Derweilen unter Wasser:
Ich muss träumen, dachte der kleine Grünling, von seiner schweren
Halskrause befreit. Scheu tasteten seine Scheinwerferaugen durchs
Dunkel. Wie wunderschön sie ist. „Wer bist du?", fragte es. „Ich bin die
Meeresgöttin Margo." „Mein Wille ist es, meine Kinder vor Unrecht zu
beschützen." „Danke!" „Leider kann ich nicht überall sein" Jetzt sah sie
traurig aus. „Was für schöne Augen du hast", sprach sie. „Wohin
bringst du mich?" „Nach Haus...." Kroko strahlte vor Glück. „Nach
Haus..." wiederholte es und dachte an das Drosseli.
Unvermittelt rümpfte es die Nase. Irgendetwas roch hier seehr
eigenartig. Blubb, Blubb. Kroko trieb wieder im Sumpf. Blasige Blasen
stiegen um es herum auf, Kleinblasen und Grossblasen. Aua, der Kopf
brummte und puhh, wie das stank! Kroko kannte das von zu Hause: entweder
man hatte Besuch im Teich oder die Luft wurde bald knapp. Auf jeden
Fall hieß es Leine ziehen, denn was immer es war, es war ob der
Blasenzahl mächtiger als der Grünling. Also wieder heraus aus dem Sumpf
und an den Strand, mal sehen was Paketmann so trieb. Auf dem weg dahin
grummelte und bebte der Fußboden so eigenartig und es war beinahe wie
im Traum noch. Es dauerte eine Weile, bis Kroko den Paketmann fand. Der
hatte sich inzwischen aus dem gelben Aufblasdingens und ein paar
Stöcken am Strand eine Art Käfig mit Dach gebaut, unter dem er nun saß
und mit einem Stein wie ein Besessener auf einer der Kugeln
herumklopfte, von denen eine unserem Vierbeiner beinahe auf die Nuss
beziehungsweise den Kopf gefallen war. Neben ihm lag noch ein ganzer
Haufen solcher Kugeln, auch Kokosnüsse genannt...
Forsch
watschelte Kroko darauf zu und biss in eine hinein. Krach. Dann die
nächste. Knack. Und weiter. Die Dinger mussten unschädlich gemacht
werden, bevor sie wieder auf die Bäume kletterten. „Na, da bist du ja
wieder, hee dass sind meine... super, du kriegst sie auf!" war
Paketmanns wirre Begrüßung. Dann sprach er erstmal eine Weile gar
nichts, weil er mit seinem Steinchen und auch den Fingern die weißen
Innereien der Kokosnüsse in sich hineinstopfte und schmatzte. „ Du bist
ein prima Nussknacker", sagte er später. „Komm lass uns ein Nickerchen
machen".
Das war eine vernünftige Idee, aber Kroko wollte es
ein wenig kühler und buddelte sich vorne weiter eine Kuhle in den
feuchten Sand, die sich mit Wasser füllte. Hier ließ es sich vorzüglich
pennen. Schhhhhh, machte das Meer. So ratzten sie eine Weile lang, bis
sie wieder ein Grummeln und Beben aus dem Schlafe riss. Das Kroko
watschelte zum Paketmann und schaute ihn fragend an. „Hast Dus auch
schon mitbekommen, was? Guck mal nach da oben." Es guckte und staunte.
Es gab keinen Zweifel, da war ein ganz schön hoher Berg da oben.
Sonntag, 26. Mai 2024
Das Kroko und die Ventildrossel Teil 6
Mittwoch, 8. Mai 2024
Ritterballade (kooperativ mit Cornelia)
im heißen Land der Bengalen.
Denn unter der heißen Sonne
litt er scheußliche Qualen.
schob eiskalt seinen Todesfrust.
Auch dieser verliebte sich Hals über Kopf,
spielten sie später dann Schach.)
Das Kroko und die Ventildrossel Teil 5
Doch zurück zur
Kaptänskajüte. Nun, wir wollen nicht verheimlichen, dass der Käpt'n
neben jeder Menge Gold auch noch einen Papagei namens Master Mine
besaß. Das war ein schneeweißer Kakadu, der seinen Schopf lustig auf
und nieder stellen konnte und auch sprechen, zum Beispiel: „Galeone in
Sicht! Fertig machen zum entern! Gehauen und gestochen! Spießgesellen!
Spitzbube! Bandit! Teufel, Teufel! Mistviech, halt den Schnabel!" und
so weiter. „Wo hab ich denn deinen Käfig verramscht, Kamerad?" „Dein
neuer Genosse braucht glaub ich, ein wenig gesiebte Luft fürs erste!
Zackige Zähne und gerissene Äuglein! Sicher ist sicher, sonst beißt du
mir im Schlaf eins, zwei die Nase ab, nicht war?" Der stählerne Haken
bohrte sich unter Krokos Kinn „Ich hab dich gleich durchschaut" Und
dann lachte der Schwarzbart, dass die Schärpe wackelte. Und fiel
vornüber aufs Gesicht. Ein mächtiges Wummern erschütterte das Schiff.
Beim vornüber Fallen griff Schwarzbart nach der Tischplatte und warf
das Möbel mit Schwung in die Senkrechte, worauf das Kroko kopfüber in
einem goldenen Krug landete, so das nur noch die Hinterfüße und das
Schwänzchen zu sehen waren. Auch Mr. Graven an Deck, der noch immer
brütete, woher das verdammte Krokodil so plötzlich aufgetaucht, gar vom
Himmel gefallen (er war etwas schlauer als der Käpt'n) war, setzte sich
auf seine vier Buchstaben. Den Dreispitz schob er sich vom Gesicht und
runzelte erneut die Stirn. In den Mannschaftsräumen fielen die
Schlaf-Piraten aus den Kojen, suchten nach ihren Entermessern und
Laternen. In der Kombüse hopsten die Töpfe vom Haken. Holzbeinmann
blickte über die leere, aufgepeitschte Wasseroberfläche. Irgendetwas
Unterseeisches wütete am Schiff und die Gallionsfigur war bereits aus
ihrer Verankerung gerissen und verschwunden.
Da,
ein riesiger, grüner, schuppiger Leib! Da, eine Klaue! Wumm! Mr. Oars
hielt das Ruder und betete. Endlich kam Bewegung an Deck.
Aufgescheuchte Piratenmatrosen brachten ihre Gewehre in Stellung und
schossen ins Wasser. Dann fuhr eine grüne Faust mit einem gewaltigen
Hieb durch die Schiffswand, genau da, wo die Kaptänskajüte lag.
Holzsplitter regneten. Und das Ungeheuer richtete sich auf übers
Wasser. Einige der Matrosen plumpsten in die See. Die anderen erstarrten
vor Entsetzen. Was sie da angriff war, eine riesenhafte Verkörperung
ihrer schuppigen Schutzgöttin Margo, genau, wie sie als Gallionsfigur
vom Bugspriet gehangen hatte. Halb Fisch, Halb Frau. Sie waren
verflucht.
