geierleierweise.
Und der Reiher schlief dann bleiern
ein auf seinen Reihereiern.

Abends sank der Nebelschleier 
leise auf den Reiherweier
und der fleissg'e Leiergeier 
flog zu seiner Geierfeier.


Melancholische Lieder

Hier eine Liste von melancholischen Songs. Manche davon sind auch ein bisschen rockig.

The Mission: Kingdom Come (Forever and Again), Butterfly on a Wheel
Echo and the Bunnymen: Killing Moon
Cultured Pearls: Silverball
The Hollies: He‘s my Brother, he aint heavy
ABBA: Chiquitita, Happy New Year
Last/Zamfir: Einsamer Hirte (Lonely Shepherd)
Metric: Breathing Underwater, Youth without Youth
Placebo: Slave to the Wage 
Donkeyboy: Ambitions, Caught in a life
Silversun Pickups: The royal we, Growing old is getting old
Sia: Chandelier, I’m still here
Robyn: Indestructible 
Fragma: You are alive 
Garbage: I am milk
Depeche Mode: Halo, Walking in my shoes
New Order: True Faith
Tears for Fears: Mad world
The Cure: Same deep water as you
Mecano: Un año mas, Es no serio en cementerio
Dominique A: Immortels, Monochrome 
The Beatles: Eleanor Rigby
Don McLean: Vincent
Simon and Garfunkel: Sound of Silence
David Bowie: Absolute Beginners
Pink Floyd: Comfortably Numb
Wolfsheim: Kein Weg zurück
Heart: These Dreams
Richard Marx: Hazard 
Nelly Furtado: I´m like a bird 
Zoe: Luna
Jesse Sykes & The Sweet Hereafter: The Dreaming Dead
Lana del Rey: Dark Paradise 

Montag, 19. Februar 2024

Das Kernproblem

Ich möchte hier kurz über das Kernproblem vieler psychischer Probleme sprechen, wie es von Dr. Laurence Heller und Dami Charf erklärt wird.

Also das Kernproblem ist, dass sich Kinder beim Aufwachsen eventuell entscheiden müssen zwischen der Bindung an ihre Bezugsperson und ihrer eigenen Entwicklung. Das Kind wird sich dann immer für die Bindung entscheiden und seine eigene Entwicklung aufgeben. Dabei gibt es 5 Entwicklungsschritte, die gestört werden können: Bindungsfähigkeit (bonding), Einstimmung (attunement), Vertrauen (trust), Autonomie (autonomy) und Liebe/Sexualität.

Der Grund dafür ist, dass Kleinkinder Bindungsfehler ihrer Bezugsperson immer auf sich beziehen, da sie sich noch nicht in andere Personen hineinversetzen können. Sie suchen den Grund für eine Bindungsschwächung, -abbruch oder -missbrauch bei sich und werten sich deshalb selbst herab. Darüber hinaus wird jeder Schritt in Richtung erwachsen werden und jeder eigene Erfolg als Bedrohung der Bindung zur Bezugsperson empfunden, selbst dann noch, wenn man nicht mehr von der Bezugsperson abhängig ist.

Störungen in der ersten Stufe führen dazu, dass sich das Kind als nicht lebens-, liebens-, und bindungswert empfindet. Es hat Scham vor seiner eigenen Existenz, vor seinen Gefühlen und seinem Bedürfnis nach Bindung.  In der zweiten Stufe hat man Angst davor, seine Bedürfnisse zu kommunizieren, also um Hilfe zu bitten. Bei Störung des Vertrauensschritts hat das Kind Scham vor Abhängigkeit, Schwäche und Verletzlichkeit. Störung des Autonomiebestrebens führen zu Angst vor Selbstbestimmung, Autonomie und Unabhängigkeit. Störung der Liebesfähigkeit führen zu Angst vor Intimität und davor, sein "Herz an jemanden zu verschenken", bzw. seine intimen Gedanken mitzuteilen.

Die dementsprechenden Vermeidungs- oder Überlebensstrategien sind: Trennung und Distanzierung (disconnection); Überanpassung und Verschlossenheit; (falsche) Selbstständigkeit, Kontrolle und Stärke; Überanpassung oder übertriebene Autonomie; Perfekt sein wollen, rasch wechselnde, oberflächliche oder überhaupt keine Liebesbeziehungen eingehen.

