Dienstag, 23. Juni 2026

Die Handlung, die Wandlung (Versform)

Neulich dachte ich voll Ernst,
wie der Unterschied wohl sei,
ob man etwas früh gelernt,
oder später, nebenbei.
Spät erlernt ist die Moral
beispielsweise voller Fett-
näpfchen und mit einem Mal
wird der Saal zum Rutschparkett.

Vom „So tut man`s“ führt der Pfad
zum „Darum wird’s so gemacht“.
"Ist das alles", frag ich matt,
wirklich rigoros durchdacht?"
Warum tut ein Fehler weh,
warum will ich ihn verdrängen?
Hübsch ist, was ich vor mir seh:
Monster aus Gedankengängen.

Egoismus, Neid und Gier,
glänzen vorn, sind hinten schwarz,
besser man entlässt sie hier,
jetzt und auf die harte Art.
Doch die Leere hinterm Schein
muss man ja auch wieder füllen,
"Horch, was kommt von draußen rein",
sing ich, ach um Himmels willen!

"Ist es Mut, sich selbst zu sehen?"
frag ich und: "Warum denn ich?
Kann man lahm noch weitergehen,
werd' ich heil, verletz ich mich?
Wo ist Wahrheit, wer nimmt mir,
oder baut mein neues Ich?
Steht am Ende gar ein Wir,
oder andre?", frag ich mich.

"Oder bin ich alle hier?",
halt, ich darf nicht alle sein.
Einer spricht in mir dafür
und ein andrer zetert: "Nein!"
Hier im Kampf bin ich das Feld,
Passiv, nein, ich halt die Rechte.
Bald bin ich mit aller Welt,
eng verbunden, im Geflechte.

Denn es wachsen die Synapsen
aus dem Ohr mir wie Tentakel
"Nachtigall, ich hör dir trapsen."
bald versteh ich das Orakel,
werd ich fühlen, was wir sind,
und woran es uns gebricht,
wie ein gut erzog’nes Kind
seh' ich uns im klaren Licht.

Montag, 15. Juni 2026

Mit Rudolf Diesel nach Persien (Satire)

Bekannt ist ja, dass Tiere wie Nilpferde, Wasserbüffel ja und auch Wildschweine sich gerne in Schlammpfützen wälzen, um ihre Haut zu pflegen. Weithin berühmt sind auch die Salbungen und Ölungen schon seit den Ägyptern und als solches eine Wohltat für die Seele und den Leib. Gern nahm man für solche Einreibungen das Balsamöl der Balsamtanne. Mit der Industrialisierung der Salbungsbranche im 19ten Jahrhundert starb dieser Baum aber aus.

Allenthalben wurde nach synthetischem oder sonstigem Ersatz gesucht. So entdeckte in dieser Zeit ein gewisser Rudolf Diesel, der gern in seiner Freizeit Seifenkisten zum explodieren brachte, auf das sie sich bewegen täten (und auch taten), dass sich das schwarze Öl der Perser nicht nur zum Anzünden, sondern auch hervorragend zur Hautpflege eignete, zumal von der Natur nicht nur mit hervorragenden Schmier- sondern auch Schmirgelstoffen und Weichmachern versehen.

Seitdem verkauft die Salbungsindustrie die Diesel-Pflegeserie erfolgreich in vielen kleinen Franchiseunternehmen, wo sich der Erholungssuchende mit kleinen Duschen, die sowohl hoch-als auch tiefsiedende (für den jeweiligen Hauttyp fettig, trocken oder Mischhaut) Reinigungslotionen enthalten, gleich vor Ort vergnügen oder den Wonnesaft in kleinen Blecheimern nach Hause tragen kann.

Nichtsdestotrotz lassen es sich einige forsche (bzw. primitive) Bevölkerungsstämme nicht nehmen, in der Ferienzeit auch im Urstromland der Ölquellen in den naturbelassen selbigen zu baden, mit nichts bekleidet außer stählernen Badehauben. Ein sehr archaisches Vergnügen, wenn nicht sogar bizarr aber wohl auch sehr befriedigend. 

Sonntag, 14. Juni 2026

Der Schnee

Frostwind legt den Schnee in Wehen,
wird ans Fenster Blumen sähen.
Und ein ganzes Grußspalier
bau ich Dir aus Schneegetier.

Schnee ist Wassereis in Flocken,
oder Kohlensäure, trocken.
Doch wenn die vom Himmel fällt,
sieht es schlecht aus mit der Welt.

Zwischen alten Zeitungsrestern
finden wir den Schnee von gestern.
Kalt ists, grau ists, alles wartet,
wann der Wetterwandel startet.

Märzenbecher, Storchgeklapper
und der Stoff wird wieder knapper.
Sonnenstrahlen, grüne Wiesen,
und Allergiker, die niesen.

Donnerstag, 11. Juni 2026

Der Mann mit der Börse (Satire)

Neulich habe ich kurz nach Sonnenaufgang im Kühlschrank ein paar faule Kredite entdeckt und selbstredend sofort ins Rentenloch entsorgt. Danach flanierte ich durch meine Geldanlagen, wo die Kapitalerträge an Silberweiden und Goldruten reifen. Doch der raue Wind der Marktwirtschaft hatte dieses Jahr davon die Hälfte platzen lassen! Ach, wenigstens die Goldesel grasten friedlich neben ihren schimmernden Häufchen. Ein wenig missmutig ging ich dann mit ein paar Kredithaien und anderen großen Fischen in Liquiditätsproblemen baden.

Die rieten mir zu Einlagen für einen sicheren Stand. Am Nachmittag las ich dann ein Wertpapier, dass sein Papier nicht wert war (sicher von der Falschgeldpresse), als eine verlockende Verdienstmöglichkeit mit mir zu flirten begann. Ich bekam sofort sehr heiße Eisen in ihrem Finanzfeuer, verbrannte mir die Finger, richtige Dotcomblasen bekam ich! Da legte sie mir einen kühlen Sparkassenverband an. Ich brachte sie noch mit meiner Oldsmobilie in ihr Stammhaus, wo sie die Haustür mit einem dieser neumodischen Bluechips öffnete.

Sie erzählte mir bei einem Gläschen von ihrem neuen Steuerberater für ihre bescheidene Yacht im Hafen der Kleinanleger und das ihm die Fernsteuer sorgen mache, dann warfen wir unsere Kleider in ihren Aktienschrank und spielten Spekulanten unter einer dünnen Kapitaldecke. Doch schon am nächsten Morgen kam es zum Börsenkrach. Wütend warf ich das Handtuch und kündigte meinen Rücktritt an. Ich ging raschen Schrittes und sank auf einer Zentralbank nieder, aber die lästigen Wanderheuschrecken störten mich. Matt wandelte ich heim, denn dort wenigsten hatte ich noch das Monopol.