Im Zeitlupentempo zog sie die Faust wieder aus dem
Schiffsrumpf. Etwas güldenes, in ihrer Hand fast winziges blinkte
darin. Triumphierendes Gelächter erschallte. Bösartig und verlockend zu
gleich. Die Männer an Deck hielten sich nun die Ohren zu und besonders
Furchtsame warfen sich mit dem Gesicht zu Boden. Margo riss die Augen
weit auf und schüttelte ihre meeresgrünen Haare. Seetang und –sterne
flogen umher (Mr. Oars bekam einen ins Gesicht). Mit einer flinken
Handbewegung knickte sie den Hauptmast der Brigg, als sei es ein
Streicholz. Ein zufriedenes, meterlanges Lächeln spiegelte sich auf
ihrem Antlitz. Dann versank sie im Meer. Die Brigg, nunmehr ein Wrack,
dippte in ihrem Strudel. Aus dem Kapitänskajütenloch flog etwas Weißes
und schrie:"Hurrra, Hurra, gehauen und gestochen! Auf die Beine ihr
Halunken!". Dann war alles ruhig.
Samstag, 4. Mai 2024
Das Kroko und die Ventildrossel Teil 4
Die Nacht war sternenhell und es befand sich auf einem schwankenden Holzschiff. Auf und ab. Auf und ab. Weisse Stoffbahnen blähten sich an drei Mastbäumen. Und am höchsten Mast ganz oben flatterte eine Schädelflagge! Tock, tock, tock. „Wen haben wir denn da?" Der Velourgrünling schaute in ein langes, knochiges Gesicht mit schmallippigem Mund, Hakennase und kühlen hellgrauen Augen, umrandet von ebenso grauem, silberigem Haar, auf dem ein Dreispitz saß. „Guck guck!" Eine Hand mit stählernem Griff umklammerte seine Schnauze und das Kroko verlor den Boden unter den Füßen. „ Ein willkommene Abwechslung für die Küche, har, har. Du kommst in den Topf, mein Kleiner!" Dann richtete der Mann sich auf (er war sehr groß und trug das bibberige Speiseplankroko über Deck. Mit seinem Holzbein (tock, tock) unterhielt er dabei die Männer unten in ihren Kojen ganz ausgezeichnet.
Die Sterne beguckten noch immer die Schiffsplanken und manchmal
blinzelte eines. So sahen sie auch, wie der lange graue Mann mit dem
Kroko unter dem Arm unter Deck verschwand. Aber Sterne sind eitel und
sonnen sich nur in ihrem eigenen Licht. An der Tür griff der
Holzbeinmann nach einer Petroleumfunzel. Dann ging es über wackelige
hölzerne Stufen abwärts. Tock, tock.
Ein riesiger, krummer Schatten
folgte ihnen. Kroko hielt sich die Vorderbeine vors Gesicht. Dann
blieb der graue Hühne stehen und hämmerte gegen eine Tür. „Käpt'n!
Neuigkeiten!" Hinter der Tür rumpelte es, Glas klirrte und ein paar
saftige Flüche folgten. Knarr, das Brett öffnete sich einen Spalt breit
und ein Pistolenlauf schob sich dazwischen hervor. „Mr. Graven, wenn's
nichts Ernstes ist, landen sie bei den Fischen, ich schwör's!" „Nee,
Käpt'n! Ich hab was Lustiges gefunden." „Hah, sag's doch gleich, alter
Halunke! Hereinspaziert!" So schwang die Tür auf und gab den Blick auf
einen Mann frei, der etwas kleiner war als Holzbeinmann. Wie dieser war
er nicht besonders dick, sondern drahtig und wettergegerbt. Im Gesicht
wucherte ihm ein wilder schwarzer Bart und seine Augen funkelten wie
polierte Metallkugeln. So schwarz wie sein Bart war seine Kleidung, von
der sich eine rote Schärpe albern abhob. Mit einer weit ausholenden
Geste hieß er den Grauen eintreten und steckte die Pistole zwischen
Wams und Schärpe. Wo seine rechte Hand hätte sein sollen, war ein
Haken. Ein schmieriges Lächeln bemächtigte sich seiner. „Nun raus mit
der Beute, har, har!"
Schwarzbart schob mit der Hakenhand ein
paar leere Weinflaschen vom Tisch, die zu Boden polterten und im
Halbdunkel zwischen güldenen Kelchen, Kisten mit Dublonen, Edelsteinen,
Perlen und Elfenbeingötzen verschwanden. Mr. Graven packte das Kroko
auf die Platte, die Schnauze weiterhin fest umklammert. „Naa? Zuviel
versprochen? Fass mol dran" „Ich wird verrückt, ein Krokodil mit Fell!"
„Sollen wir das essen?" Sofort guckte Holzbeinmann wieder in die
Pistolenmündung. „Das könnt euch so passen" diesmal hatte die Stimme
des Käptn's einen messerscharfen Schliff. „Ordinäres Gesindel! Ohne
Bildung und Verstand! Ihr würdet ein Kiste Gold nicht erkennen, selbst
wenn ihr mit dem Gesicht drin läget! Das ist jetzt meins! Jeder, der
sich dem Ding auf fünf Schritt nähert, bekommt den Scheitel gelüftet,
beim Barte meiner Großmutter ! Nun raus, du stinkender Holzknochen!
Willst du meine Zeit stehlen?" Holzbeinmann ließ die Krokoschnauze
zögernd los und wich zurück. Böse grinsend schloss er die Tür. Sobald
der widerliche Trunkenbold wieder einmal besoffen röchelnd in seiner
Kajüte lag, würde er keinen Piaster mehr auf seine schwarze Seele
verwetten. Einen Dietrich hatte er schon lange. Da pfiff er sich eins
und grüsste im Vorbeigehen den Steuermann. „Einen gesegneten Abend, Mr.
Oars!" Mr. Oars nickte schweigend.
Freitag, 3. Mai 2024
Das Kroko und die Ventildrossel Teil 3
Das Kroko blieb auch
noch einen Weile liegen, und als der Morgen herandämmerte wurde
Paketmann wieder wach. „Hallo mein grüner Freund", flüsterte Paketmann
und setzte sich ächzend auf. „Hund und Katz, wo sind wir hier bloß
gelandet?" Sogleich begann er seinen Körper zu begutachten, ob noch
alles da wäre. War noch alles da. „Bei dir alles ok, Kroko? Warte, so
kannst du hier nicht rumlaufen." Paketmann nahm dem Kroko den Maulkorb
ab.
„Aber schön merken: Ronnie ist kein Futter." Paketmann versuchte
zu lachen aber es hörte sich mehr so an: "Hahaauaaua!" (War wohl doch
etwas mitgenommen). „Nu, was guckst du so? Troll dich!" Da hatte
Paketmann recht und Kroko machte sich auf die Socken. Nichts gegen den
Strandsand. Der war schön weiss und weich, und eignete sich bestimmt
gut zum Eiereingraben. Aber da hatte es von ferne ein paar Geräusche
gehört, die ihm bekannt vorkamen. So ein Glucksen und Blubbern, so ein
Piepen und Quaken. Konnte es sein?