Mit der Scham und Angst sind auch negative Emotionen und Gefühle verbunden, die eigentlich an die Bezugsperson addressiert sind, aber vom Kind gegen sich selbst gerichtet werden: Scham,Wut, Hass und Angst. Diese Autoaggressionen kommen immer dann zum Vorschein, wenn eine Situation auftritt, in der ein gestörter bzw. nicht erfolgter Entwicklungsschritt abgefragt wird, Bindung, Empathie, Vertrauen, Autonomie, Sexualität. Sie können sich als Depression, Selbstverletzung, Selbsthass oder psychosomatische Phänomene wie Schmerz oder Ohnmacht manifestieren. 

Strategien zur Kompensation gibt es viele. Suchtverhalten, die angesprochene Selbstverletzung, Selbstisolation, Projektion des Hasses auf andere Personen und Personengruppen, Kontrollverhalten sowie im schlimmsten Fall Weitergabe des Traumas an andere über psychischen und physischen Missbrauch.

Der Ausstieg aus diesem Dilemma gelingt laut Heller mit der sogenannten Selbstwirksamkeit, die zwischen dem Kind-Ich mit seinen Überlebensstrategien und dem Erwachsenen-Ich mit seinem größeren Verständnis, logischen Fähigkeiten und Kapazität zur gleichzeitigen Verarbeitung mehrerer Gefühle vermittelt. Dabei hilft, dass man mal schaut, wie die kindlichen Überlebensstrategien mit den erwachsenen Bedürfnissen konkurrieren. Mitzuerleben wie man vom Kind-Ich (Beklemmung) zum Erwachsenen-Ich (Erleichterung) wechselt und zurück. Und dass man lernt Gefühle/Empfindungen zu sortieren.

Ganz recht, erstmal wahrnehmen und dann eine passende Schublade suchen. Passt das Gefühl zu der aktuellen Wirklichkeit? Oder sortieren wir es in eine Vergangenheit? Und wie stehe ich zu den Emotionen und Gefühlen, wie bewerte ich sie selbst? Was wollen sie mir sagen, in welche Richtung möchten sie mich schieben? Welche Palette gibt es?

Gefühle sind manchmal Erinnerungen, die wir in die Zukunft projezieren (memories of the future past). Etwas wird passieren wie schon einmal erlebt, besser vermeiden? Nein, sortieren! Das ist Vergangenheit, jetzt sind wir erwachsen und jetzt sind wir viel stärker! Selbst wenns schief geht, das können wir ab! Soweit die Logik. Jetzt das Gefühl.

Hat man die Emotionen sortiert gilt es nun, sie auszuhalten und nicht gleich wieder wegzudrücken oder in Aktionen zu kanalisieren. Aushalten, abwarten, präsent bleiben. Das trainiert die Toleranz für Emotionen und Gefühle, besonders starke und gemischte Gefühle.

Ein letzter wichtiger Schritt ist echte Trauer. Trauer über das was man verloren hat und was nicht wiederkommt. Trauer über das, was man hätte haben sollen und nicht bekommen hat. Nur mit ehrlicher Trauer kann man abschließen.

Gerade höre ich den Podcast "Raus aus der Depression" mit Harald Schmidt und Ulrich Hegerl. Was man dort über Depression hört deckt sich wahrscheinlich nicht von ungefähr damit, was Dami Charf in "Auch alte Wunden können heilen" über die Dissoziation bzw. den Totstellreflex nach Kindheitstraumata schreibt. Auf Stress reagiert der Körper mit geistiger Distanzierung (Isolation, Angst), mit Herunterfahren der körperlichen Aktivität (Ruhebedürfnis), Appetitlosigkeit etc.