Nach dem Sand hieß es sich
zuerst durch jede Menge langfingeriges trockenes Laub wühlen. Bei
Gelegenheit stellte Kroko fest, dass diese Langfingerblattbäume
überhaupt keinen Schatten spendeten. Und man konnte sich nicht unter
ihren Wurzeln verkriechen. Wozu waren sie gut? Bums! Landete ein großes
rundes Dings vor seiner Nase. Vorsichtshalber biss das Kroko hinein.
War es gefährlich? Und weil Krokodile kräftige Kiefer haben, zerbrach
das runde Dingens. Es war innen hohl und schien nicht weiter lebendig
zu sein. Auf jedenfall nichts zu Essen für ein Kroko. Und weiterhin
waren Orte, an denen Sachen vom Himmel fielen ungesund, jawohl! Also
weiter... Es ging noch über ein paar schwarze, raue Steinbrocken, durch
dickes und kratziges Unterholz. Sehr gut, denn hier war es nicht so
heiß.
Und wie es richtig vermutet hatte wurde der Boden bald
matschiger und wässeriger und jede Menge geflügelte kleine Sachen
flogen durch die Gegend. Ach das war fast wie zu Hause, nur noch besser
hier! Und was hatte das Kroko auf einmal für einen Hunger nach
glupschigen Unken oder einem schönen Mulch! Mjam! Als es den ersten
Frosch an einem Zweiglein herunterhängen sah, kümmerte sich das Kroko
nicht darum, dass der rot war, sondern machte einen herzhaften Haps.
Prima, man konnte sein Essen hier vorher sehen! Bis zum Abend hatte es
sich Leckerbissen aller möglichen Farben einverleibt und trieb gemütlich
und zufrieden in einem modderigen Tümpel, aus dem tote Holzstumpen
staken. Da der geneigte Leser ja nun aber weiß, dass man exotische
Lurche nicht essen soll wegen ihrer Giftigkeit, ging es dem armen Kroko
bald seeehr schlecht. Und es hatte einen gar fürchterlichen Traum.
Dienstag, 30. April 2024
Das Kroko und die Ventildrossel Teil 2
Lichtspiele waren hier
auch nicht erwünscht, nachts wollten alle schlafen nach dem harten Tag.
Der Gilluck (übrigens ein Langhaargilluck) hatte einen fürchterlich
rasselnden Atem, und weil dass so an das Ventilklappern erinnerte,
gesellte sich das Kroko zu ihm. Und jeden Tag wurde gestreichelt, was
ging. Das war nett so eine Zeit lang. Die grossen rosa Säuger kamen in
Scharen und brachten kleine rosa Säuger mit, die sich kaum auf ihren
wackeligen Beinchen halten konnten. Da ruderten sie mit den Ärmchen und
die grossen Augen und der Sabber lief ihnen aus dem Mund und der Nase
und drückten und knuddelten und gaben der dicken kleinen Ziege
Zuckerstückchen damit sie noch dicker würde. Oder man setzte sie auf
das Pony Peggy wo sie aber festgehalten werden mussten. Hü, Hopp!
Riefen sie und Peggy wieherte. All das leuchtete dem Kroko ein denn
sein Fell wurde prima sauber durch die Hände und so kam es eines Tages
auf die Idee, auch die kleinen rosa Säuger sollen was davon haben und
versuchte eines zu streicheln. "Buhää" war die Antwort und das grosse
Zubehör sagte was von "gemeingefährlich" und "Zooleitung" und trug den
Sabberlatz schnell weg. Da gab es abends eine Verwarnung vom
Zooleiteraugust, die sich gewaschen hatte: Was hast du dir dabei
gedacht. Halt gefälligst stille. Beim nächsten Mal kommst du in eine
Handtaschenfarm. Da wurde das Kroko störrisch und tat, was sein Name
sagte, nämlich es sperrte alle Streichelhände ab indem es mit seinem
zackigen Krokoschwanz draufhaute. Vielleicht war es ja in der
Handtaschenfarm ruhiger und man konnte mit diesen Handtaschen besser
auskommen.
Es dauerte auch nicht lange und der dicke August
wurde auch ganz dicke wütend. So, das hast du nun davon, sagte er,
jetzt muss ich mich schon wieder über dich erzürmen, schnappte sich den
Handabsperrer und verschickte ihn kurzer Hand in einer neuen Kiste
nach Übersee, Ziel Handtaschenfarm. Die gehörte einem gewissen Carlos
Haventyouseen.
Es waren Löcher in der Kiste und so konnte das Kroko
erstaunliche Dinge sehen, besonders auf dem grossen Platz mit all den
Metallvögeln, die anstandslos sowohl Kisten als auch Menschen aßen.
Eierbusse oder so ähnlich. Aber es sah aus, als sollte einer der Vögel
auch ihn verschlingen! Da wurde es dem Grünling in seinem Kasten
schummerig und ohnmächtelig. Aber drinnen war es dann doch ganz warm
und gemütsam. Aber wie es so ist, der Paketflieger stürzte ab (wobei
die Kiste vorteilsweise in Stücke zerfiel) und es überlebte keiner
außer dem Kroko und noch einem Mann, Ronald Eugene Turntosender
(Paketmann). Es gab einen fürchterlichen Gerums und Krach und dann war
alles weg, nur noch Wasser, wow so viel Wasser, und wie doof das
schmeckte.
Das
Kroko konnte prima schwimmen und Paketmann hatte in gelbes Aufblasteil
dabei. Kroko schwamm immer nebenher, weil es sonst nicht wusste wohin,
und Paketmann äugte zuerst skeptisch, aber mit der Zeit wurde er zu
erschöpft, um misstrauisch zu sein.
So schaukelten sie des Nächtens
an das Gestade eines fernen Landes wo die Bäume nur ganz oben Blätter
hatten und mit grossen Holzapfeln nach Einhergehenden warfen.
Als
die Brandung sie an das Festland geschoben hatte, kroch Paketmann aus
seinem gelben Aufblasdings und pennte gleich am Strand ein.
Freitag, 26. April 2024
Das Kroko und die Ventildrossel Teil 1
Es waren einmal ein
kleines Handabsperrkrokodil und eine Ventildrossel. Die lebten beide in
einem sumpfigen Sumpf und waren einander sehr zugetan. Da hatten sie
nun aber einigen Tages genug von ihrer modrigen Heimstatt, wo es nur
schrumpelige Mulche und glupschige Unken zu essen gab. Außerdem konnte
man des Nebels wegen die Hand nicht vor Augen sehen und so erkannte das
Handabsperrkrokodil die Ventildrossel nur an ihrem Klappern und die
Drossel das Krokodil nur an seinen grossen Augen, die leuchten konnten
wie Scheinwerfer. Das Klappern war wie ein Sonar nur es funktionierte
gar nicht, weil die Drossel eiliger als der Schall dahinhuschte. Des
öfteren veranstaltete das Krokodil lustige Schattenspiele für die
Drossel und selbige entspann eine kunstvolle Kakophonie dazu: klapp,
klapp ...
Nun also setzte sich die Drossel auf den schuppigen
Rücken und das Krokodil begann in eine Richtung zu laufen von der es
nicht wusste, welche es war, aber irgendwo musste es ja nach woanders
hingehen. Und wirklich, alsbaldig wurde der Nebel lichter und der Boden
tragfestiger. Und es ward eine grüne Wiese im Sonnenschein und
sahneblauer Himmel. Da sahen sie sich das erste Mal richtig. Das war
eine Freude! Das Krokodil war grün und passte gut zum Gras und die
Drossel konnte mal 5 Meter ohne eine bäumische Kopfnuss geradeaus
fliegen. So zirpte sie hin und her und zerbrach dabei einige
Schallmauern und das Kroko machte Purzelbäume und Handstände. Hier
wollten sie bleiben. Nun aber lebte nicht weit entfernt ein
jähzorniger kleiner rothaariger Mann namens Koboldt Nickel. Der hatte
zwei fürchterlich hässliche Hunde die Puter und Fitüre hießen.
Er war Streichelwildjäger und immer auf der Jagd nach neuen Insassen
für den bekannten und weltberühmten Streichelzoo seines grossen dicken
weisshaarigen Freundes August Schwafelsam mit einer dicken, rötlichen
Knollennase, durch die er oft schnaufte...
Beiden war Tierschutz völlig schnuppe!
Inzwischen hatte es angefangen zu regnen und das Drosseli hockte unter
Krokos Bauch und war schon wieder verdrießlich, wobei es mürrisch vor sich hinklapperte, weil nass war es im Moor auch ganz oft gewesen. Doch dann wurde es Nacht und das Getröpfel hörte auf und das Krokodil machte Disco Beleuchtung zum Takte der Drosselventile. Das entging dem bösen Koboldt nicht. Denn er saß des Nachts auf seiner Veranda und trank wilden Wein aus Würfelbechern. Da hatte er doch mal wieder mehr Glück als Verstand gehabt!
Mit Schwung erhob sich Rothaar-Koboldt (dein
Kopf brennt, hatten die Schulkinder früher immer zu ihm gesagt), aber
weil es in seinem Kopf ja auch ein bisschen matschig war verließ er die
Treppe in merkwürdiger Schräglage und landete bäuchlings zwischen den
Hühnern. Richtig, die mussten ja auch noch in den Stall. Was war er
wieder säumig gewesen, das würde mächtig Schimpfe geben, aua, aua.
Und da kam schon die neugierige Trulla Nickel herausgetrippelt und
krähte: "Was soll das für ein Gerumpel, Koboldt! Bist du wieder
betrunken? Und die Hühner noch außen. Muss ich alles selber machen?"
Jetzt schlug sie noch die Hände über dem Kopf zusammen, das konnte er
leiden.
„Spute dich Kopoldt und dann app ins Bett!" Nie kam sie,
wenn er was wollte. Also stellte sich Koboldt auf seine Hinterbeine und
stampfte mit den selbigen und lief rings herum puterrot an: „Frau!
Nein! Ich werde jetzt noch mal mit den Hunden raus. Geschäftlich, da
geht nix! Die Hühner schaffst du rein, mach auch mal was!
Rabatzmacherin."
Da lag schon auch ein leichter Schwefelgeruch mit
in der Luft. Worauf die Trulla Lippen und Äuglein zusammenkniff, sich
auf dem Absatz umdrehte und wortlos im Haus verschwand. Dort nahm sie
ihr Strickzeug und pfiff sich eins. Das mit dem Pfeifen ging schon aber
das mit dem Stricken klappte noch
nicht so gut. Koboldt stand nun
stramm und zog die Trillerpfeife:" Hühner antreten!" Das waren nicht
umsonst Westpoint Militärhühner die er von August geschenkt gekriegt
hatte. Trillller! Alle Hühner standen stramm da, bis auf das, auf dem
Koboldt gelegen hatte, das torkelte. „ Auf zum Stall, hut, hut, hut"
Vorauseilend schob er die Tür auf und ein Federweisser nach dem anderen
marschierte zack, zack durch die Öffnung: Huhn, Huhn, Hahn ........
Torkelhuhn, Schluss, Schloss, klick. Jetzt zum Hundezwinger und den
Wagen klar. „Komm Puter! Komm Fitüre!, Wir gehen auf die Jagd,
Streichelzeit!" Puter und Fitüre sprangen wie die Gummibälle um
ihn herum. Und so fing er die beiden Kroko und Drosseli ganz einfach
und hinterrücks weil die inzwischen sehr müde dem Schlaf anheim gefallen
laut schnarchten und klapperten, was das Zeug hielt. Zuvor war ihre
Musike noch von einigen Trommelkaninchen verstärkt worden aber die
wohnten weiter unten am Fluss und waren deshalb schon längst weg. Und da
ging es holterdiepolter in der Kiste zum Streichelzoo.
Das
erste, was die beiden unfreiwilligen Kisteninsassen erschreckte, war
Augusts Rübennase, so fest hatten sie geschlafen. Drosseli verkroch
sich hinter dem Kroko, das nichts zu verkriechen hatte und deshalb leis'
durch die Zähne knurrte. Na, aber da hatte es die Rechnung ohne den
August gemacht. Geschickt und schnell bekam es einen Maulkorb. „Ein
Handabsperrer aus der Familie der Velourkrokodile sehr schön Koboldt."
Tatsächlich sah das Kroko nur schuppig aus und hatte eine sehr weiche
und kuschelige Oberfläche mit Streichelgüte A. „Das pummelige Vöglein
hier nehme ich aber nur umsonst. Na, trinken wir erst mal einen drauf,
werden uns schon einig." Und haute dem Koboldt auf die Schulter, dass
die Knie einsackten und ein O machten. Der freute sich aber trotzdem, da
musste er nicht zu seiner Frau nach Hause und hatte eine Ausrede. Die
Kiste ging wieder zu und nur von Zeit zu Zeit war ein Ausruf hörbar:
Behumst du mich auch nicht? Alter Spitzbube ! Das ist ein Sonderangebot,
klarer Fall! Schnickschnack, Prost! Hahahaha! Nur im Paket, dann auch
Paketpreis! Da will ich tot umfallen und Schlemil heißen!"
Und
so kam dass Handabsperrkrokodil in das Wildstreichelgehege und die
Ventildrossel zu den Singvögeln in die Voliere wo sie nicht mehr
klappern durfte und das Singen lernten sollte. Im Wildstreichelgehege
lernte das Velourkroko dann auch noch andere Tiere kennen: einen
Angorafrosch, einen Gilluck, eine Multilope, die Schnurstraxe und die
Duckmaus und einen Sägezahnhamster und mehr. Mit dem Maulkorb konnte es
aber nix sagen.