Ein Thema, dass ich hier noch nicht erwähnt habe ist die sogenannte Hypervigilanz oder erhöhte Wachsamkeit. Diese ist für alle Traumata typisch. Man scannt die Umgebung permanent nach Triggerfaktoren, also potentiellen Gefahren ab. Diese Tätigkeit ist ungemein stressig und frisst viel Energie. Man ist andauernd nervös und ängstlich, kann nicht abschalten, aber auch nicht produktiv tätig sein. Da man alles kontrollieren muss, kann man sich nicht mehr auf etwas Bestimmtes fokussieren. Dieser Zustand kann einer regelrechten Erstarrung oder Lähmung gleichen oder sich in nervösen Bewegungsmustern (Ticks wie Fußtippen) oder Kontrollzwängen äussern (etwa auf die Uhr schauen).
Man kann aus Ablenkung oder Nervosität eventuell nichts zu Ende bringen und ist sehr vergesslich.
Abends ist man dann total fertig, obwohl man nichts gemacht hat. Trotzdem kann man vielleicht nicht schlafen, weil man mit dem Schlaf ja die Kontrolle abgeben müsste. Die Wachsamkeit hält einen immer an der Grenze zu einer Notreaktion und Reize spezieller Art können Panik, Aggression (auch verbal) oder ein Abschalten provozieren. Das können Triggerreize sein, aber auch solche, die eine ungewohnte Empfindung hervorrufen.

Bei einem starken komplexen Kindheitstrauma entsteht eventuell nicht nur ein "Schattenkind", wie bei normalen Menschen, indem der emotionale Anteil unterdrückt wird, der mit den Eltern in Konflikt stand, es wird manchmal ein großer Teil oder sogar die gesamte emotionale Persönlichkeit (EP) abgespalten ("Splitting") und verschlossen, man nennt das "strukturierte Dissoziation". Man hat dann  möglicherweise fast keinen Zugang mehr zu seinen Gefühlen, was auch Alexithymie genannt wird. Hinzu kommt möglicherweise eine "komplexe posttraumatische Belastungsstörung". Das bisher beste Selbsthilfebuch zur K-PTBS, das mir empfohlen wurde ist "Posttraumatische Belastungsstörung, vom Überleben zum Leben" von Pete Walker.

Donnerstag, 4. Mai 2023

Persönliche und intellektuelle Entwicklung


Persönliche Entwicklung:

Ich habe selbst kein festes Bild von mir, mein Ich-gefühl schwankt.
Deswegen kann ich meine Entwicklung nur von aussen grob nachvollziehen.
Viel gelernt habe ich immer in Zeiten, in denen ich mich selbst mangelhaft fühlte auf der einen Seite, auf der anderen Seite ein grosser äusserlicher Druck auf mir lastete (z.B. Abi und Studium). Mein Gehirn ist überhaupt sehr träge und kommt erst mit sehr grosser Anspornleistung auf Touren.
So habe ich Hausaufgaben auch oft mal Nachts erledigt, einfach weil das Hirn dann nachgegeben hat und anfing zu arbeiten, weil es schlafen wollte.
Rein in den menschlichen Fähigkeiten habe ich erst sehr spät angefangen, zu begreifen, was und warum Leute überhaupt etwas tun (hauptsächl. bei der Lehre). Mir fehlten Moralvorstellungen aber auch Kommunikationsfähigkeiten und Einfühlungsvermögen. Das lerne ich immer noch. Aber auch beruflich usw. ist das Pensum noch riesig. Um so mehr man lernt, um so weiter splittet sich alles auf und um so mehr neue Richtungen kann man verfolgen.
Dasselbe gilt auch für Privatinteressen aber da bin ich in der Entwicklung eher gehemmt (immer noch) und brauche ständig Anstösse.

Eine Sättigung hat sich bei mir aber auch schon auf einigen Gebieten eingestellt. Also hauptsächlich medial bin ich unheimlich gesättigt.
Was ich will, weiss ich nach wie vor nicht so genau, kann aber mittlerweile in der Kategorie "Zukunft" denken, noch gar nicht so lange her, da bestand ich nur aus einem wirren Mischmasch aus Vergangenheit und Gegenwart. Eine persönliche Zukunft als Plan existierte gar nicht.