Montag, 22. April 2024
Zweimal geschüttelt
Es fragt die Frau vom Standesamt,
die von den hohen Anden stammt,
den Mann mit einem Geissenbart,
ob er ihr was zum Beissen gart.
………………………
Beim Dämmerlicht den Spähbericht
Der Sperber mit dem Reh bespricht.
Er sah, statt dass der Füchse fangen,
Den Förster um die Büchse bangen.
Dieselbe tat zur Linken schiessen
so dass, -statt anvisiertem Ziel-
Fünf Kohlköpf' ihre Schinken liessen.
Beim Waldesgrund, in tiefer Nacht,
Das Reh sich immer schiefer lacht.
………………………
Es waren zwei alte Witwen,
die schrieben gern Algorithmen.
Dann stockte das Netz,
es empfahl das Gesetz,
dass sie sich dem Steckhalma widmen.
………………………
Erwin, dem der Brägen flötet,
weil er sich recht zugelötet,
legt das Eis gewandt anstelle
ins Frostfach in die Mikrowelle
Und als das Glöckchen dann erklingt
und es dezent nach Himbeer stinkt
und er es ganz sicher weiß
ruft er leis: das Eis ist heiß!
………………………
Und die Frau frug das Gespenst:„Wie sind sie denn gestorben?
Sie haben doch nicht so mir-nichts-dir-nichts ein Geisterdasein erworben?“
Der Geist und Emil waren zu Lebzeiten ein Gaunerpärchen.
Irgendwann wollte der spätere Geist einen "Bruch" machen, bei dem Emil
nicht mitmachen wollte und darum hat Emil zwar so getan, als ob er
mitmachen würde, hat aber die Leute vorher gewarnt, damit der Einbruch
nicht klappt. Leider wurde späterer Geist (da fehlt mir leider der Name)
auf der Flucht getötet (Unglück oder bei der Verfolgung?) und Emil
schwer verletzt. Letzterer liegt nun auf der Intensivstation, mehr tot
als lebendig (darum findet ihn der Geist auch nicht).
Falls Emil auch noch stirbt, sind die Freunde wieder zusammen. Entweder
beide als Geister oder sie sind dann beide bereit, ins Licht zu gehen …
Sonntag, 7. April 2024
Drachenschmaus (gendergerechte Version)
jedoch mit nur einem Kopfe es sich in just denselben setzt,
es täte seinem Stande gut wenn er einen Prinzen frässe.
Und während er geringelt ruht, vor seiner Höhl ein Herold krächzt
dass im nahen Schlosse hier gibt es ein Turnier um Vier
und jeder Heldin ständ es gut, wenn sie dort im Sattel säße.
Des holden Prinzen fernes Bild spiegelt sich in mancher Rüstung,
als er lichtumflossen steht auf des Schlossturms enger Brüstung.
"Ich sag euch, das Turnier beginnt, für den Prinzen Wiedekind!
Seine Hand wird der gebühren, die weiß die stärkste Lanz zu führen."
Die Ratten in der Speisekammer der königlichen Küche jammern
"Das Königshaus, das ist bankrott, bei uns herrscht bald die Hungersnot..."
Bis eine spricht "Lass uns doch wimmeln, zu den hehren Käsehimmeln.
Bei den Nonnen einzukehren, werde ich den Weg euch lehren."
Der Drachen pflückt den Wiedekind von des mächt'gen Turmes Zinnen,
klemmt ihn locker untern Arm und flattert übern Tann von hinnen.
Der Prinz ruft Hilfe und vom Auge sieht man seine Tränen rinnen.
Die Jungfern sich zum Retten rotten beim Teiche im Marillengrund,
um den Prinzen Wiedekind zu schützen vor dem Drachenschlund.
Die Knappen sehn Karotten mampfend, die Damen manche Lanze brechen,
weil die Blechhelmamazonen scheppernd sich den Rang erstreiten,
wer den Drachenpelz dem Jüngling morgen darf zu Füssen breiten.
Hernach ihre Rosse dampfend die Lungen aus dem Hals sich hecheln.
Es knattern Fahnen leis im Wind, die Fräulein rasten müd im Dreck
sie haben keine Lust mehr heute, an dem Tiere sich zu rächen.
Sie bauen Zelte auf dem Fleck und fangen lautstark an zu zechen.
Der Drachen schluckt den Wiedekind ganz samtens Rock und Firlefanz
Als kleine Mahlzeit zwischendrein, so fährt er in die Echse ein.
Über Berg und grüne Wipfel setzt er seine Reise fort, hungrig ist er, grantig ist er,
und so kehret er nicht heim, denn zu dürren Adelsknochen
noch ein paar fette Nonnelein, in ihrem eignen Saft zu kochen
dazu hat er große Lust, lüstern bläht er seine Nüstern.
Derweil grimm auch Rattenhorden in Reih und Glied die Wege schreiten
hin zum Kapuzinerorden wo die gelben Käse reifen.
Als die Schatten länger fallen, an dem elften Mai des Jahres
und Ratten in die Keller quellen, spricht die Äbtin leis den Segen
- auf Käseleib und Quittengeist -
die der Herr erhälten möge, des leiblichen Genusses wegen.
Nun nimmt das Schicksal seinen Lauf, die Schädlingsbrut ernährt sich wild.
Die Äbtin sich ganz still bekreuzigt und dann exklamiert sie "Hülft!"
Der Orden windet sich zur Kette, vom Kellerloch zum Hofe hoch,
wird alles Essbare gebracht und im Fackelschein bewacht.
Der Lindwurm traut den Augen kaum, das Klosterhof ist ein Bankett.
Nicht nur Gottesschaf voll Eifer, auch noch runde Käseleiber.
Die Flamme sanft auf Grill gestellt, schwebt er übers Himmelszelt.
Der Schmaus beginnt und viele Seelen der Herrgott zu sich rufet.
Hörner schallen, Rufe hallen, die Ritterinnen sahn das Feuer,
so voll wie die Haubitzen, sie zu Pferde sitzen.
Der Drach denkt nach und fliegt aufs Dach
und schnaubt und faucht und lacht und wiehert,
ein verquerer Bissen macht, dass er schnöd erstickt und drauf
auf die edlen Weiber kracht von den Kirchturmspitzen.
Der Nachtwind stöhnt, die Flammen prasseln, im Keller eine Schwester fröhnt.
Sie tauft mit klarem Quittenschnaps die Ratten für den heil'gen Papst.
Da fährt der Mephistopheles aus der Hölle auf und höhnt:
"Ich mag dich, du muntre Dirn, nimm diesen Säbel, schütz die Stirn.
Hinauf, hinauf, entrinn dem Feuer!
In dem starren Drachen dann harret dir ein holder Mann,
du musst ihn einfach nur zerlegen bis der Bursch sinkt dir entgegen.
Als Preis dafür ich meinem Meister, weihe dies Gemäuer."
Die Brave hackt wie die Besengte und durch des Lindwurms Schuppen sprengt sie,
schneidet sich durch das Gewebe und hofft, dass Wiedekind noch lebe,
Bald hört sie den Verschluckten schreien, er reicht ihr die beringte Hand,
"Du Säbelmaid komm mich zu freien und regiere dieses Land!"
Mit Schaudern fliehen sie den Ort, wo fortan nur die Teufel hausen.
Sie leben redlich viele Jahr, gefolgt von ihrer Kinderschar.
Das ist wirklich so geschehn ich erzähl euch keine Flausen.
Mittwoch, 3. April 2024
Der Auftritt
Weihnachtsedit:
Draußen vor den Burgmauern fiel sanft und still der erste Schnee und die Natur legte ihre friedvolle Pause ein. Die kalte Luft roch nach Tannennadeln, aus der Burgküche drang der Duft von gebrannten Mandeln und irgendwo in der Ferne hätte man ein leises Glockengeläut hören können. Im Speisesaal aber gab es justament einen veritablen Aufruhr und dies hatte mit Fugelhuf Vielgebein zu tun.
Fugelhuf war eine Ein-Mann-Band. Von der Art her ein Hundertfüßer (Centipede), stand er einem König zu Diensten und zwar einem geizigen, dem eine orchestrale Bemannung mit separat eßlustigen Individuen gegen den Strich ging, salopp gesagt. Fugelhuf spielte etwa 50 Instrumente, ein-, zwei- oder dreihändig, ein Standbein nicht zu vergessen.
Alle Blasinstrumente waren jedoch des Mundes bedürftig und davon hatte Fugelhuf auch etwa 25. Mehr oder weniger, aber gottseidank nur einer mit Zugang zum Magen, wie Ihro Durchlaucht bemerkte. Der Hundertfüßer besaß eine bemerkenswerte Präzision. Nachdem er Instrument für Instrument eine jeweilige Sinfonie oder Sonate einstudiert hatte, ratterte alles nur so und schnurrte aus ihm heraus. Beim Spielen wiegte er sich dann auch ästhetisch und der Klang der Geigen, Oboen und Brummtöpfe und so weiter schwappte nur so kreisrund in das sprachlos gaffende Publikum.
Gerade zum Beginn der heiligen Tage nun, als auch der Dekan für Neue Musik der musikalischen Fakultät Ausschau nach unerforschten Möglichkeiten hielt, die maroden und verkommen blasierten alten Zöpfe der Kammermusik radikal neu zu frisieren, begab es sich, dass Herr Vielgebein krank wurde. Ein zehrendes Fieber zerstörte seine Präzision zunehmend, Husten und Schneuzanfälle kamen hinzu!
Der Dekan erreichte den Hof mit verhaltener
Langeweile, während bei dem Musikanten schon kein Fuß mehr wusste,
was der andere tat, man munkelte auch von Gehirnerweichung. Der Hundertfüßer
hatte darob in den vergangenen Tagen begonnen, scheußliche
Klangunfälle zu produzieren, Disharmonien von solch entfesselter
Vehemenz, dass Mittelohrentzündungen den halben Hof erfassten.
Der Koch etwa konnte den Unterschied zwischen Rouladen
und Buletten nicht mehr verstehen und servierte Rouletten. Der König
grübelte, ob er sich eine Orchesterpause leisten konnte, als der
Dekan, nach Erfrischung und gründlicher Reinigung, an der Tafel Platz nahm. Man
hatte sogar ein mickriges Bäumchen aufgestellt, geschmückt mit ein
paar vergilbten Kugeln und einer einsamen Kerze, die trübselig vor
sich hin flackerte.
„Herr Vielgebein spielt heute die kleine Eiszapfenmusik von Sigurd Vogelschrei!“ tönte der Herold, alldieweil auch der Hof platziert war und sich, die Ohren wohlverstopft, über das Essen wunderte. „Fanget an!“ Fugelhuf begann nun sein jämmerliches Schauspiel, Triefbäche entwanden sich seines Körpers und gestalteten ihn so glitschig, dass er glänzte wie eine Specktomate und einzelne Instumente verabschiedeten sich, flutsch, ins Dunkel.
Während die Fürsten und Grafen und dergestalt trotz Pfropfen schmerzvoll die Augen verdrehten, durchfuhr den Dekan ein ganz neues Gefühl der Leichtigkeit. Diese Freiheit der Form! Diese lustigen Soli! Das war neu, das war vielleicht sogar Jazz! Juchzend sprang er auf und applaudierte. „Maestro, bravo, bravo.“ Dann hielt er inne und sinnierte, ob er diesem Wahnsinnswerk noch das eine oder andere Krönchen aufsetzen könne.
Da hielt er ihm eine Handvoll Heu unter die Nase, die er zerstreuterweise noch in seiner Tasche stecken hatte. Der Centipede explodierte daraufhin, der Schall der Hörner brachte eine Wand der Burg zum völligen Einsturz und Schneeflocken wirbelten von draußen herein.
„Aha!“ „Und hiermit?“ Respektlos stopfte der Dekan einen Löffel Senf in einen der Münder, bis heute ist es fraglich, ob es der richtige war. Vielgebein schwankte und schüttelte sich, ja er zitterte ein zermürbendes Vibrato, das nicht nur die Gläser und Krüge zersplitterten. Etliche der Damen fielen in Ohnmacht. Vielgebein flatulierte und verstummte. "Welch ein neuer Ton!" frohlockte der Musikwissenschaftler.
"GENUG!", brüllte der König. "„SOGAR DIE WEIHNACHTSMUSIK VERDREHT ER UNS? DAS DULDE ICH NICHT LÄNGER! VERSCHWINDE ER DER HERR DEKAN UND NEHME ER DEN KRACHMACHER MIT SICH!“ Sprachlos vor Glück hüpfte der Dekan durch das Loch in der Mauer, schleifte sein japsendes Geschenk mit sich, hängte es im Stall über sein Maultier, warf die Instrumente in seinen Karren und stapfte hinfort.
Über den Genesungsfortgang und wissenschaftlichen Fortlauf der atonalen Experimente des Dekans und seines Maestros ist wenig dokumentiert, nur einige wenige Auftritte mit ihren Neuschöpfungen, die kaum Anklang fanden, sind in den Annalen der musikalischen Fakultät notiert. Später freilich, nach seinem Tod, wurde der Dekan rehabilitiert und Fugelhufs Dissonanzen, welche man fein säuberlich in einer Truhe verstaut fand, etablierten sich auf dem Musikmarkt.
Original:
Fugelhuf Vielgebein war eine Ein-Mann-Band. Vielgebein war von der Art her ein Hundertfüssler (Centipede), stand einem König zu Diensten und zwar einem geizigen, dem eine orchestrale Bemannung mit separat eßlustigen Individuen gegen den Strich ging, salopp gesagt. Fugelhuf spielte etwa 60 Instrumente, ein, zwei oder 3-händig, ein Standbein nicht zu vergessen.