Intellektuell:

Ich würde meinen Geist nicht als klar, sondern eher chaotisch beschreiben. Relativ Dummes und Kluges kann da schnell aufeinanderfolgen. Ist wie Angeln im trüben Teich, mal hängt ein Fisch dran, mal ein alter Schuh.
Als Kind hatte ich Spass an Spielen mit stupiden Wiederholungen, Magnetangeln, Perlenfädeln, Bilder auf Kork pinnen, Puzzles, Knete, Elektrozeugs mit Klingeldraht und Glühbirnen. Buchstaben haben mich nicht interessiert und Zahlen auch nicht und andere Kinder ich sag mal wenig.
Der Kindergarten war aber wichtig, da wurde mit uns viel gebastelt usw. und man konnte alle die sozialen Grunddinge am Sandkasten klären.
Gut fand die Kindergärtnerin, dass ich auch im Winter die Baumarten noch auseinanderhalten konnte.
Wichtig waren für mich die altdeutschen Bücher meiner Urgrossmutter, insbesondere die Universallexikabände, Atlanten und Bestimmungsbücher, da hab ich mir die Bilder angeschaut. Auch ihr Garten war toll.
Lesen habe ich in der Schule gelernt und Rechnen mit einer Rechenmaschine (mit Glühwendelanzeige!) bei meiner Mutter auf Arbeit (bequem). 
 
In der Grundschule hatte ich nie Probleme mit irgendwas ausser Schönschreiben. Im Abitur lernte ich recht wenig freiwillig (eigentlich nur Deutsch und Bio), der Rest war von den Lehrern mies präsentiert.
Dazusagen will ich aber auch, dass andere in meiner Abiklasse mit Mathe etwa keine Probleme hatten, während ich oft den ganzen Matheunterricht in einer Art andächtigem Staunen starr verbracht habe, wie etwa, wenn man einem Zauberkünstler zuschaut: wie kam dieses Ergebnis nun so magisch zustande?
Mathegrundlagen holte ich in der Lehre auf, Physik im Studium. Seitdem weiss ich, dass eine klare Präsentation ohne Auslassungen der vermeintlich trivialen Anteile das A und O einer (für mich sinnvollen) Wissensvermittlung sind. Alles sollte einigermassen logisch ineinandergreifen, grade bei der Herleitung von Formeln.

Das Studium war das wichtigste in der Entwicklung und hat mich immer wieder bis an den Rand gefordert.
Die Doktorarbeit setzte das weiter fort. Es war eher ein "Rennen ums Überleben", soziales Weiterkommen. Beim Studium geht es ja um was, entweder man bleibt auf dem Abi sitzen und ist arbeitslos oder bekommt das Diplom. Dissertation ist ähnlich, wenn auch nicht mehr ganz so heikel. Ich fühlte mich dabei auch ehrlich oft intellektuell überfordert und zog die Scheuklappen über. 
 
Andererseits treibt mich das Hirn auch immer mal weiter. Langeweile im unproduktiven Sinne schadet mir über längere Zeit nicht, da das Gehirn dann auf Autobeschäftigung (obwohl, doch, es kann gefährlich werden) fährt. Langeweile im produktiven Sinne (also "richtig" arbeiten) halte ich nicht lange aus, ganz anders als als Kind. Das Neubegreifen auf neuen Gebieten ist immer wichtig. dabei gehe ich auch ehrlicherweise gar nicht gern in die Tiefe, was man landläufig auch unter Bequemlichkeit kennt (ist aber auch ein typischer Zug von Depressiven, dazu später mal).

Ich hatte bei der Doktorarbeit viele klügere Menschen um mich auf Arbeit, kann mich also einigermassen einschätzen.
Ich habe mich ein bisschen mit (Internet-Spiele-)IQ-Tests und IQ-Trainern auseinandergesetzt und denke, das so Training helfen kann, brachliegende Potentiale aufzudecken. Mein IQ liegt demnach etwa bei 110.

Das wichtigste in der Entwicklung denke ich waren die Entschlüsse, etwas anzugehen, dass ich im voraus nicht abschätzen konnte (Abi, Studium usw.). Äusserliche Einflüsse waren auch wichtig, Computer, Reisen usw.
Ich sage auch mal, hätte es den Mauerfall nicht gegeben, würde ich heute als "Geologiefacharbeiter" Braunkohle abbauen, weiterhin Bier trinken und in die Glotze schauen.
 
Hier geht es weiter zu "Wie ich denke". Hier zu "Vergangenheit". Und hier zu "Spielzeuge".