Alle Blasinstrumente waren jedoch des Mundes bedürftig und davon hatte Fugelhuf auch etwa 25. Mehr oder weniger (aber gottseidank nur einer mit Zugang zum Magen, wie Ihro Durchlaucht bemerkte). Der Hundertfüsser besaß auch eine bemerkenswerte Präzision. Nachdem er Instrument für Instrument eine jeweilige Sinfonie oder Sonate einstudiert hatte, ratterte alles nur so und schnurrte aus ihm heraus. Beim Spielen wiegte er sich dann auch ästhetisch und der Klang der Geigen, Oboen und Brummtöpfe und wasweissich schwappte nur so kreisrund in das sprachlos gaffende Publikum.
Aber es begab sich zu der Zeit, als just auch der Dekan für neue Musik der musikalischen Fakultät Ausschau nach Möglichkeiten hielt, die maroden und verkommen blasierten alten Zöpfe der Kammermusik radikal neu zu frisieren, das Herr Vielgebein krank wurde. Ein zehrendes Fieber zerstörte seine Präzision zunehmend, Husten und Schneuzanfälle kamen hinzu!
Der Dekan erreichte den Hof mit verhaltener Langeweile, während bei dem Musikanten schon kein Fuß wußte mehr, was der andere tat, man munkelte auch von Gehirnerweichung! Der Füsser hatte darob in den vergangenen Tagen begonnen, scheußliche Klangunfälle zu produzieren, Disharmonien von solch entfesselter Vehemenz, dass Mittelohrentzündungen den halben Hof erfassten. Der Koch etwa konnte den Unterschied zwischen Rouladen und Buletten nicht mehr verstehen und servierte Rouletten. Der König grübelte, ob er sich eine Orchesterpause leisten konnte, während der Dekan, nach Erfrischung und Neugewandung an der Tafel Platz nahm.
„Herr Vielgebein spielt heute die Lachkantate von Vogelschrei dem Runden!“ tönte der Herold, während auch der Hof platziert war und sich, die Ohren wohlverstopft, über das Essen wunderte. „Fanget an!“ Fugelhuf begann nun sein jämmerliches Schauspiel, während Triefbäche sich seines Körpers entwanden und ihn so glitschig gestalteten, dass er glänzte wie eine Specktomate und einzelne Instumente, flutsch, sich ins Dunkel verabschiedeten. Während die Fürsten und Grafen und dergestalt trotz Pfropfen schmerzvoll die Augen verdrehten, durchfuhr den Dekan ein ganz neues Gefühl der Leichtigkeit. Diese Freiheit der Form! Diese lustigen Soli! Das war neu, das war vielleicht sogar Jazz! Juchzend sprang er auf und applaudierte. „Maestro, bravo, bravo.“ Dann hielt er inne und sinnierte, ob er diesem Wahnsinnswerk noch das eine oder andere Krönchen aufsetzen könne.
Da hielt er ihm eine Handvoll Heu unter die Nase, das er achtlos aus dem Sitzkissen gerupft. Der Centipede explodierte daraufhin, der Schall der Hörner brachte eine Wand der Burg zum völligen Einsturz. „Aha!!!“ „Und hiermit?“respektlos stopfte er einen Löffel Senf in einen der Münder, bis heute ist es fraglich, ob es der richtige war. Vielgebein schwankte und schüttelte sich, ja er zitterte ein zermürbendes Vibrato, das nicht nur die Gläser und Krüge zersplitterten. Etliche Damen fielen in Ohnmacht. Vielgebein flatulierte und verstummte. "Welch ein neuer Ton!" frohlockte der Musikwissenschaftler.
"GENUG!", brüllte der König. "DAS DULDE ICH NICHT LÄNGER! VERSCHWINDE ER DER HERR DEKAN UND NEHME ER DEN KRACHMACHER MIT SICH!“ Sprachlos vor Glück hüpfte der Dekan durch das Loch in der Mauer, schleifte sein japsendes Geschenk mit sich, hängte es über den Esel, warf die Instrumente in den Karren und schritt hinfort. Über den Genesungsfortgang und wissenschaftlichen Fortlauf der atonalen Experimente des Dekans und seines Maestros ist wenig dokumentiert, nur einige wenige Auftritte mit Neuschöpfungen des Dekans, die kaum Anklang fanden, sind in den Annalen der musikalischen Fakultät notiert. Später freilich, lange nach deren Tod wurde der Dekan rehabilitiert und Fugelhufs Dissonanzen etablierten sich auf dem Musikmarkt.
Kommissar Blindschleiche
Die Leierei
Es war ein mal ein Geier,
der spielte seine Leier
Das hörte dann ein Reiher,
der saß im Reiherweiher.
Bald war es für den Reiher
genug der Geierleier
Er sprach "Ei, deine Leierei
verursacht bei mir Reiherei!
und das ist mir nicht einerlei,
denn ich leg grad ein Reiher-Ei."
Der Geier sprach darauf "Auweia,
ich üb' für eine Geierfeier
und was wär eine Geierfeier
denn ohne einen Leiergeier?"
Darauf der Reiher krächtzte "Ei,
ich wusst nichts von der Feierei.
Nur, könntest du nicht leiser leiern?
Sonst muss ich mich hier heiser reihern."
So übte nun der Geier leise
seine Geierleierweise.
Und der Reiher schlief dann bleiern
ein auf seinen Reihereiern.
Abends sank der Nebelschleier
leise auf den Reiherweier
und der fleissg'e Leiergeier
flog zu seiner Geierfeier.
Melancholische Lieder
Echo and the Bunnymen: Killing Moon
New Order: True Faith
Simon and Garfunkel: Sound of Silence
Richard Marx: Hazard
Montag, 19. Februar 2024
Das Kernproblem
Ich möchte hier kurz über das Kernproblem vieler psychischer Probleme sprechen, wie es von Dr. Laurence Heller und Dami Charf erklärt wird.
Also das Kernproblem ist, dass sich Kinder beim Aufwachsen eventuell entscheiden müssen zwischen der Bindung an ihre Bezugsperson und ihrer eigenen Entwicklung. Das Kind wird sich dann immer für die Bindung entscheiden und seine eigene Entwicklung aufgeben. Dabei gibt es 5 Entwicklungsschritte, die gestört werden können: Bindungsfähigkeit (bonding), Einstimmung (attunement), Vertrauen (trust), Autonomie (autonomy) und Liebe/Sexualität.
Der Grund dafür ist, dass Kleinkinder Bindungsfehler ihrer Bezugsperson immer auf sich beziehen, da sie sich noch nicht in andere Personen hineinversetzen können. Sie suchen den Grund für eine Bindungsschwächung, -abbruch oder -missbrauch bei sich und werten sich deshalb selbst herab. Darüber hinaus wird jeder Schritt in Richtung erwachsen werden und jeder eigene Erfolg als Bedrohung der Bindung zur Bezugsperson empfunden, selbst dann noch, wenn man nicht mehr von der Bezugsperson abhängig ist.
Störungen in der ersten Stufe führen dazu, dass sich das Kind als nicht lebens-, liebens-, und bindungswert empfindet. Es hat Scham vor seiner eigenen Existenz, vor seinen Gefühlen und seinem Bedürfnis nach Bindung. In der zweiten Stufe hat man Angst davor, seine Bedürfnisse zu kommunizieren, also um Hilfe zu bitten. Bei Störung des Vertrauensschritts hat das Kind Scham vor Abhängigkeit, Schwäche und Verletzlichkeit. Störung des Autonomiebestrebens führen zu Angst vor Selbstbestimmung, Autonomie und Unabhängigkeit. Störung der Liebesfähigkeit führen zu Angst vor Intimität und davor, sein "Herz an jemanden zu verschenken", bzw. seine intimen Gedanken mitzuteilen.
Die dementsprechenden Vermeidungs- oder Überlebensstrategien sind: Trennung und Distanzierung (disconnection); Überanpassung und Verschlossenheit; (falsche) Selbstständigkeit, Kontrolle und Stärke; Überanpassung oder übertriebene Autonomie; Perfekt sein wollen, rasch wechselnde, oberflächliche oder überhaupt keine Liebesbeziehungen eingehen.
Mit der Scham und Angst sind auch negative Emotionen und Gefühle verbunden, die eigentlich an die Bezugsperson addressiert sind, aber vom Kind gegen sich selbst gerichtet werden: Scham,Wut, Hass und Angst. Diese Autoaggressionen kommen immer dann zum Vorschein, wenn eine Situation auftritt, in der ein gestörter bzw. nicht erfolgter Entwicklungsschritt abgefragt wird, Bindung, Empathie, Vertrauen, Autonomie, Sexualität. Sie können sich als Depression, Selbstverletzung, Selbsthass oder psychosomatische Phänomene wie Schmerz oder Ohnmacht manifestieren.
Strategien zur Kompensation gibt es viele. Suchtverhalten, die angesprochene Selbstverletzung, Selbstisolation, Projektion des Hasses auf andere Personen und Personengruppen, Kontrollverhalten sowie im schlimmsten Fall Weitergabe des Traumas an andere über psychischen und physischen Missbrauch.
Der Ausstieg aus diesem Dilemma gelingt laut Heller mit der sogenannten Selbstwirksamkeit, die zwischen dem Kind-Ich mit seinen Überlebensstrategien und dem Erwachsenen-Ich mit seinem größeren Verständnis, logischen Fähigkeiten und Kapazität zur gleichzeitigen Verarbeitung mehrerer Gefühle vermittelt. Dabei hilft, dass man mal schaut, wie die kindlichen Überlebensstrategien mit den erwachsenen Bedürfnissen konkurrieren. Mitzuerleben wie man vom Kind-Ich (Beklemmung) zum Erwachsenen-Ich (Erleichterung) wechselt und zurück. Und dass man lernt Gefühle/Empfindungen zu sortieren.
Ganz recht, erstmal wahrnehmen und dann eine passende Schublade suchen. Passt das Gefühl zu der aktuellen Wirklichkeit? Oder sortieren wir es in eine Vergangenheit? Und wie stehe ich zu den Emotionen und Gefühlen, wie bewerte ich sie selbst? Was wollen sie mir sagen, in welche Richtung möchten sie mich schieben? Welche Palette gibt es?
Gefühle sind manchmal Erinnerungen, die wir in die Zukunft projezieren (memories of the future past). Etwas wird passieren wie schon einmal erlebt, besser vermeiden? Nein, sortieren! Das ist Vergangenheit, jetzt sind wir erwachsen und jetzt sind wir viel stärker! Selbst wenns schief geht, das können wir ab! Soweit die Logik. Jetzt das Gefühl.
Hat man die Emotionen sortiert gilt es nun, sie auszuhalten und nicht gleich wieder wegzudrücken oder in Aktionen zu kanalisieren. Aushalten, abwarten, präsent bleiben. Das trainiert die Toleranz für Emotionen und Gefühle, besonders starke und gemischte Gefühle.
Ein letzter wichtiger Schritt ist echte Trauer. Trauer über das was man verloren hat und was nicht wiederkommt. Trauer über das, was man hätte haben sollen und nicht bekommen hat. Nur mit ehrlicher Trauer kann man abschließen.
Gerade höre ich den Podcast "Raus aus der Depression" mit Harald Schmidt und Ulrich Hegerl. Was man dort über Depression hört deckt sich wahrscheinlich nicht von ungefähr damit, was Dami Charf in "Auch alte Wunden können heilen" über die Dissoziation bzw. den Totstellreflex nach Kindheitstraumata schreibt. Auf Stress reagiert der Körper mit geistiger Distanzierung (Isolation, Angst), mit Herunterfahren der körperlichen Aktivität (Ruhebedürfnis), Appetitlosigkeit etc.
Ein Thema, dass ich hier noch nicht erwähnt habe ist die sogenannte Hypervigilanz oder erhöhte Wachsamkeit. Diese ist für alle Traumata typisch. Man scannt die Umgebung permanent nach Triggerfaktoren, also potentiellen Gefahren ab. Diese Tätigkeit ist ungemein stressig und frisst viel Energie. Man ist andauernd nervös und ängstlich, kann nicht abschalten, aber auch nicht produktiv tätig sein. Da man alles kontrollieren muss, kann man sich nicht mehr auf etwas Bestimmtes fokussieren. Dieser Zustand kann einer regelrechten Erstarrung oder Lähmung gleichen oder sich in nervösen Bewegungsmustern (Ticks wie Fußtippen) oder Kontrollzwängen äussern (etwa auf die Uhr schauen).
Man kann aus Ablenkung oder Nervosität eventuell nichts zu Ende bringen und ist sehr vergesslich.
Abends ist man dann total fertig, obwohl man nichts gemacht hat. Trotzdem kann man vielleicht nicht schlafen, weil man mit dem Schlaf ja die Kontrolle abgeben müsste. Die Wachsamkeit hält einen immer an der Grenze zu einer Notreaktion und Reize spezieller Art können Panik, Aggression (auch verbal) oder ein Abschalten provozieren. Das können Triggerreize sein, aber auch solche, die eine ungewohnte Empfindung hervorrufen.
Bei einem starken komplexen Kindheitstrauma entsteht eventuell nicht nur ein "Schattenkind", wie bei normalen Menschen, indem der emotionale Anteil unterdrückt wird, der mit den Eltern in Konflikt stand, es wird manchmal ein großer Teil oder sogar die gesamte emotionale Persönlichkeit (EP) abgespalten ("Splitting") und verschlossen, man nennt das "strukturierte Dissoziation". Man hat dann möglicherweise fast keinen Zugang mehr zu seinen Gefühlen, was auch Alexithymie genannt wird. Hinzu kommt möglicherweise eine "komplexe posttraumatische Belastungsstörung". Das bisher beste Selbsthilfebuch zur K-PTBS, das mir empfohlen wurde ist "Posttraumatische Belastungsstörung, vom Überleben zum Leben" von Pete Walker.